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Bietigheim-Bissingen Swing-Genuss im Atrium
„The Honville Companions“ und das „Hot Vosges Trio“ begeistern ihr Publikum.
ompliment an die Macher der engagierten KulturRaum-Rommelmühle-Gemeinschaft für die Open Air-Premiere im Villa-Innenhof! An historisch interessanter Bissinger Stätte, an der einst im Mittelalter edle Rittersleut‘, die Herren von Sachsenheim, das Sagen hatten, gab es am Samstagabend nach zunächst bangen Blicken zum Himmel einen über zweistündigen deutsch-französischen Gala-Auftritt im Freien: Swing zum Verlieben.
Gäste zum Tanzen animiert
Um die 160 Gäste füllten bei großzügig freiem Eintritt das schnuckelige Atrium im einstigen Villa-Bereich bis zum letzten zusätzlich herbeigebrachten Stuhl. Gäste, die insbesondere im zweiten Teil des Konzertes, als die professionelle Sängerin Anne-Marie Bachmann mit ihrer klassischen Jazz-Stimme und -Gestik zusammen mit dem beeindruckenden Trio mit einem Mix aus Swing und Blues das Publikum so richtig in Fahrt brachte, beziehungsweise zum „Lindi Hop“-Tanzen auf Pflastersteinen einschließlich Steppen animierte.
Zunächst waren es am Samstagabend nicht die Ohrwürmer aus der Big Band-Epoche um 1920 und 1940, die einen Benny Goodman oder Glenn Miller zu Weltruhm avancieren ließen, sondern – abgesehen von nur zwei Cover-Stücken – vornehmlich individuell weiterentwickelte Swing-Eigen-Kompositionen des „Hot Vosges-Trios“ aus dem kleinen in den Vogesen liegenden Weiler Honville.
Mit rhythmischer Synchronität, fast verbissener Hingabe in ihre Musik, brachten die hauptsächlich in Frankreich auftretenden Gitarristen Martin Happel und Thierry Stephany mit dem Kontrabassisten Nicolas Liebaut eine Mischung zu Gehör, die sich von den typischen Swing-Versionen doch einigermaßen unterschied.
Soll heißen, mitreißende Lebensfreude, positive Energie vermittelnde instrumentale Töne, die die Jazz-Unterart Swing in den bedrückenden Jahren um 1920 populär machten, wichen eher einfühlsameren Kreationen, mitunter fast schon ein bisschen Musik zum Träumen. Geweckte Assoziationen auch auf spanische oder etwa lateinamerikanische Klangfarben schienen in dem Musik-Mix durchaus berechtigt.
Ausflug in die Camargue
Interessant auch, dass hier ein jamaikanischer Jazz-Pianist, dort die weißen Pferde oder der Zug der Vögel der Camargue, und da eine Weltenbummlerin ideell zu den Kompositionen der vor vier Jahren gegründeten, in Bissingen mit viel Beifall honorierten Drei-Köpfe-Band beitrugen.
Das war dann beim Auftritt von „The Honville Companions“ – das gleiche Trio, nun aber mit der Jazz-Berufs-Sängerin Anne-Marie Bachmann bereichert – erst recht der Fall. Erst nach zwei Zugaben zu später kühler Stunde konnte das Quartett von der Bühne gehen. Je später der Abend, umso mehr wurde getanzt, geklatscht. Die Stimmung war richtig gut.
Die charmante Band spannte dabei den Bogen von Hommagen an die Gypsy-Jazz-Koryphäe Django Reinhardt oder etwa New Orleans-Blues, der früher in seiner Ausdehnung schier den Swing zu killen drohte, bis hin zu Hits wie George Gershwins „Summertime“ oder das bekannte „Blue Moon“.
Swing an der Rommelmühle, der auch bis an New Yorks Hafenviertel-Zeiten vor mehr als 100 Jahren erinnern konnte. Als die aus Hannover stammende, deutsch-französische Vokalistin auf Französisch noch das bekannte „Les Yeux Noirs“ („Schwarze Augen“) interpretierte, jubelte das Publikum in Hochstimmung. In der Tat: Die Open Air-Premiere im Atrium hätte kaum besser sein können.
