Bietigheim-Bissingen Statt der Wohnbau baut jetzt die Bürgerstiftung

Von Uwe Mollenkopf
Auf dem Grundstück in der Panormastraße 44 soll sozialer Wohnraum entstehen. Foto: /Martin Kalb

Der Stiftungsrat hat den Kauf eines Grundstücks in Bissingen gebilligt. Dort soll in den Jahren 2026/2027 sozialer Wohnraum geschaffen werden.

Die Schaffung von sozialem Wohnraum ist als eines der Ziele der Bürgerstiftung Bietigheim-Bissingen in ihrer Satzung von 2016 verankert. Bisher wurden 65 Wohnungen geschaffen oder gekauft, weiterer Wohnraum soll hinzukommen, um das von Oberbürgermeister Jürgen Kessing, dem Stiftungsratsvorsitzenden, in der Vergangenheit genannte Ziel von 100 Wohnungen zu erreichen. Mit dem Kauf eines Grundstücks in der Panoramastraße 44 in Bissingen, den der Stiftungsrat in seiner jüngsten Sitzung ohne Gegenstimme billigte, kommt man diesem Ziel wieder einen Schritt näher. Die Stadt fördert die Wohnungspolitik der Stiftung mit jährlichen Zuschüssen von einer Million Euro.

Gelände schon freigeräumt

Das Grundstück in der Panoramastraße hat eine Fläche von 691 Quadratmeter. Das Gelände ist bereits freigeräumt, zuvor stand dort ein altes Einfamilienhaus. Die städtische Tochtergesellschaft Bietigheimer Wohnbau hatte das Grundstück erworben und verkauft es jetzt für rund 862.000 Euro an die Bürgerstiftung. Von der Summe sind 511.000 Euro reiner Kaufpreis, der Rest Baunebenkosten für Planung und Gebühren (301.000 Euro) sowie Grunderwerbskosten für Notar, Grundbuch und Grunderwerbsteuer (circa 50.000 Euro).

Die Finanzierung im Haushaltsjahr 2025 erfolgt außerplanmäßig, denn eigentlich hatte die Bürgerstiftung ein anderes Grundstück im Auge. Eingeplant waren im Haushalt für 2024 rund 1,8 Millionen Euro für den Kauf eines Grundstücks in Metterzimmern, um dort ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen im Bereich geförderter Mietwohnraum zu errichten. Da dieses Grundstücksgeschäft aber noch nicht zum Tragen kam, sollen die dort veranschlagten Mittel nun neu angesetzt werden und können für den Kauf in Bissingen verwendet werden. Dort ist ebenfalls ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen vorgesehen.

Die Bietigheimer Wohnbau hat für das Grundstück Panoramastraße 44 auch bereits eine Planung erstellt. Demnach sollen in dem Neubau Wohnungen entstehen, die als geförderter Wohnraum vermietet werden können. Eine Umsetzung könne von der Wohnbau derzeit nicht selbst in Angriff genommen werden, weshalb das Projekt der Bürgerstiftung angeboten wurde, heißt es in der Vorlage, die der Entscheidung im Stiftungsrat zugrunde lag.

Wohnbau hat anderes vor

Wie Sabrina Peer, die Sprecherin der Bietigheimer Wohnbau, auf BZ-Anfrage mitteilte, will die Wohnbau dort deshalb nicht selbst bauen, weil mehrere andere große Bauvorhaben anstehen. Das sei unter anderem das Aurain-Carré (ehemaliges Elbe-Areal), das neu bebaut werden soll, und das Grundstück in der Berliner Straße 19, wo die Wohnbau derzeit noch ihren Sitz hat. Wie berichtet soll das dortige Gebäude nach dem Umzug des Immobilienunternehmens in den Neubau in der Stuttgarter Straße abgerissen werden, um Platz für ein neues Quartier zu machen. „Somit passt das Sechsfamilienhaus zurzeit nicht ins Portfolio“, sagt die Sprecherin.

Die Bürgerstiftung kann für das Projekt beim Land Zuschüsse für sozialen Wohnungsbau beantragen. Erwartet wird eine Förderung in Höhe von rund 900.000 Euro. Geplant ist eine Wohnfläche von rund 438 Quadratmetern, verteilt auf sechs Dreizimmer-Wohnungen (viermal 77 Quadratmeter, einmal 60 und einmal 68 Quadratmeter).

Pachteinnahmen steigen

Wenn die Zusage für den Zuschuss vorliegt, soll die Planung weitergeführt und ein Generalübernehmer für die Errichtung des Hauses gesucht werden. Die Baugenehmigung liegt bereits vor, der Bau könnte dann in den Jahren 2026/2027 erfolgen. Durch die danach zu erwartenden Pachteinnahmen erhöhen sich die jährlichen Einnahmen der Bürgerstiftung, die derzeit laut Vorlage bei rund rund 400.000 Euro liegen. Diese decken zum einen die Abschreibung und damit die langfristige Refinanzierung der Gebäude, zum anderen werden damit Projekte in Kunst und Kultur, Sport, Bildung und bürgerschaftliches Engagement gefördert.

 
 
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