Aus dem ehemaligen evangelischen Gemeindehaus soll ein Haus der Gemeinde werden. So lautet das erklärte Ziel von Rudolf Bayer, der mit seiner neuen Stiftung Kultur das Gebäude in der Besigheimer Straße 12 bezogen hat. Statt der üblichen Baustellenrundfahrt zum Abschluss des Pferdemarktes hat der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat sich in diesem Jahr für eine gemeinsame Besichtigung der neuen Wirkungsstätte der Stiftung entschieden. Es sei wichtig, das Gebäude in einem frühen Zustand der neuen Nutzung zu sehen, sagte Rudolf Bayer. Das Haus am Rande der Altstadt solle ein Teil eben jener werden. Er bedankte sich bei der Bietigheimer Wohnbau, der das Gebäude gehört, und die beim Umbau kräftig unterstützt habe. Unter anderem habe man Mobiliar aus dem alten Verwaltungssitz der Wohnbau erhalten.
Bietigheim-Bissingen Stiftung Kultur will Kunst bewahren und fördern
Der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat hat das neue Haus der Kultur besichtigt. Rudolf Bayer will mit seiner Stiftung die Kultur in der Stadt stärken.
Ergänzung zur Galerie
Bayer betonte, dass die Stiftung Kultur keine Konkurrenz zu anderen Einrichtungen wie der Städtischen Galerie darstellen soll. Vielmehr soll diese dadurch entlastet werden. Zu den Stützen der Stiftung zähle demnach die Bewahrung und Pflege von Nachlässen bedeutender Künstler, was so in der Galerie mangels Platz und Personal nicht möglich sei. „Wenn die Galerie ein Werk für eine Ausstellung will, kann sie es sich nehmen“, sagte Bayer. Ebenfalls auf die Fahne geschrieben habe sich die Stiftung die Förderung der lokalen Kultur, wobei Bayer einräumte, dass dies in den Anfangsjahren mangels finanzieller Mittel noch nicht so möglich sein werde. Zunächst wolle man das Gebäude von der Bietigheimer Wohnbau erwerben. „Als Stiftung kann man die sichere Aufbewahrung von Kunst über Generationen nicht garantieren, wenn einem das Gebäude nicht gehört.“ Im Anschluss sollen finanzielle Mittel generiert werden, die in verschiedene Kulturprojekte in der Stadt fließen sollen. In einer Zeit knapper Etats sei es die Aufgabe einer solchen Organisation, Verantwortung zu übernehmen, ist Bayer überzeugt.
Der frühere Lehrer verfolgt mit der Stiftung Kultur auch einen pädagogischen Ansatz. „Wir wollen auch dafür sorgen, dass nachfolgende Generationen den Begriff Kultur noch buchstabieren können.“ Dazu wolle man das Interesse der Jugendlichen und Kinder wecken, etwa durch gemeinsame Projekte mit Schulen. Auch soll der gesamte Bestand der Stiftung in den kommenden zwei Jahren digital zugänglich gemacht werden.
Räume den Künstlern gewidmet
Noch sind nicht alle Räume im neuen Haus der Kultur fertig, neben zwei Ausstellungsräumen, bietet das Gebäude zahlreiche Lagerräume. Darüber hinaus will Bayer die Kunst auch erlebbar machen. So gibt es unter anderem einen Raum, der ganz dem Komponisten Hans-Georg Pflüger gewidmet ist. Dessen echtes Büro habe man hier wieder aufgebaut, inklusive Original-Schreibtisch, Aschenbecher oder Schrank. Auch hängen an der Wand Andrucke seines ersten Weihnachtsliederbuchs. Mit einer Stereoanlage sollen Besucher auch die Möglichkeit erhalten, sich die Musik des Komponisten selbst anzuhören. Wenige Räume weiter findet sich das Atelier von Moritz Baumgartl, dessen Schreibtisch so angeordnet wurde, wie man ihn in seinem Zuhause vorgefunden habe.
Kunst zum Anfassen und Erleben soll in diesem Räumen möglich werden. Besuchen kann das Haus der Kultur nach vorheriger Terminvereinbarung jeder, der Interesse hat.
