Als Freiberufler sei er an verschiedenen Einrichtungen tätig, verbringe daher auch viel Zeit im Auto. „Ich wohne im Nordschwarzwald, mein Radius beträgt um die 75 Kilometer. Ich bin ein Reisender“, sagt Fabian Link im Gespräch mit der BZ. Er habe Aufträge in Landau, Maulbronn, Stuttgart, Ludwigsburg, in Bietigheim-Bissingen sei er drei Mal im Monat. Es gebe regelmäßige Inner Circle Meetings, Supervisionen, Coachings und Bewertungen, internationale Kongresse. Diverse Studien untermauern die Wirksamkeit. Fabian Link und seine Kollegen sind weder Börsenmakler noch Ärzte oder Pflegekräfte. Sie sind keine Psychotherapeuten oder gar Steuerprüfer. Sie sind Clowns. Klinikenclowns um genau zu sein.
Bietigheim-Bissingen Wenn der Klinikenclown die rote Nase zur Tür hineinsteckt
Fabian Link ist Klinikenclown, unter anderem im Bietigheim-Bissinger Krankenhaus. Der BZ verrät er, warum das für ihn der beste Job der Welt ist.
Clowns im Krankenhaus?
Was nach Spaß klingt, ist es auch, sagt Link. Jedoch nicht immer so, wie man meinen könnte. „Die Menschen, die in den Krankenzimmern liegen, durchleben oft schwierige Phasen.“ Manchen sei aber auch einfach nur langweilig. „Klinikenclowns haben gelernt, wie man als Clown in einem Krankenhaus agieren kann, ohne pietätlos zu sein. Wir haben strenge Richtlinien“, sagt er. Die Absicht sei, eine gelungene Kommunikation zu führen. Die könne natürlich lustig sein, das sei aber nicht zwingend notwendig.
Dadurch, dass Link Einrichtungen hat, die er regelmäßig besucht, gebe es eine gewisse Kontinuität, so seien schon tolle Beziehungen entstanden. Zu Patienten, aber auch zum Personal. Denn ein intensiver Austausch mit Ärzten und Pflegekräften sei essenziell, sagt Link. Ohne eine Übergabe, die Informationen über den Krankenstand und die Verfassung der Patienten beinhaltet, werde kein Zimmer betreten. Pro Besuch konzentriere man sich auf eine Station.
Fabian Link ist 56 Jahre alt und seit 15 Jahren hauptberuflicher Klinikenclown, unter anderem für die Stiftung „Humor hilft Heilen“ von Eckart von Hirschhausen. Er habe auf seinem Weg zum Traumberuf vieles ausprobiert, erzählt er. So schnupperte er als Requisiteur ins Zirkusleben hinein, arbeitete als Taxifahrer in Frankfurt, um sich den Besuch von Clownschulen in Frankreich und der Schweiz zu finanzieren. Außerdem holte er sein Abitur nach, studierte Veterinärmedizin und ebenso Sonderpädagogik – beides brach er ab. Er absolvierte eine Ausbildung zum Automechaniker. Seinen Platz im Arbeitsleben zu finden fiel ihm gar nicht so leicht. Jetzt jedoch sei er angekommen. „Ich will das hier machen, bis ich nicht mehr kann. Ich liebe meinen Beruf.“
Doch wie kann man sich als Clown in den Klinikalltag einpassen? Wie betritt man ein Zimmer von fremden, verletzten Personen? Wie begegnet man traurigen Angehörigen oder todkranken Patienten? Klinikenclownregel Nummer eins: niemals alleine unterwegs sein. „Wir sind immer zu zweit, um uns gegenseitig retten zu können.“ Es gebe immer auch schwierige Situationen, die der andere vielleicht besser lösen könne. Auch wenn zwei Clowns seit 15 Jahren gemeinsam auf Visite gehen, sei jeder Besuch individuell, jede Konversation spontan. Außerdem muss klar sein: „Der Clown ist keine Rolle, sondern eine Figur. Meine heißt Bruno.“ Professionalität sei wichtig, die Gesetze der Darstellenden Kunst zu kennen sei eine Grundvoraussetzung. „Manche sind gelernte Clowns, manche Sprechcoaches, Artisten, Puppenspieler. Aber alle kennen die Bühnengesetze“, sagt Link. Manche hätten Instrumente dabei, fast alle singen, er selbst zaubere auch gern. „Die Nase ist die kleinste Maske der Welt. Wenn ich sie aufsetze, ist Bruno bereit für Schabernack.“
Nicht nur für Kinder
Klinikenclowns seien übrigens nicht nur etwas für Kinder. Gerade im Krankenhaus Bietigheim gebe es fast nur Erwachsene. Doch auch die heißt es aus dem Klinikentrott herauszuholen. Link gehe so vor: Er klopfe höflich an und strecke erst einmal den Kopf zur Tür hinein. Oft heiße es dann: „Ach ihr seid’s, kommt doch herein.“ Doch auch das Wegschicken könne für die Patienten ein gutes Gefühl sein. „Selbst zu entscheiden, wen man im Zimmer haben will und wen nicht, kann aufbauend sein“, sagt Link.
„Aktuell habe ich um die sieben Visiten in der Woche. Jede umfasst etwa drei Stunden, wovon eine Stunde Vorbereitung und Austausch mit dem Personal ist.“ Er liebe, wie man als Clown mit den Menschen in Kontakt komme, die Leichtigkeit. „Die Sinnhaftigkeit meines Jobs hinterfrage ich nie. Er ist hochgradig befriedigend.“ Er, seine Kollegen und Kolleginnen erfahren viel Wertschätzung, sagt Link. „Wir machen unseren Job so gut, weil wir das professionell machen können, weil die Finanzierung durch Stiftungen und Fördervereine gesichert ist.“ Diese Wertschätzung berühre ihn tief.
Teil der diesjährigen Spendenaktion Menschen in Not
Der Verein „Freunde und Förderer des Krankenhauses Bietigheim“ kooperiert schon seit vielen Jahren mit der Stiftung „Humor hilft Heilen“ und organisiert und finanziert die Klinikclownvisiten im Klinikum in Bietigheim-Bissingen.
