Die Stadt Bietigheim-Bissingen will weiter dazu beitragen, die Wasserversorgung in der argentinischen Partnerstadt Tupungato zu verbessern. Von den Projektkosten in Höhe von 60.000 Euro soll das Meiste aus Fördermitteln gestemmt werden, wozu der Verwaltungs- und Finanzausschuss am Dienstagabend mehrheitlich beschlossen hat, einen Förderantrag beim Kleinprojektefonds des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu stellen. Letzteres geschieht über die SKEW, das Kompetenzzentrum für kommunale Entwicklungspolitik. Bei einer Bewilligung werden 50.000 Euro ausgeschüttet, 5000 Euro (zehn Prozent der Fördersumme) trägt Bietigheim-Bissingen, weitere 5000 Euro steuert die Stadt Tupungato bei.
Bietigheim-Bissingen Weitere Hilfe für Tupungato
Bietigheim-Bissingen unterstützt den Ausbau der Wasserversorgung in der Partnerstadt. Im Ausschuss gab’s auch kritische Stimmen.
GAL: „Gelebte Entwicklungshilfe“
Das Wasserprojekt in der südamerikanischen Stadt läuft bereits einige Jahre und solle jetzt zum Abschluss gebracht werden, sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing. Dafür gab’s im Ausschuss überwiegend Zustimmung. Von „gelebter Entwicklungshilfe“ sprach die Fraktionsvorsitzende der GAL, Traute Theurer. Man gebe nicht nur Geld, das irgendwohin fließe, sondern unterstütze ein konkretes Projekt. Nachdem der Kessing versichert hatte, dass in dem Eigenanteil auch die Reisekosten für die Experten aus der Stadt, welche die Argentinier beraten sollen, drin seien, befürwortete auch Günter Krähling für die SPD das Vorhaben. „Wir haben auch gegenüber anderen Ländern eine gewisse Verantwortung“, begründete Ute Epple, die Sprecherin der Freien Wähler, die Zustimmung ihrer Fraktion.
AfD: Kein Entwicklungsland
Gleichwohl fehlte es nicht an Kritik: Matthias Veith (AfD) argumentierte, Argentinien erlebe unter Präsident Javier Milei einen „beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung“. Es sei aus seiner Sicht kein Entwicklungsland und er frage sich, mit was man die Unterstützung begründe. Während etwa für die eigene Jugend kein Geld für ein Volleyballspielfeld da sei, werde Geld in die Welt hinaus verteilt.
Auch CDU-Stadtrat Claus Stöckle bezweifelte, dass Argentinien Entwicklungshilfe brauche. Das Wirtschaftswachstum liege bei vier bis sechs Prozent, „Milei macht doch eine gute Arbeit, auch wenn es nicht allen passt“, erklärte er.
Kessing hielt dagegen, dass das Wachstum von einer niedrigen wirtschaftlichen Basis ausgehe. Wirtschaftlich sei Argentinien ein „Dritte-Welt-Land“, die Inflation sei unter Milei zwar gesunken, sei aber immer noch sehr hoch. Bei der Abstimmung ging das Vorhaben schließlich mit sechs zu vier Stimmen durch.
Versorgung nicht sichergestellt
Laut Ratsvorlage braucht Tupungato einen Ausbau der Wasserversorgung aufgrund des Wein-, Obst- und Gemüseanbaus sowie der gewerblichen Produktion in der Region, außerdem wachse die Bevölkerung kontinuierlich. Berechnungen zufolge könne die Wasserversorgung der Bevölkerung für die kommenden Jahre nicht mehr sichergestellt werden.
Mit dem Geld soll eine neue Wasserentnahmestelle aus der Quelle El Peral gebaut werden. Daraus soll Wasser für das Stadtgebiet sowie verschiedene ländliche Gebiete gewonnen werden. Das Projekt wird laut Vorlage von der Stadt Tupungato geplant und durchgeführt, mit Beratung durch die Experten der Stadtwerke und der Stadt Bietigheim-Bissingen.
Einstufung als Schwellenland
Laut der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer (AHK) wird das argentinische Bruttoinlandsprodukt für 2025 auf 683 Milliarden Euro geschätzt. Argentiniens Volkswirtschaft rangiert weltweit auf Platz 22. Im Human Development Index belegt es Rang 48 weltweit. Es werde als Schwellenland definiert, so die AHK.
Die Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing beziffert das argentinische Wirtschaftswachstum für 2025 auf voraussichtlich 4,5 Prozent. Laut Statistischem Bundesamt lag die Inflation im Dezember 2025 bei 31,6 Prozent.
