Umleitungen, Vollsperrungen, Stau: So mancher Auto- und Radfahrer ist geplagt von den zahlreichen Baustellen im Kreis. Aber wie werden diese eigentlich geplant, warum muss manche Straße dafür gesperrt werden und was steht in den nächsten Jahren an? Die BZ hat den Leiter des Baureferats West im Regierungspräsidium (RP), Andreas Klein, dazu befragt.
Bietigheim-Bissingen Wie Baustellen geplant werden
Wie werden Baustellen geplant und wann wird voll gesperrt? Die BZ hat beim Leiter des Baureferats-West im Regierungspräsidium nachgefragt.
Wann eine Vollsperrung nötig ist
Bei manchen Baustellen wird die Straße voll gesperrt. Ließe sich das nicht anders lösen? Nein, sagt Klein. Der Grund: Die Vorgaben des Arbeitsschutzes für die Bauarbeiter wurden verschärft. Das bedeutet: Jede Straße, die schmaler als acht Meter ist, kann nur unter Vollsperrung saniert werden. Der Bauingenieur sieht darin aber keinen Nachteil, im Gegenteil: „Die Qualität wird besser, wenn über die volle Breite gearbeitet wird, zudem beschleunigt es die Bauarbeiten deutlich.“ Den Frust der Autofahrer kann er zwar verstehen, aber letztlich profitierten sie davon, dass die Arbeiten etwa in der Hälfte der Zeit erledigt werden können – da die Arbeiter bei einer Vollsperrung nicht auf den fließenden Verkehr Rücksicht nehmen müssten.
Steht wie in Ingersheim oder Asperg die Sanierung einer Ortsdurchfahrt an, verantwortet oft die Kommune die Baustelle, weil neben den eigentlichen Straßenarbeiten Kanäle und Wasserleitungen verlegt werden sollen. Im Gegenzug erhält die Gemeinde vom RP einen Kostenanteil für die Straßenbauarbeiten. Klein hält dieses Vorgehen für sinnvoll: „So werden Arbeiten, die zusammen erledigt werden, bei denen der Fokus aber nicht auf der Straße liegt, direkt miteinander umgesetzt.“ Die Kommunen hätten auch die Wünsche der Anwohner besser im Blick.
Wünsche aus den Kommunen
Stehen keine Kanalarbeiten an, wie etwa bei der reinen Deckensanierung in Pleidelsheim, „ist das unser Job“, sagt Klein. Welche Wünsche es von Seiten der Kommune gibt, bespricht Klein im Vorfeld einer Sanierung mit den jeweiligen Kommunen, erklärt der 61-Jährige, der selbst gern Rad fährt.
So ist es auch bei den Planungen für die Sanierung der B 27 in Bietigheim gewesen. Vor rund 3,5 Jahren fanden erste Gespräche mit der Stadt und dem Kreis statt. Damals war schnell klar geworden, dass die Kreisstraße K 1671 Richtung Bietigheim-Bissingen/Sachsenheim zunächst auf zwei Fahrstreifen ausgebaut werden muss, bevor die weiteren Arbeiten an der B 27 erfolgen können.
Ab 2024 stehen nun die Arbeiten an, bei denen das RP den Hut auf hat: Der Abschnitt zwischen Berliner Straße und Industriestraße. Neu hinzugekommen ist, dass die Stadtwerke die Straße mit Fernwärmeleitungen queren müssen, die Stadt und das RP wollen dort außerdem die Radwegequerung verbessern.
Bei der Umsetzung der Arbeiten „versuchen wir immer, die Sommerferien mitzunehmen“, sagt Klein. Bei jeder neu eingerichteten Baustelle dauere es erfahrungsgemäß immer zwei bis drei Tage, bis sich die Autofahrer daran gewöhnt und Umleitungen akzeptiert hätten. Ein Grund: Die Baustelle werde in den Navis nicht immer exakt angezeigt. Wenn es nach sechs Tagen weiterhin viele Staus gebe, müsse nachgesteuert werden. Wie genau bei dem für 2024 geplanten Bauabschnitt der Verkehr geleitet werden soll, steht noch nicht endgültig fest. „Derzeit besprechen wir die Ideen, auch in welchen Teilabschnitten die Umsetzung erfolgen soll, mit der Bietigheimer Verkehrsbehörde.“
Ob eine hellere Farbe der Straßendeckschicht oder eine bessere Versickerung von Regenwasser: Nachhaltigkeit ist für Klein ein wichtiges Thema. Gibt es neben der Straße einen Grünstreifen, wird soweit möglich auf Randsteine verzichtet, Regenwasser kann dann im Boden versickern und werde dort wieder dem Wasserkreislauf dort zugeführt, wo es anfällt. Bei Verschmutzungen wirke der Boden wie ein Filter. Dieses Projekt soll im Vorfeld der Deckensanierung umgesetzt werden, sagt Klein.
Großer Abschnitt in 2025
2025 steht dann ein weiterer, umfangreicher Bauabschnitt an: Von der Industriestraße bis zur Freiberger Straße/Poststräßle. Dabei soll der dortige Verkehrsknoten neu geordnet werden, die Fußgängerunterführung verlängert, die Kurve gefälliger geführt, der Radweg weitergeführt werden.
Neben den Arbeiten an der B 27 plant Klein in den nächsten Jahren mit seinem Team eine Erhaltungsmaßnahme zwischen Sachsenheim und Bietigheim (2025) und zwischen Bietigheim und Löchgau (2026), wobei letztere im Bestand ausgebaut und um eine Busspur erweitert werden soll.
