Bietigheim-Bissingen Vor den Rohren kommen Archäologen

Von Yannik Schuster
Auf dem Gebiet zwischen Bietigheim-Bissingen und Ingersheim soll im Rahmen der Süddeutschen Erdgasleitung ein Rohrlagerplatz errichtet werden. Foto: /Oliver Bürkle

Zwischen Bietigheim-Bissingen und Ingersheim finden derzeit Grabarbeiten im Rahmen der Süddeutschen Erdgasleitung statt. Auf dem Gebiet wird ein Rohrlagerplatz errichtet.

Zwischen Bietigheim-Bissingen und Ingersheim finden an der L 1125 derzeit Grabungsarbeiten nahe des Bietigheimer Wegs statt. Dabei handelt es sich um archäologische Fundstellen im Rahmen der Süddeutschen Erdgasleitung (SEL), die für den Transport von Gas (und später Wasserstoff) von Lampertheim in Hessen über Baden-Württemberg bis nach Bayern genutzt werden soll. Auf der Bietigheimer und Ingersheimer Gemarkung, auf der die derzeitigen Arbeiten stattfinden, ist die Errichtung eines Rohrlagerplatzes geplant.

Die Grabung habe wenige neolithische und metallzeitliche Gruben erbracht und werde in absehbarer Zeit abgeschlossen sein, teilt das Regierungspräsidium auf Anfrage mit. Eine Sprecherin von Terranets BW, dem Betreiber der künftigen Leitung, sagt: „Die Grabungsflächen werden geschlossen, sobald es die Witterung zulässt. Der Boden muss dazu relativ trocken sein.“ Die Errichtung des Rohrlagerplatzes werde voraussichtlich ab Mitte April beginnen. Ab Ende Mai sollen dann die Rohre angeliefert werden.

Frühmittelalterliche Funde

Weitere Grabungsarbeiten werden demnach noch das ganze Jahr über andauern und entlang der Trasse von Nordwest nach Südost, von Löchgau bis zur östlichsten Fundstelle in Kernen im Remstal, wandern.

In Freiberg wurde bei Grabarbeiten bereits ein goldener Ohrring mit einer Bernstein-Perle, eine Glasperlenkette und ein Messer gefunden. Dabei handelt es sich um Grabbeigaben eines Kindergrabs aus dem siebten Jahrhundert. „Seit gut 7000 Jahren haben in der Region Menschen gesiedelt, gelebt und ihre Toten beerdigt“, wird Sascha Schmidt, Projektleiter für die archäologischen Untersuchungen im Rahmen der SEL, in einem Magazin-Beitrag von Terranets BW zitiert. In Abstimmung mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde werden bedeutsame Funde mit Bagger, Kelle und Pinsel ausgegraben sowie archiviert und somit für die Nachwelt erhalten und für eine weitere wissenschaftliche Bearbeitung zur Verfügung gestellt. Neben den Schmuckbeigaben wurden auch Spuren frühmittelalterlicher Gräber gefunden, darunter auch ein Pferdegrab.

Die Bauarbeiten an der SEL erfolgen in Teilabschnitten. Die Rohrverlegung für die SEL werde an sogenannten Sonderbaustellen, etwa im Enztal bei Besigheim im Oktober beginnen. „Auf den meisten Streckenabschnitten beginnt die Rohrverlegung ab Frühjahr 2025. Im Laufe des Jahres wird die konkrete Bauausführung für den Abschnitt der SEL geplant werden“, teilt die Sprecherin von Terranets BW mit. Die Rohre werden dabei rund 1,2 Meter unter der Erde platziert. Nach Abschluss der Arbeiten werden die rund 34 Meter breiten Arbeitsstreifen wieder zurückgebaut und neu bepflanzt.

Die persönliche Kontaktaufnahme mit den Eigentümern und Bewirtschaftern betroffener Grundstücke werde ab April 2024 umgesetzt, wenngleich man sich diese bereits für einen früheren Zeitpunkt vorgenommen habe. Grundsätzlich liege man jedoch im Zeitplan. Der SEL-Teilabschnitt von Löchgau bis Esslingen soll Ende 2025 fertiggestellt werden.

Die Süddeutsche Erdgasleitung kompakt

Die Gesamtlänge der Leitung von Hessen nach Bayern beträgt 250 Kilometer. Auf einer Länge von rund 43 Kilometern führt die SEL durch den Regierungsbezirk Stuttgart von Bönnigheim über Erligheim, Löchgau, Besigheim, Bietigheim-Bissingen, Ingersheim, Freiberg, Ludwigsburg und weiter in Richtung Esslingen. Die Leitung hat einen Durchmesser von einem Meter und soll voraussichtlich ab 2030 als erste Pipeline in Baden-Württemberg Wasserstoff durch den Kreis transportieren.

 
 
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