Die Apothekenwelt ändert sich“, sagt Andreas Bühler Inhaber der Bühler Apotheken. Auch die Apothekenwelt in Bietigheim hat sich geändert. Seit dem 1. Juli ist die Apotheke am Unteren Tor in die Apotheke im Kaufland gezogen und im Kaufland finden umfangreiche Umbauarbeiten noch bis Mitte September statt. „Das war natürlich eine harte Entscheidung gegen die Räume, aber wir haben schon sehr viel Verständnis von Kunden bekommen, wenn wir die Gründe für den Auszug erklärt haben“, so Bühler.
Bietigheim-Bissingen Warum die Apotheke am Unteren Tor geschlossen ist
Inhaber Andreas Bühler hat den Fokus in Bietigheim-Bissingen auf die Filiale im Kaufland gelegt. Für Apotheken in Deutschland gebe es viele Herausforderungen.
Zum einen baut Bühler in der Apotheke im Kaufland das Lager aus. „Statt 13.000 Medikamentenpackungen können wir dann 30.000 Packungen lagern“, erklärt der Apotheker. Zum anderen spüre auch er den Fachkräftemangel. „Wir haben ein großes Team, das ich auch halten möchte. Durch die Zusammenlegung nehme ich die Belastung auf meine Mitarbeiter raus“, erklärt der Apothekeninhaber. Hinzu kommt, dass er mit einem Standort nicht zwei Lagerlogistiken aufrecht erhalten müsse.
Von 20 Produkten sind nur zwei lieferbar
Drei kaufmännische Angestellte kümmern sich darum, dass ausreichend Medikamente im Lager sind. Das Lieferengpässe-Problem habe sich über die Jahre etabliert. Der Kostendruck durch die Krankenkassen mache es schwer immer ausreichend Medikamente zu beschaffen. „Bei den Cholesterinsenkern, gibt es zum Beispiel 20 verschiedene Produkte, doch nur zwei sind lieferbar. Das ist dann einfach ein Problem“, sagt Bühler, der 2018 die Apotheken in Bietigheim übernommen hatte und davor viele Jahre Filialleiter in der Apotheke am Unteren Tor war. Sogar aus dem Ausland müsse man für die Apotheke Medikamente beschaffen.
Ihm sei wichtig, dass das Lager in seinen Apotheken immer gut gefüllt ist und die Kunden so auch die Medikamente bekommen können, die sie benötigen. Dafür kommt auch schon KI zum Einsatz, erklärt Bühler. „Apotheken stehen nicht in rauen Mengen auf der Straße. Sie erfüllen aber eine wichtige gesellschaftliche Funktion“, betont Bühler.
Auch die Finanzierbarkeit sei ein Thema: „6,77 Euro bekommen wir für jede Medikament, das bei uns über den Tresen geht. 2,50 Euro gibt es pro Notdienst Inanspruchnahme. Davon müssen wir leben“, sagt Bühler. Daher habe er auch das Angebot in seinen Apotheken ausgebaut. Der Lypmphstützpunkt, bei dem zum Beispiel auch die Postoperative Versorgung mit Kompressionsmaterial angeboten wird zog vom Unteren Tor mit ins Kaufland.
Seit 2010 sind die Zahlen der Apotheken in Deutschland stark rückläufig. 2024 schlossen 530 Apotheken, sodass es deutschlandweit im vergangenen Jahr 17.041 Apotheken gab, laut einer Statistik der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). In Baden-Württemberg gab es zum Jahresende 2024 2152 Apotheken. Damit kommen auf 100.000 Einwohner 19 Apotheken. Baden-Württemberg liegt damit unter dem Bundesschnitt, bei dem auf 100.000 Einwohner 21 Apotheken kommen. In Bietigheim-Bissingen gibt es sechs Apotheken im Stadtgebiet.
„Eine Situation wie in Kleinsachsenheim wollte ich vermeiden. Das war auch ein Grund für die Zusammenlegung“, sagt Bühler. Im vergangen Jahr hatte Apotheker Oliver Bonczkowski die Metter-Apotheke aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen (die BZ berichtete).
Die Laufwege der Kunden haben sich verändert
Auch die Einführung des digitalen Rezepts habe zu einem veränderten Verhalten bei den Kunden geführt, ist sich Bühler sicher. „Jetzt bestelle ich mir mein Rezept telefonisch und schaue dann wo und wann ich es abholen kann. So wie es früher war: zu jeder Arztpraxis eine Apotheke, das braucht es nicht mehr.“
Auch deshalb sei der Fokus auf den einen Standort im Kaufland wichtig gewesen. Die Laufwege der Kunden hätten sich deutlich verändert und durch die hohe Frequenz am Kaufland kämen auch viele Kunden dort in die Apotheke. „Mit den Baustellen in Bietigheim, das merken wir auch in der Innenstadt“, sagt Bühler.
Der Umbau in der Apotheke am Kaufland laufe noch bis zum 14. September. Die Arbeiten habe er absichtlich in die Ferienzeit gelegt, da es so möglichst wenige Leute tangiere, da viele im Urlaub seien. Mit dem Fokus auf einen Standort wollte er seine Apotheken auf die Zukunft vorbereiten und sich „gut aufstellen“.
