Am Ufer der Enz sitzt eine Nilgans-Familie, die genüsslich das Drachenboot beobachtet, das die Enz hinauf gleitet. Bis zu 20 Personen fasst diese Art Paddelboot, an diesem Donnerstag beim Training der Drachenboot-Abteilung des Kanu-Clubs Bietigheim ist es mit insgesamt 14 Paddlerinnen und Paddlern bestückt, die – so gut es eben geht – im Takt rudern.
Bietigheim-Bissingen Unterwegs mit den „Enzdrachen“
Die Drachenboot-Abteilung des Kanu-Clubs trifft sich einmal pro Woche zum gemeinsamen Training in Bietigheim-Bissingen.
Drachenboot ist Teamsport, stellt Trainer Carsten Künzel klar. Man kann nicht abgehängt werden, jeder gebe einfach sein Bestes. Und: Jeder kann mitmachen, unabhängig der Leistung oder körperlichen Verfassung. So fahren beim Kanu-Club Paddler bis ins hohe Alter eifrig mit. Einer davon ist Peter Dominke, der die Abteilung einst aufgebaut hat. Seit 2008 gibt es die Drachenboot-Abteilung, dabei waren sie anfangs noch gar nicht mit einem Drachenboot sondern mit einem 7er-Canadier unterwegs. Erst zwei Jahre später kauften sie das namensgebende Boot mit dekorativem Drachenkopf und -schwanz am Bug, respektive Heck. Das ruhige Gewässer der Enz biete sich für diese Art Ruderboot gut an, sagt Dominke.
Von Viadukt bis Rommelmühle
Rund 30 „Enzdrachen“ sind Teil der Abteilung, zehn bis 14 fahren regelmäßig mit. „Es kommt, wer Zeit und Lust hat“, sagt Carsten Künzel. Sechs bis acht Paddler benötige man mindestens, um ein Drachenboot fahren zu können. Vor allem im Winter sei spürbar, dass die Lust, bei eisigen Temperaturen über die Enz zu schippern, bei einigen nachlässt.
An diesem Abend im Juni sind die Temperaturen kein Problem. Bewölkte 18 Grad sind zwar kein Wetter, bei dem eine Abkühlung nötig wäre, die gelegentlichen Spritzer, die man durch eigene Unsauberkeiten beim Paddeln oder jene des Vordermannes abbekommt, tun aber auch keinem weh. Die Route führt vom Steg des Kanu-Clubs zunächst flussabwärts bis zum Viadukt, wo erstmals gewendet wird. Vorbei an Sträuchern und Bäumen, die das Ufer der idyllischen Enz bilden, geht die Fahrt flussaufwärts bis zur Rommelmühle. Trainer Carsten Künzel, der 1998 angefangen hat mit dem Sport, gibt währenddessen immer wieder wechselnde Vorgaben in Sachen Frequenz und Intensität, in der gepaddelt werden soll.
Plötzlich heißt es: „Zwei Minuten Technik, danach weitere zwei Minuten mit geschlossenen Augen.“ Spätestens dabei wird klar: Ein Mindestmaß an Taktgefühl ist hier von Vorteil. Denn Künzel, der ganz vorne sitzt, merkt sofort, wenn ein Paddler aus dem Rhythmus kommt. „Da wurde das Boot unruhig, das muss jemand links gewesen sein.“
Technik und Gleichschlag
Das ist seine Aufgabe: schauen, dass die Technik und der Gleichschlag passen. Aus dem Oberkörper und nicht aus den Armen soll man ziehen. „Wenn die Technik stimmt, braucht man fast keine Kraft“, sagt Künzel. Soviel sei vorweggenommen: Als Anfänger spürt man seine Arme nach dem 90-minütigen Training sehr wohl.
Die „Enzdrachen“ sind im Kern Freizeitsportler. Trotzdem nehme man ein- bis zweimal pro Jahr an Wettkämpfen teil. Dazu kommt eine jährliche Ausfahrt über rund eine Woche. Dieses Jahr sei man auf der Mosel unterwegs gewesen, im vergangenen Jahr auf der Elbe. „Ich bin viele Flüsse gefahren, aber die Enz ist mit der schönste“, schwärmt Carsten Künzel von den Trainingsbedingungen in Bietigheim.
An der Rommelmühle angekommen, folgt eine Koordinationsaufgabe: Das Umsetzen. Auf dem Drachenboot tauschen die linken und rechten Paddler ihre Positionen. Dadurch wird eine ausgeglichene Belastung der Sportler gewährleistet, erklärt Künzel.
Simulierter Start
Nach einigen Metern lockerem Paddeln gibt er die Anweisung, das Boot abzubremsen. Jetzt wird ein Start simuliert. Dazu lehnt sich die komplette Besatzung so weit wie möglich nach vorne und versetzt das Drachenboot auf Kommando mit einigen kräftigen Schlägen in Bewegung, ehe mit koordinierten Schlägen die Geschwindigkeit gesteigert wird. Vorbei an dem ein oder anderen Baum, der tief in die Enz hineinragt und vorbei an Freizeitpaddlern, die die Drachenboot-Besatzung anfeuern, geht es zurück in Richtung Viadukt. Hier erfolgt die letzte Wende, ehe das Training am Steg des Kanu-Clubs am Fischerpfad endet.
Zum ersten Mal war Paddlerin Christina im Training dabei: „Es hat Spaß gemacht, vor allem das Anfahren war toll.“ Etwas mehr Drachenboot-Erfahrung hat Paddlerin Jasmin. Sie schwärmt von der wunderschönen Enz, dem Viadukt, der Rommelmühle. „Im Takt und mit der Natur im Einklang“, beschreibt sie den Reiz des Drachenbootfahrens. Das halte einen dazu auch noch rundum fit. Auch für das Team und den Verein hat sie nur lobende Worte übrig: „Man fühlt sich jedes Mal willkommen.“
Aktuell suche man vor allem jüngere Paddler, um die Drachenboot-Abteilung zukunftssicher aufzustellen, sagt Peter Dominke. Grundsätzlich sei aber jeder, der den Sport einmal ausprobieren möchte, eingeladen, an den Trainingseinheiten donnerstags ab 18.30 Uhr teilzunehmen.
