Im August war er noch bei der Pressekonferenz dabei, bei der der Wechsel in der Führung des Hotels und Restaurants Eberhards vorgestellt wurde. Am Dienstag ist Eberhard Bezner, der langjährige frühere Geschäftsführer und bis zuletzt Mitgesellschafter der Olymp Bezner KG in Bietigheim-Bissingen, friedlich zu Hause im Kreis seiner Familie verstorben. Er wurde 90 Jahre alt.
Bietigheim-Bissingen Trauer um Eberhard Bezner
Der Bietigheim-Bissinger Hemdenpionier ist am Dienstag im Alter von 90 Jahren gestorben. Er prägte die Entwicklung des Unternehmens Olymp über Jahrzehnte.
Geboren wurde Eberhard Bezner am 31. Dezember 1935 in Stuttgart als einziges Kind des Olymp-Firmengründers Eugen Bezner und dessen Frau Wilma (geborene Klaus). Er wuchs in Bietigheim und Ingersheim auf, bevor er nach dem Abschluss seiner Schulausbildung in Bietigheim im Jahr 1950 eine Lehre zum Textil- beziehungsweise Einzelhandelskaufmann in einem Textilgroßhandel in Ludwigsburg begann. Danach trat er am 1. September 1953 zunächst als einfacher Mitarbeiter in das elterliche Unternehmen Olymp ein.
Mit 24 Jahren Firmenchef
Durch den überraschenden Tod seines Vaters Eugen Bezner im Januar 1960 musste Eberhard Bezner im Alter von gerade einmal 24 Jahren über Nacht die gesamte Verantwortung für die mittelständische Hemdenfirma übernehmen. Dieser Aufgabe habe er sich als Geschäftsführender Gesellschafter viele Jahrzehnte lang mit seiner gesamten unternehmerischen Energie bis zur vollständigen Staffelübergabe an seinen Sohn und Nachfolger Mark Bezner gewidmet, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens Olymp, das dieses Jahr auf sein 75-jähriges Bestehen zurückblicken kann.
Eine wesentliche unternehmerische Leistung von Eberhard Bezner habe vor allem darin gelegen, dass er bereits Ende der 1960er-Jahre die wachsenden Schwierigkeiten der heimischen Textilproduktion in Deutschland erkannt hatte. Der Bedarf an qualifizierten Produktionskräften ließ sich in dieser Zeit laut Mitteilung kaum mehr decken. Angesichts der annähernden Vollbeschäftigung verlor die hiesige Textil- und Bekleidungsindustrie gerade im Mittleren Neckarraum kontinuierlich Arbeitskräfte an die traditionell starken Industriezweige wie die Maschinenbau- und Automobilbranche.
Daher rückte die Hemdenfertigung im Ausland in den Blick. Unter anderem ließ Bezner auf den Philippinen, in Taiwan, in Myanmar sowie Indonesien fertigen. Unternehmensbereiche wie Entwicklung, Design, Außenhandel, Produktionsplanung und Logistik blieben jedoch am Standort Bietigheim.
Bezner betätigte sich in seiner Zeit als Geschäftsführender Gesellschafter auch als schwäbischer Tüftler. Viele Versuche und Erprobungen, die auf seine Initiative zurückgingen, führten zu wesentlichen Verbesserung bei den Eigenschaften der Hemden wie Bügelfreiheit, Knitterarmut, Atmungsaktivität oder Haltbarkeit. Seine Ideen für die moderne Hemdenkonfektion legten laut Unternehmensmitteilung den Grundstein für den anhaltenden Markterfolg.
Dienstältestes Ratsmitglied
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit übernahm Eberhard Bezner auch politische Verantwortung im Kommunalparlament. In seiner Heimatstadt Bietigheim-Bissingen war er von 1968 bis 2004 zeitweise dienstältestes Ratsmitglied der CDU-Fraktion und ehrenamtlicher Stellvertreter von Oberbürgermeisters Manfred List. List charakterisierte ihn bei der Ehrung für 30 Jahre Ratstätigkeit als „gleichermaßen bodenständig und weltoffen“. Sein Fraktionskollege Gustav Eppler hob in der Sitzung hervor, er habe das Ohr immer am Volk gehabt und habe es verstanden, bei schwierigen Dingen die Diskussion immer auf den Punkt zu bringen. Kurze Zeit gehörte er auch dem Ludwigsburger Kreistag an.
Eberhard Bezner wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Für seine Verdienste als Bürger, Mäzen, Sponsor und Mandatsträger um das Gemeinwesen erhielt er die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg und das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Im Oktober 2013 wurde er außerdem vom Wirtschaftsforum Baden-Baden für sein Lebenswerk als Doyen der deutschen Hemdenindustrie und als Gesellschafter von Olymp ausgezeichnet.
Stiftung gegründet
Bezner engagierte sich zudem für humanitäre Hilfsprojekte. Gemeinsam mit seinem Sohn Mark Bezner und seiner Tochter Birgit Bezner-Fischer gründete er aus dieser Motivation heraus im Jahr 2008 die mit einem privaten Stiftungskapital von einer Million Euro ausgestattete Olymp-Bezner-Stiftung, die sich weltweit für die Erziehung, Gesundheit und Bildung von Kindern und Jugendlichen einsetzt.
Zu den vielfältigen Tätigkeitsfeldern von Eberhard Bezner zählt die Eröffnung des Hotels und Restaurants „Eberhards“ an der Enz gegenüber dem städtischen Hallenbad im Jahr 2010. Zudem war er ein ausgewiesener Musikliebhaber, der das Festival „Jazz im Olymp“ initiierte. Es findet seit 2001 jährlich mit Stars aus der internationalen Musikszene auf dem Firmenareal statt.
Sportfreund und Sponsor
Als begeisterter Sportfreund und Sponsor unterstützte Eberhard Bezner jahrzehntelang die heimischen Sportklubs in Bietigheim-Bissingen. Er war Mitbegründer des Schwimmvereins und auch bei der SV Germania und der Skizunft Bietigheim aktiv. Vor allem betätigte er sich als großzügiger Sponsor für die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim – sowohl durch die Olymp Bezner KG als auch als Privatmann. Dieses Engagement gehörte laut Unternehmensmitteilung mittlerweile zu den erfolgreichsten unternehmerischen Engagements im deutschen Spitzensport und sorgte für zahlreiche Titel.
