Bietigheim-Bissingen Von der Klassik zum Jazz

Von Jörg Palitzsch
Der in Bietigheim-Bissingen lebende Musiker Karl Farrent spielt in der Trompeten-Sektion der SWR Big Band. Mit ihr war er bereits für vier Grammies nominiert.⇥ Foto: Privat

Profi-Trompeter Karl Farrent  aus Bissingen wurde mit der SWR Big Band vier Mal für einen Grammy nominiert. Was ihm die Nominierung bedeutet, verrät er im Interview.

Seit seiner Kindheit macht Karl Farrent Musik. Einer seiner größten Erfolge waren gleich vier Grammy-Nominierungen zusammen mit der SWR Big Band. „Dass wir als deutsche Big Band diese weltweite Anerkennung bekamen, war natürlich etwas sehr Besonderes“, erzählt der in Bietigheim-Bissingen lebende Trompeter im BZ-Interview.

Sie haben in jungen Jahren zunächst klassische Trompete gespielt, später Jazz. Wie kam es zu diesem genreübergreifenden Sprung?

Karl Farrent: Mit meinem Vater als Lehrer habe ich die Basis gelernt und dann einen Trompetenlehrer an meiner Grundschule in Wallington bekommen, der ein Ex-Militärkornettist war. Im Gymnasium in Deutschland spielte ich die Flügelhornstimme im schuleigenen Blasorchester, dessen Leiter mir Kollegen aus Osnabrück und Münster als Lehrer vermittelte. So spielte ich bis ich 15 Jahre alt war hauptsächlich das klassische Repertoire. Da mein Vater aber in den 1950er Jahren als halbprofessioneller Trompeter in Bands der Londoner Revival Szene agiert hatte, war ich schon von klein auf mit dem Jazz verbunden. Das ausschließliche Wiedergeben von Werken anderer lag und liegt mir nicht, so dass ich mich ab 1978 immer mehr dem Jazz zuwandte. Ein klassisches Musikstudium wäre für mich nicht in Frage gekommen.

Warum Trompete? Warum nicht Klavier, Geige oder Schlagzeug?

Ich wollte eigentlich Klarinette lernen, weil ich Blockflöte schon konnte. Dass mein Vater mich in Trompete unterrichtete, war ausschlaggebend für die Instrumentenwahl. Was ich damals nicht wusste: Er konnte, bis er anfing mich zu unterrichten, nicht nach Noten spielen. Er war mir immer nur ein paar Seiten in der Trompetenschule voraus.

Haben Sie Vorbilder, von denen Sie beeinflusst wurden?

Klar! Wenn man anfängt Jazz zu spielen, lernt man zunächst viel durch imitieren. Meine Vorbilder waren vor allem Freddie Hubbard und Randy Brecker, aber auch Louis Armstrong und Kenny Wheeler.

Sie waren als Trompeter an immerhin vier Grammy-Nominierungen beteiligt. Was war das für eine Erfahrung?

Ich war als Musiker aber vor allem auch als Executive Producer an sämtlichen Produktionen beteiligt, was bedeutet, dass ich in allen Teilen der Produktionen mitwirkte. Von der Planung und Beauftragung übers Einspielen bis zur Mischung und Einreichung der Produktionen für die Awards. Dass wir als eine deutsche Big Band diese weltweite Anerkennung bekamen, war etwas sehr Besonderes, nicht nur einmal, sondern gleich viermal.

In der SWR Big Band sind sie in der Trompeten-Sektion einer von vier Trompetern und spielen auch Flügelhorn. Welche Möglichkeiten gibt es für Sie, noch einem eigenen Stil zu folgen?

Da ich einer von bis zu zwei improvisierenden Solisten in der Sektion bin, gibt es schon Gelegenheiten sich im Ensemble zu profilieren. Bei der Improvisation ist der persönliche Stil natürlich das A und O. Selbstredend ist in kleinen Besetzungen dafür mehr Freiraum, aber wenn in einer Big Band alles gut zusammenwirkt, ist das schon ein erhebendes Gefühl. Nichts desto trotz habe ich vom New Orleans Jazz bis zur zeitgenössischen Musik in jeglicher Besetzung immer meinen eigenen Stil eingebracht.

Sie haben auch Filmmusik eingespielt. Gibt es da einen Unterschied zu Aufnahmen für ein Album?

Meine Erfahrung mit der Einspielung von Filmmusik ist, dass sie für mich in der Form insgesamt zu rigide ist. Als Musiker ist man schon sehr eingeengt zwischen den verschiedenen Vorstellungen, das betrifft vor allem den Regisseur und den Komponisten. Aber wenn eine solche Musik gelungen ist, dann kann auch das sehr befriedigend sein.

Wie sieht ihre Musikertätigkeit in Zeiten von Corona aus?

Die Pandemie schränkt die Möglichkeit, Musik vor Publikum zu spielen, schon sehr ein. Nicht nur, dass geplante Auftritte entfallen, sondern dass überhaupt weniger geplant wird, ist negativ. Die Vernunft muss aber Vorrang haben, denn wo Menschen sind, ist auch Covid-19. Man kann nur hoffen, dass perspektivisch ein „normales“ Leben in allen Bereichen wieder möglich sein wird.

 
 
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