Bietigheim-Bissingen Viel mehr Platz für Händler, Ordensritter und Nordmänner

Von Jonathan Lung
17 Stände und jede Menge Spektakel der Betreiber zogen am Wochenende die Besucher zum Mittelalterspektakel auf den Parkplatz von Möbel Hofmeister. Foto: /Oliver Bürkle

as Mittelalterspektakel wird im neunten Jahr an neuem Platz bei Möbel Hofmeister zum immer größeren Event.

Wenn auf dem Parkplatz ein hünenhafter Ritter des Deutschen Ordens gerade in seine Lederschuhe steigt und das Langschwert in die Scheide schiebt, und wenn daneben ein Nordmann mit einschüchternd geschwärzter Augenpartie, Tätowierungen und langem Zopf am ansonsten kahl rasierten Schädel seinen fünfjährigen Sohn, der ebenso geschminkt ist, an die Hand nimmt, kann das nur eins bedeuten: Es ist wieder Mittelalterspektakel in Bietigheim.

Und das lebt von der Authentizität der vielen „Gewandeten“, wie die Gäste in historischer Tracht genannt werden. Der Ordensritter mit dem schwarzen Kreuz zeigt auf dem Parkplatz seine handgefertigten Stiefel, das Unterkleid aus Vollwolle, die Umhängetasche mit dem Gurt aus Rosshaar, den Almosenbeutel und den selbst gestalteten Schwertknauf mit Ordenskreuz und Familienwappen:. Jedes Stück der Kleidung beruht auf historischen Bildern der Ordensbrüder, und alle Stoffe sind handgenäht.

Zum ersten Mal bei Hofmeister

Das erste Mal ist das Spektakel dieses Jahr auf dem Parkplatz von Möbel Hofmeister. Nachdem die Aktiven Unternehmer aus personellen Gründen aus dem Organisationsteam ausschieden, bot das Unternehmen, das auch schon seit vielen Jahren das Fest unterstützt, seinen Parkplatz an, anstelle des Zentrums von Buch. Anstatt entlang der Straße gruppieren sich die Stände nun in mehreren Reihen. Das bietet eine ganz neue Atmosphäre und mehr Möglichkeiten, so Markus Wiedenhöfer, der das Spektakel organisiert. Letztes Jahr wurde es zwischen den Ständen im Ortszentrum von Buch schon sehr eng, erinnert sich Wiedenhöfer, es gab auch viele Sackgassen: „Von manchen Leuten haben wir gehört, dass sie tatsächlich nicht mehr kamen, weil es ihnen zu eng war.“

Und auch die Auf- und Abbausituation sei „viel entspannter ohne die Straßensperrung“, bei der die Stände punktgenau weg sein mussten. Auf dem Parkplatz kann man bis zum Montag bleiben, während der Aufbau schon am Donnerstag war. Das Spektakel startete dieses Jahr schon am Freitag, bisher war es nur am Samstag und am Sonntag.

72 Händler sind auf dem Markt

Mehr Platz bedeutet auch mehr Händler, und die kamen zahlreich. Zweieinhalb Monate vor dem Fest war der Parkplatz schon voll belegt, es kamen immer mehr Anmeldungen – sodass sogar noch ein Zusatzplatz vor dem Portal des Möbelhauses dazu genommen wurde, wo noch mal 17 Stände stehen. 72 Händler hat der Markt damit insgesamt, 20 komplett neue. Dazu kommen Walkacts und Künstler, etwa die Feuershow am Abend – 87 Teilnehmer insgesamt, verglichen mit 64 letztes Jahr. Und auch „deutlich mehr Gewandete“ sieht Organisator Wiedenhöfer dieses Jahr.

Die Gäste kommen aus ganz Europa: Luxemburg, Tschechien, Polen, Schweiz, Österreich, Ungarn und eine Anfrage kam sogar aus Spanien. Seine Ordensbrüder sind an diesem Tag aus dem Schwarzwald, Weinheim, Würzburg und Kirchheim Teck angereist, erzählte auch schon der Ritter auf dem Parkplatz. Für ihn und viele andere aus der Szene ist Bietigheim der Auftakt der Saison: Ab jetzt könne man jedes Wochenende irgendwo hin, lacht er, er selbst plant 13 bis 14 Besuche bei Mittelalterfesten dieses Jahr.

Mit einem Krug Met in der Hand oder einer warmen Stärkung vom offenen Feuer kann man in der Gasse den Leitwölfen beim Schwertkampf zuschauen. Im Bart von Wulffen von Lochenstein glänzt danach tatsächlich etwas Blut, ein leichter Schmiss zeigt – es ist keine Choreografie, die da gezeigt wird, sondern spontaner Kampf, „alles echt“. Trotzdem gilt: Safety first, die Gruppe trainiert zusammen, man kennt den anderen und deren Kampfstil.

Die Leitwölfe sind Stammgäste

Seit sieben Jahren sind die Leitwölfe Stammgäste in Bietigheim – und leben zwei Nächte lang das mittelalterliche Lagerleben, campieren auf dem Festgelände. Viel Schlaf gibt es nie, erzählen Wulffen und sein Schwiegersohn Jaromir von Lochenstein. Morgens startet man mit selbst gemachten historischen Backwaren, abends wird schon mal angegrillter Schweinebraten mit Rahmsoße, Brezelsemmelknödeln und dazu Rotkraut aufgefahren – „ein sehr historisch korrektes Essen“, auch hier gilt quellengesicherte Authentizität.

„Vorsicht fliegende Äxte“, warnt ein Schild ein paar Meter weiter – und schon kracht dahinter eine Doppelaxt in den Holzblock. Gegen einen kleinen Obolus kann hier jeder versuchen, die Langwaffe beidhändig über den Kopf zu schleudern. Jüngere Kämpfer und Kämpferinnen können sich an der Armbrust-Zielwand oder mit dem Bogen versuchen. Beim „Eierknacker“ müssen schwere Metallkugeln gezielt auf Eier geworfen werden, und das Karussell im oberen Teil des Markts ist natürlich aus Holz und wird mit der Handkurbel betrieben.

 
 
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