Um „Bauchgefühl“ ging es am Donnerstagabend in der Aurainhalle in Bietigheim. Die Musical-AG der Realschule im Aurain hat mit den drei Schulchören eine fiktive Talkshow aufgeführt, die von Liebe, Freundschaft und Schönheit handelte. „Wir haben bewusst ein Thema gewählt, das die Schüler beschäftigt“, erklärte Miriam Wiesen, Leiterin der Musical-AG, „dadurch konnten sie die Rollen besonders gut verkörpern“.
Bietigheim-Bissingen Texte mit Tiefgang
Die Musical-AG der Realschule im Aurain hat mit den drei Schulchören eine fiktive Talkshow aufgeführt. Es ging um Selbstfindung und Erwachsenwerden.
Tatsächlich traten die beiden Moderatoren Lena und Ben (Jule Schmidt und Louis Bounin), souverän auf, als sie ihre ersten Gäste ins „Studio“ baten. Veronika Doneva, Paulina-Maire Kutscher und Mia Rölz verkörperten völlig unterschiedliche Schülerinnen, die nur eines gemeinsam hatten – Stress. Die Skandinavierin Dr. Lindgren (Elif Demir) forderte deshalb mehr Freizeit für die Kinder. Sie wusste genauso wie der Chor, „Mathe ist auf dieser Welt ein unbeliebtes Fach“, und referierte, dass die jungen Leute „keine Zeit für Freunde“ hätten.
Begleitet von Live-Band
Die über 50 Schülerinnen und Schüler des gut eingeübten Chores, darunter zwei vom „Gröninger Weg“, stellten sich mit ihrem Gesang selbst die Frage „Was für ein Mensch will ich mal sein?“ und hakten nach „Was erwartet ihr von uns?“. Es ging um Selbstfindung und Erwachsen werden.
Begleitet wurde der Chor von einer Live-Band, die dem Stück zusätzlich Ausdruck verlieh. Tom Scheyhing aus der Achten regulierte die Technik und sorgte für den richtigen Klang.
Zwischendurch musste der imaginäre Techniker (Jero Zahler) für Ordnung „im Studio“ sorgen, bevor die erste große Liebe thematisiert wurde. Eduardo Sena-da-Silva spielte dabei überzeugend den coolen Leon, der mit zwei Mädchen parallel flirtete, wie Mia (Mia Böhm), Lara (Lara Kurnaz) und Sophie (Lenia Rehm) enttäuscht feststellen mussten. Und der Chor erkannte „Liebe ist selten bequem“.
Abnehmen und Schönheits-OP
Drei „17-jährige“ Mädchen waren die nächsten Gäste der Talkshow. Pauline, Valentina und Miriam (Lova Zahler, Fibi Schoob, Nika Zahler) diskutieren über „Schönheit“. Während Pauline jedes Schönheitsmittelchen nutzte, das die Werbung bot – inklusive „Abnehmkapseln“ – hungerte die schlanke Miriam, um noch dünner zu werden, und visierte zu ihrem 18. Geburtstag eine Operation zum Fettabsaugen an. Valentina vertrat die Ansicht, dass man sich Schönheit nicht „anoperieren“ könne, sie sei einzig durch Optimismus und Lebensmut zu erreichen. Gleichzeitig versicherte Miriams fassungslose Mutter (Klara Aymar), dass sie ihr Kind doch nur glücklich sehen wolle. Jana Jordan (Paula Kittel) von der Zeitschrift „Teenstyle“ bestätigte: „Wer schön sein will, muss das auch von sich glauben.“
Emma (Shmuni Un), Jenny (Zippora Ishouh), Mila (Sarya Masyan) und Tamara (Viviana Egidi) hingegen wussten, dass Zusammenhalt das ist, was man in der Pubertät am meisten braucht. Das Gefühl „Hey, du gehörst dazu!“
Ein Jahr lang geübt
Das Stück enthielt durchweg Texte mit Tiefgang – nicht nur für Jugendliche bestimmt, sondern auch für Erwachsene. „Nimm dir Zeit für die wirklich schönen Dinge“, stimmte der Chor immer wieder an. „Für Freunde und Familie, dann wird das Leben leichter“. Jule Schmidt hatte ein Jahr lang mit all den Mitschülern für diesen perfekten Auftritt geübt. „Es war kein Stress“, lachte sie, „weil wir uns so sehr darauf gefreut hatten“. Und das, obwohl die Schüler viel von ihrer Freizeit für die Proben geopfert hatten und teilweise aus dem Unterricht geholt worden waren, wie ihre Musiklehrerinnen Eva Geiger und Silke Eisenbeiß bekannten. Dennoch, so fanden die Lehrerinnen begeistert, hatten hier auch „die Schwächeren“ gezeigt, was sie in Wirklichkeit alles drauf hatten. „Wir haben unsere Schüler von einer ganz anderen Seite erlebt.“
