„Einen besonderen Treffpunkt“ habe die Vereinigung Baden-Württembergischer Kommunaler Wohnungsunternehmen (KoWo) für ihre Herbsttagung ausgesucht, sagt Oberbürgermeister Jürgen Kessing. Denn besagtes Treffen fand am Dienstag im neuen Green Building der Bietigheimer Wohnbau statt. Dieses sei ein „Leuchtturm unserer Stadt, ein architektonischer Höhepunkt und ein Zeichen für die Leistungsfähigkeit kommunaler Unternehmen“, so der OB in seiner Ansprache weiter. Seit über 60 Jahren schaffe die Bietigheimer Wohnbau Mehrwerte für die Stadt.
Bietigheim-Bissingen Vom Leuchtturm in die Praxis
Die Herbsttagung der Kommunalen Wohnungsunternehmen in Baden-Württemberg fand in Bietigheim statt.
Der Schwerpunkt der KoWo-Tagung lag auf dem Thema „Kreislaufgerechtes Bauen“. Wie KoWo-Vorsitzender Frank Pinsler ausführte, gehöre der Bausektor zu den ressourcenintensivsten Branchen überhaupt. Deshalb gelte es einen Wandel voranzutreiben, damit kreislaufgerechtes Bauen nicht die Ausnahme bleibe. Dafür müsse der Sprung vom Leuchtturmprojekt in die gängige Praxis gelingen.
Ziel: CO2-Neutralität
Der Geschäftsführer der Bietigheimer Wohnbau Carsten Schüler präsentierte den anwesenden Kollegen aus dem Südwesten im Anschluss das Green Building als neuen Hauptsitz des Unternehmens. Für das Projekt habe man sich als Ziel gesetzt, sowohl im Bau als auch im Betrieb CO-neutral zu bleiben. Man wolle Energie nicht nur einsparen, sondern auch bereitstellen, auf umweltfreundliche und recycelbare Materialien zurückgreifen und eine gute Aufenthaltsqualität für die 140 Mitarbeiter schaffen. Oder zusammengefasst: Das technisch machbare ausloten und eines der nachhaltigsten Gebäude des Landes betreiben. Gelungen ist das unter anderem durch Recycling-Zumischungen im verwendeten Beton, 34.000 Hohlkörperelementen in den Decken, die 35 Prozent des Betons einsparen, einer Aluminiumfassade mit einem Recyclinganteil von 95 Prozent, zahlreichen Photovoltaikanlagen und 40.000 Stauden und Zwiebeln sowie 400 anderweitigen Sträuchern, die rund um das Gebäude an der Fassade angepflanzt wurden. Dazu kommt eine intelligente Pflanzenbewässerungsanlage, eine 80.000-Liter Zisterne unter dem Gebäude und eine eigene Schilfrohrkläranlage zur Aufbereitung des Grauwassers.
Große Einsparungen
Für die Mitarbeiter habe man indes persönlich zugeordnete, kleine Einzelbüros geschaffen, diverse Treffpunkte, darunter auch eine Dachterrasse und sogar eigene Fitness- und Gymnastikräume im Untergeschoss.
Das erste Fazit: Der Stromverbrauch betrage nur noch gut ein Viertel des alten Verwaltungsgebäudes in der Berliner Straße, die Heizenergie immerhin ein Drittel. Jedes Jahr spare man so alleine 350.000 Euro Betriebskosten. Bis die bereinigten Baukosten von rund 31 Millionen Euro amortisiert sind, dürften dennoch einige Jahre ins Land ziehen. Zumal ein solches Projekt bei den heutigen Zinsen nicht mehr bezahlbar wäre, wie Schüler erklärte. Abgesehen davon würde er im Nachhinein wenig anders machen: Einzig die sehr komplexe Technik hätte man rückblickend wohl etwas einfacher gestalten können, räumt er ein.
