Bietigheim-Bissingen „Wasserstoff ist die Zukunft“

Von Uwe Mollenkopf
Bundesumweltminister Carsten Schneider besuchte Fumatech in Bissingen (von links): Landtagskandidat Daniel Haas, Fabian Gramling (MdB), OB Jürgen Kessing, Umweltminister Carsten Schneider, Andreas Stoch (SPD-Landesvorsitzender) und Dr. Bernd Bauer, Geschäftsführer von Fumatech Foto: /Martin Kalb

Auf Einladung des Ludwigsburger SPD-Bundestagsabgeordneten Macit Karaahmetoglu besuchte Bundesumweltminister Carsten Schneider die Firma Fumatech in Bissingen.

Als „Hidden Champions“, zu deutsch heimliche Gewinner, werden mittelständische Unternehmen bezeichnet, die in ihrer Branche als Marktführer gelten, aber sonst wenig bekannt sind. Ein solcher „Hidden Champion“ in vielen Märkten ist nach den Worten ihres Geschäftsführers und Gründers Dr. Bernd Bauer auch die Fumatech BWT GmbH mit Sitz in der Carl-Benz-Straße in Bissingen. Immerhin kennt Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) jetzt das Unternehmen, denn er war am Freitagmorgen auf Einladung des Ludwigsburger SPD-Bundestagsabgeordneten Macit Karaahmetoglu zu Gast.

Der aus Erfurt stammende Umweltminister unterstützte damit den Wahlkampf der Sozialdemokraten im Land und im Landkreis, von denen neben Karaahmetoglu die Kandidaten der Wahlkreise Bietigheim-Bissingen und Vaihingen, Daniel Haas und Torsten Liebig, der Landesvorsitzende Andreas Stoch und Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing dabei waren. Dass es mehr war als ein reiner Wahlkampftermin, zeigte die Anwesenheit des CDU-Bundestagsabgeordneten Fabian Gramling, der ebenfalls an dem Austausch teilnahm.

Die Fumatech BWT GmbH zählt 70 Mitarbeiter und befindet sich seit 2014 am Standort Bietigheim-Bissingen auf dem ehemaligen Bundeswehr-Gelände. Eine Erweiterung dort ist geplant und wurde vom Gemeinderat bereits genehmigt (die BZ berichtete). Seit 1997 gehört Fumatech zur mehr als 6000 Mitarbeiter zählenden österreichischen BWT-Gruppe, die laut Fumatech-Geschäftsführer Bauer weltweit tätig ist, mit Fokus auf Europa. Als weiteres BWT-Unternehmen ist BWT Pharma & Biotech am Bissinger Standort ansässig. Laut Geschäftsführer Philipp Ettle werden mit 150 Mitarbeitern Reinstwasseranlagen zur Medikamentenherstellung produziert.

Brennstoffzelle im Fokus

Fumatech selbst widmet sich unter anderem als Membranhersteller und Anlagenbauer der Wasseraufbereitung. Sauberes Wasser ist nach den Worten von Bernd Bauer ein zentrales Ziel des Unternehmens, das deshalb mit seinen Produkten dafür sorgen will, dass Schadstoffe wie Mikroplastik oder Hormone herausgefiltert werden können. Über eine Stiftung sei man auch sozial tätig, etwa bei einem Brunnenprojekt in Ghana. Im Bereich Energie werden unter anderem Ionenaustauschmembrane von Fumatech für die auf Wasserstoff basierende Brennstoffzellen-Technologie verwendet, ebenso sind Batterien ein Anwendungsfeld – allerdings wegen des umstrittenen Rohstoffs Kobalt keine Lithium-Ionen-Akkus.

„Wasserstoff ist die Zukunft“, lautet die Überzeugung Bauers. Doch hier mangele es an Unterstützung durch die Politik, so der Geschäftsführer an die Adresse des Umweltministers. Es gebe keine Fördermittel, nötig sei eine höhere Nachfrage. Es sei traurig, dass der Markt wieder nach China gehe.

Carsten Schneider, der die geschilderte Geschäftstätigkeit „sehr beeindruckend“ fand, machte wie auch Fabian Gramling im Gegenzug darauf aufmerksam, dass ein Gesetz zur Beschleunigung der Verfügbarkeit von Wasserstoff und zur Änderung weiterer rechtlicher Rahmenbedingungen für den Wasserstoffhochlauf demnächst im Bundestag beschlossen werden soll.

Fumatech-Chef Bauer wies indes auch noch darauf hin, dass der Preis für Wasserstoff in Deutschland viel zu hoch sei im Vergleich zu anderen Ländern wie China. Beklagt wurde in der Runde, dass Unternehmen hierzulande vor diesem Hintergrund nicht investierten.

Mehr Langzeitspeicher nötig

Konsens herrschte darüber, dass man mehr Langzeitspeicher für Strom brauche. Schneider sagte dazu, derzeit fehle noch der Anreiz zu deren Einsatz, weil Produzenten von Wind und Solarstrom auch dann eine Entschädigung von 100 Prozent erhielten, wenn ihre Anlagen abgeschaltet werden, weil das Netz überlastet ist („Redispatch“). Es gebe jetzt diesbezüglich Verhandlungen. OB Jürgen Kessing regte an, ob der Umweltminister nicht ein Gesprächsformat initiieren wolle, um das Gespräch mit den Unternehmen zu suchen. Er sah ein Hauptproblem darin, dass die Energie systematisch verteuert werde.

Schneider will gleichwohl an der CO2-Bepreisung festhalten, er setzt dagegen auf eine Beschleunigung von Planungsprozessen. Dem Fumatech-Geschäftsführer bot er an, ihn bei Bedarf zu kontaktieren.

Am Ende dauerte der fachliche Austausch länger als gedacht, sodass die Fumatech-Fertigungsanlagen nur noch durch ein Fenster besichtigt wurden. Die Zeit drängte, denn es stand noch ein weiterer Besuch des Umweltminister an: Gleich im Anschluss ging es ins „Neckarbiotop Zugwiesen“ im Wahlkreis von Macit Karaahmetoglu.

 
 
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