Goldene Kronen auf dem Kopf, gekleidet in feinen Gewändern und unterwegs mit Geschenken – Gold, Weihrauch und Myrrhe. So sind Caspar, Melchior und Balthasar unterwegs und bringen den Segen und die frohe Kunde von Jesu Geburt. Auch in der Stadt an Metter und Enz, sind die Heiligen Drei Könige samt Stern unterwegs und bringen Lieder, Sprüche und den Segen in Häuser und Wohnungen.
Bietigheim-Bissingen Sternsinger: Engagement im Wandel
Seit dem 4. Januar sind die Heiligen Drei Könige wieder unterwegs. Drei langjährige Organisatoren erzählen der BZ, wie sich die Tradition verändert hat.
Doch damit sich die jungen Könige überhaupt auf den Weg machen können, sie nicht vor verschlossenen Türen stehen und stattdessen Spenden für Kinder in der Welt sammeln können, braucht es viele Helfer, die das Sternsingen koordinieren, organisieren und die Kinder auf ihren Touren begleiten.
Stefan Pruß aus dem Stadtteil Buch ist schon seit 1994 mit dabei, organisiert und begleitet die jungen Könige auf ihren Touren durch den Stadtteil. In diesem Jahr sind zehn Kinder am 4. und 5. Januar in Buch unterwegs. In der Bissinger Gemeinde Zum Guten Hirten sammeln dieses Jahr 19 Sternsinger für die Kindermission.
Für die Menschen vor Ort
„Die Kinder- und Jugendarbeit macht mir Spaß“, erklärt Pruß sein jahrzehntelanges Engagement in der Gemeinde St. Johannes im Buch. Angelika Damaske, die schon selbst als Kind in Bietigheim als Sternsingerin unterwegs war, ist auch noch ein anderer Aspekt wichtig: „Dieses Gefühl, dass man den Menschen vor Ort mit dem Sternsinger-Besuch etwas Gutes tut, ihnen Zeit schenkt und mit den gesammelten Spenden auch noch helfen kann“, sagt sie. Ebenso wie Beate Pfister ist sie mit den Sternsingern der St. Laurentius Gemeinde unterwegs und überbringt den Segen.
„Ich mache das auch für meine Kinder. Denn ich habe die Sorge, dass manche Dinge in der Kirche nicht mehr stattfinden, wenn es keiner mehr macht“, sagt Beate Pfister. Sie kennt das Sternsingen noch aus der eigenen Kindheit und Jugend. Seitdem habe sich einiges verändert: Es sind weniger Kinder, die noch als Sternsinger unterwegs sind und auch die Anzahl der Haushalte, die sich für den Besuch der Heiligen Drei Könige bei der Gemeinde anmelden, sind deutlich weniger geworden. „Ich habe früher so eine Art Schattenliste geführt, da standen Leute drauf, von denen wir wussten, da kann man hingehen“, sagt Pruß. Doch mittlerweile seien auch viele Menschen von dieser Liste verstorben.
Zahlen haben sich halbiert
Seit Corona habe sich die Zahl der Kinder, die als Sternsinger unterwegs sind deutlich reduziert. „Vor der Pandemie waren meistens so um die 35 Kinder allein für St. Laurentius unterwegs, dieses Jahr sind es 18“, sagt Sabine Langguth, die die Organisation der Sternsinger für die St. Laurentius Gemeinde seit vielen Jahren übernimmt. Während der Pandemiebeschränkungen habe man den Segensaufkleber samt Überweisungsträger in die Briefkästen geworfen. Diesen Weg nutzten mittlerweile viele Gemeindemitglieder sodass auch die Anzahl der Besuchswünsche deutlich zurückgegangen sei.
Unterwegs als „Kamel“
„Früher sind wir an allen drei Tagen gelaufen“, erinnert sich Pfister. In diesem Jahr sind die 18 Kinder aus St. Laurentius nur am 6. Januar unterwegs. Da das Gebiet von Metterzimmern bis zur Kammgarnspinnerei reicht, werden die Heiligen Drei Könige auch schon mal mit dem Auto befördert. „Damals als ich frisch meinen Führerschein hatte und dann die Sternsinger mit dem Auto herumgefahren habe, fragte mich eine Familie, wer ich denn sei“, erinnert sich Pfister. Die Antwort kam prompt und sorgte für viele Lacher: „Das Kamel.“
Denn auch darum gehe es eben bei den Sternsingern: Den Menschen mit ihrem Besuch eine Freude zu bereiten. „Wir besuchen auch sehr viele alte Menschen, die sich dann sogar extra Gäste für den Besuch der Sternsinger einladen und dann die Kinder hereinbitten, um mit ihnen Plätzchen zu essen“, sagt Angelika Damaske. Nicht immer sei genug Zeit, den Einladungen nachzukommen, doch wenn möglich, würden die Sternsinger die Einladungen gerne annehmen.
Die Offenheit und Freundlichkeit, mit der die Sternsinger empfangen werden, sei immer schön. „Die Kinder sind so lange unterwegs und das bei jedem Wetter, da ist es wirklich schön, wenn ihnen zwischendurch auch mal etwas zum Trinken angeboten wird oder sie die Toilette benutzen dürfen“, sagt Pfister.
Schon Vierjährige liefen mit, allerdings nur für eine kurze Zeit, da die gesamten Touren einfach noch zu anstrengend für sie seien. „Wir haben mittlerweile auch die Texte angepasst“, sagt Pruß. Die Sprüche, die die Kinder aufsagen, sind kürzer geworden. Doch eines scheint sich nicht verändert zu haben: „Die Süßigkeiten gehören immer noch dazu und davon gibt es immer für alle Kinder genug. Wir packen nach den Touren den Kindern dann immer eine gemischte Tüte“, sagt Pruß.
Für die Kinder sei es immer ein kleiner Wettbewerb, welche Gruppe es schafft, die meisten Spenden einzusammeln. Im vergangenen Jahr kamen rund 10.000 Euro in der Gesamtkirchengemeinde über die Sternsingerbesuche zusammen. 2006 waren es rund 11.200 Euro in ganz Bietigheim-Bissingen, 2011 und 2012 jeweils sogar über 12.000 Euro.
Zur Vorbereitung der Sternsinger kommen die Gruppen in ihren Gemeinden zusammen, schauen sich den Film für die Sternsinger an, der jährlich neu erstellt wird und in dem erklärt wird, für welchen Zweck sie sammeln. Anschließend werde über den Film gesprochen.
Noch bis zum 6. Januar sind die Sternsinger der katholischen Gesamtkirchengemeinde in Bietigheim-Bissingen unterwegs und überbringen den Menschen den Segen.
