Bietigheim-Bissingen Wie man einen Mini-Motor aus einem Schokoriegel bastelt

Von
Wissenschaftsredakteur und Buchautor Joachim Hecker machte Experimente mit den Schülern in der Aurain-Realschule. Foto: Martin Kalb

Einen Mini-Motor aus einem Schokoriegel zum Laufen bringen? Kein Problem für Joachim Hecker. Mithilfe einer handelsüblichen Batterie, einer Schraube, einem kleinen Magneten und einem Duplo-Schokoriegel ließ er jeden Einzelnen seines Publikums diesen Motor bauen: „Sie müssen die Schraube mit dem Magneten an der Batterie anbringen. Dann das Alupapier vom Duplo oben an die Batterie und unten an den Magneten halten.“ Ein begeistertes Raunen ging durch den Saal der Aurain-Realschule als die Schraube sich zu drehen begann. Auch Zwischenrufe wie „Au, das wird ganz schön heiß!“ waren zu hören. Grund dafür: ein Kurzschluss.

Stethoskop auf dem Kopf

„Dieser Mini-Motor hat alles, was ein normaler Motor in einem E-Auto auch hat“, erklärte Hecker. Bei seiner Science-Show „Keine Angst vor Wissenschaft“ präsentierte der bekannte Wissenschaftler und Buchautor in der Realschule im Aurain rund 100 Schülern und Eltern Experimente aus der Wissenschaft. Hecker meinte: „Ich habe keinen weißen Kittel an, sondern normale Kleidung. So möchte ich zeigen, dass Wissenschaft die ganze Zeit um uns herum stattfindet und nicht nur im Labor.“

Die sechsjährige Nora kam auf der Bühne aus dem Kichern gar nicht mehr heraus, als sie dank eines Stethoskops auf ihrem Kopf, das an das Mikrofon angeschlossen war, ihre eigene Stimme durch den ganzen Saal hörte. „Diesen Teil der Stimme von Nora hören wir alle zum ersten Mal. Die tiefen, dunklen Teile werden nämlich durch den Kopf geleitet“, weiß Joachim Hecker, „deswegen hört sich unsere Stimme auf Sprachmemos immer seltsam an, da das Handy nur die hohen Teile aufnimmt.“ Die lauten Kaugeräusche von Chips, Erdnüssen, Hanuta und Zwieback nutzte der Wissenschaftler zum Erklären von Food Acoustic Design und um zu zeigen, dass der Kopf Schall leitet.

Am Abend fand auch ganz exklusiv ein Tierversuch statt. Die Versuchstiere: Styroporfrösche. „Das sind Zwillingsfrösche, die heißen Bietigheim und Bissingen“, sagte Hecker, „einer davon muss jetzt in Kochtopf. Welchen von beiden wollt ihr in den Topf schmeißen?“ – die Wahl des Publikums fiel auf Frosch „Bissingen“. Zusammen mit Wasser kam der Styropor-Frosch im Schnellkochtopf auf die Herdplatte. Auf die Frage, was wohl mit dem Frosch passieren würde, riefen die Kinder aufgeregt „Schmelzen!“, „Verbrennen!“, „Zerbrechen!“, „Schrumpfen!“.

Dieses Rätsel löste Hecker erst am Ende seiner rund zweistündigen Show. In der Zwischenzeit bildete er einen menschlichen Stromkreis, erklärte gleichzeitig, warum wir Menschen Strom leiten, unsere Haare allerdings nicht: „Wir bestehen zu über 50 Prozent aus Wasser und Wasser leitet Strom. Unsere Haare sind dagegen trocken und leiten darum nicht.“

50-Euro-Schein verbrannt

Auch der 50-Euro-Schein eines anwesenden Vaters musste in der Show dran glauben. Unter erschrockenen Rufen verbrannte Hecker den Schein. Mit einem in Spiritus getränkten 10-Euro-Schein gab er sich eine zweite Chance – und es funktionierte: „Die Flüssigkeit war ein Mix aus Spiritus und Wasser. Wenn man es anzündet, verbrennt nur der Spiritus und das Wasser schützt den Schein. Aber Achtung, die Mischung muss exakt stimmen.“ Natürlich bekam der Spender sein gesamtes Geld wieder zurück.

„Er ist ein richtig guter Entertainer, das habe ich schon bei den Schülerveranstaltungen gesehen. Die Schüler sind richtige Fans geworden“, sagt Schulleiter Claus Stöckle. Da Stöckle an seiner Schule etwas im Bereich der Naturwissenschaften unternehmen wollte, lud er gemeinsam mit dem Freundeskreis und den Elternbeiräten Joachim Hecker ein. Claudia Kübler und Barbara Rossmann vom Elternbeirat stellten das ganze Event dann auf die Beine. Zudem wurde die Schule mit einem Betrag von 1000 Euro von der Wiedeking-Stiftung bei diesem Projekt unterstützt.

Aber was ist nun eigentlich mit Styropor-Frosch „Bissingen“ im Kochtopf passiert? Langsam öffnete Hecker den Deckel und ließ einen Schüler den Frosch herausholen. Begeisterte Rufe klangen durch den Saal „Der ist ja ganz klein und hart, nur noch drei Zentimeter groß!“.

Wie das passieren konnte, erklärte der Wissenschaftler Hecker natürlich auch: „Durch das Wasser wird das Styropor weich, und durch den Druck im Topf wird die Luft herausgepresst. Der Frosch besteht nur noch aus Kunststoff und ist deshalb steinhart.“

Am Mittwoch fand noch eine Show von Joachim Hecker in der Otto-Rombach-Bücherei statt.

Info Joachim Hecker wurde 1964 geboren. Er studierte Elektrotechnik in Darmstadt und ist nun Redakteur und Reporter in der Wissenschaftsredaktion des WDR-Hörfunks. Mit seiner Science-Show begeistert er Groß und Klein weltweit mit spannenden Experimenten für die Physik und Technik. Hecker ist zudem Autor einiger Bücher für junge Forscher.

 
 
- Anzeige -