Bietigheim-Bissingen „Unaufdringlich, natürlich und wertig“

Von Uwe Mollenkopf
Das Kinderhaus Memory in der Gerokstraße in Bissingen mit seiner Holz-Lamellenfassade Foto: /Martin Kalb

Die Kita Memory in der Gerokstraße hat die Jury beim Wettbewerb „Beispielhaftes Bauen“ im Landkreis Ludwigsburg überzeugt. Dazu trugen auch die Sozialwohnungen auf dem Dach bei.

Die anvisierten Kosten von rund 7.8 Millionen Euro für das Kinderhaus Memory in der Bissinger Gerokstraße hatten im Gemeinderat durchaus für Stirnrunzeln gesorgt. Die CDU hatte im Mai 2020 bei der Vergabe des Auftrags an die Bietigheimer Wohnbau als Generalübernehmer dafür plädiert, erst einmal eine Denkpause von vier bis acht Wochen einzulegen. Damals ließ die Corona-Krise sinkende Steuereinnahmen befürchten.

Die Mehrheit folgte dem Vorschlag aber nicht, zu dringend war der Bedarf nach neuen Kita-Plätzen. 2023 konnte die Bissinger Kita, auf deren Dach auch noch fünf Wohnungen entstanden, eingeweiht werden. Jetzt wurde das Gebäude beim Auszeichnungsverfahren „Beispielhaftes Bauen Landkreis Ludwigsburg 2019– 2025“, welches die Architektenkammer Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Ludwigsburg ausgelobt hatte, prämiert.

Laut Landratsamt geht die Auszeichnung an Einreichungen, „die beispielgebend für die Architektur und Stadtgestaltung in unserem Alltag sind, die Positives für das Wohlbefinden und das Zusammenleben von Menschen leisten“. Gewürdigt wurden sowohl die Architekten, im Fall der Kita Memory die Project GmbH, Planungsgesellschaft für Städtebau, Architektur und Freianlagen in Esslingen, als auch der Bauherr, in diesem Fall die Stadt Bietigheim-Bissingen.

Robust und kindgerecht

Begründet wird ihre Entscheidung von der Jury so: Das Gebäude nutze das Grundstück klug, differenziere Ankommen und Außenräume und schaffe auf Terrassen und Balkonen gelungene Spielräume. Innen verbinde eine offene Mitte die Gruppenbereiche und erlaube eine flexible Pädagogik.

Die Bauweise sei robust, die Materialität kindgerecht und angenehm. Besonders bemerkenswert sei die Mehrfachnutzung, indem auf dem Dach zusätzlich Sozialwohnungen geschaffen wurden – nach Meinung des Preisgerichts „ein städtebaulich wie sozial überzeugender Ansatz“. So entstehe ein Ort, der Kindern, Eltern und dem Quartier gleichermaßen zugutekomme, heißt es.

Besondere Beachtung fand dabei auch die Holz-Lamellenfassade des Bauwerks. Durch diese „fügt sich das Bauwerk unaufdringlich, natürlich und wertig in die grüne Umgebung ein“, heißt es in der Bewertung der Jury. Große Fenster und Stahlnetze als Absturzsicherungen sorgten für einen fließenden Übergang von innen nach außen. Im Innenbereich schafften helle, bunte Farben und individuell angefertigte Möbel in Holz eine kindgerechte, freundliche Atmosphäre. Aber auch der Erhalt „der wertvollen und vitalen Bestandsbäume“ in der Umgebung sei ein wesentlicher Aspekt des Entwurfs.

Rund sieben Millionen für Stadt

Was die Kosten anbelangt, so fielen diese laut der Kostenfeststellung im vergangenen Jahr um 179.000 Euro teurer aus als geplant. Gleichzeitig konnte die Stadt Fördermittel von 538.000 Euro für die Kita und 436.800 Euro für die Wohnungen verbuchen, sodass aus der Stadtkasse schlussendlich rund sieben Millionen Euro für das Projekt aufgewandt wurden.

 
 
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