Gekündigte Stromkunden im Kreis Ludwigsburg Stadtwerke fangen viel auf

Von Frank Ruppert
Der Geschäftsführer der Stadtwerke Richard Mastenbroek vor dem Enzkraftwerk in Bietigheim. Er setzt auf langfristige Planung, um den Kunden Preisstabilität bieten zu können.⇥ Foto: Martin Kalb

Versorger aus Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg haben mit stark gestiegenen Strom- und Gaskosten zu kämpfen. Gleichzeitig kommen Neukunden, weil deren Billiganbieter ihnen kündigen.

Stadtwerke geraten derzeit immer wieder in das Visier von Verbraucherschützern und Kartellamt. Hintergrund ist, dass viele Kunden derzeit bei ihnen in die Ersatzversorgung aufgenommen werden müssen,  weil ihre Stromanbieter Lieferungen einstellen.

Die Verbraucherschützer bemängeln, dass manche Anbieter seit einiger Zeit zwischen Neu- und Bestandskunden unterscheiden. Dabei müssen Neukunden oft deutlich mehr zahlen. Dies sei rechtswidrig. Bei manchen Grundversorgern, also jenen Anbietern, die in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden beliefern (oft Stadtwerke), müssen neue Kunden derzeit für Strom das Zwei- bis Dreifache, für Gas sogar das Vier- bis Fünffache gegenüber den alten Preisen bezahlen. Nach Angaben des Vergleichsportals Check24 haben etwa bei Gas mehr als 300 Grundversorger neue Tarife ausschließlich für Neukunden eingeführt. Deren Preise lagen um durchschnittlich 184,7 Prozent über den bisherigen Tarifen.

Kein Ansturm in Bietigheim

Auch bei den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen (SWBB) müssen Neukunden in der Grundversorgung mehr bezahlen als Bestandskunden. „Aber nicht in dem Maße, wie das bei anderen Stadtwerken der Fall ist“, sagt Richard Mastenbroek, Geschäftsführer der SWBB im Gespräch mit der BZ. Grund für die unterschiedlichen Preise sind für ihn allein die gestiegenen Energiekosten. „Wir kaufen Strom immer sehr langfristig zwölf bis 36 Monate im Voraus ein, um unseren Kunden eine Preisstabilität zu geben“, so Mastenbroek. Aber derzeit seien Strom und Gas eben um ein Vielfaches teurer.

Durch die nun gestiegenen Preise am Markt stand man vor der Wahl, entweder allen Kunden die Preise zu erhöhen oder eben nur jenen, die neu dazukommen. Die SWBB habe sich für Letzteres entschieden. Allerdings sei es bei den SWBB noch nicht zu einem Ansturm neuer Kunden durch Kündigungen bei Billigstromanbietern gekommen. Mastenbroek führt das auf die gute Preispolitik seines Unternehmens in den vergangenen Jahren zurück.

Die Preissteigerungen am Markt seien auch der Grund, warum aktuell keine Sondertarife angeboten werden können: „Wir arbeiten daran, unseren Kunden das baldmöglichst wieder bieten zu können“, sagt der Geschäftsführer. Das Gebaren mancher Billigstromanbieter, aber auch mancher Stadtwerke, die den neuen Kunden mit horrenden Preisen begegnen, missfällt Mastenbroek. Er sei für eine solide Einkaufspolitik mit verlässlichen Preisen. Spekulationen auf niedrige Preise am Energiemarkt seien Stadtwerken nicht angemessen.

Zuwachs in Ludwigsburg

Bei den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) hat man laut Sprecherin Astrid Schulte wegen der vielen Kündigungen durch Billigstromanbieter „in den letzten Wochen einen deutlichen Kundenzugang bei Stromverträgen verzeichnen können“, obwohl die SWLB nicht der Grundversorger für Strom in Ludwigsburg und Kornwestheim sei. Grundversorger ist man hingegen für Gas, und deshalb  übernehme man dort auch die Kunden, die sich anderweitig von Billiganbietern beliefern lassen haben.

Im Gegensatz zu den SWBB nimmt man weiterhin ohne Einschränkungen neue Kunden auf. Die Stadtwerke stünden für Stabilität und beschafften Strom und Gas vorausschauend. Dennoch seien derzeit „moderate bis deutliche“ Preisanpassungen nicht zu vermeiden. Das liege daran, dass aktuell die Preissteigerungen auf dem Energiemarkt eine „ungewöhnliche Dynamik“ entfalteten.

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