Bietigheim-Bissingen Wo in Metterzimmern der Schuh drückt

Von Michael Soltys
Größtes Projekt in Metterzimmern ist der Kita-Neubau. Foto: /Oliver Bürkle

In der Gaststätte des TVM brachten die Bürger am Samstag ihre Probleme und Sorgen vor. Nicht alles lässt sich regeln, machte Erster Bürgermeister Michael Hanus dabei deutlich.

Ob schwere Transportfahrzeuge, die Feldwege nahe dem Waldhof zerstören, ob schlechte Beleuchtung in einzelnen Straßen oder Lärmbelästigungen bei den sommerlichen Grillabenden nahe der Eselshütte – die Metterzimmerer, die sich am Samstag in der Gaststätte des TV Metterzimmern trafen, brachten dort eine Menge größerer und kleinerer Alltagsprobleme vor. Aufmerksame Zuhörer waren Mitglieder des Gemeinderats und der Verwaltung, an ihrer Spitze Erster Bürgermeister Michael Hanus. Er leitete das jährliche Bürgergespräch, zu dem die Stadt eingeladen hatte.

Blitzeranlage am teuersten

Rund 155 000 Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr in Metterzimmern für die Erhaltung und für einzelne Projekte in dem Teilort von Bietigheim-Bissingen ausgegeben. Mit dieser Bilanz eröffnete Hanus die Veranstaltung. Allein 100 000 Euro waren für die neue Blitzeranlage fällig, die im April gebaut wurde. Zwischen 20 000 und 30 000 Euro wurden erneut für die Reparatur der Heizung in der Turnhalle notwendig. In den kommenden drei bis fünf Jahren steht eine komplette Erneuerung an, die Kosten werden auf 600 000 Euro geschätzt.

Größtes Projekt ist die Erweiterung der Kita. „Wir würden uns wünschen, dass es schneller vorangeht“, sagte Hanus. Der Neubau soll im ersten Quartal 2024 bezugsfertig sein, danach geht es an die Sanierung des Altbaus, die im dritten Quartal des Jahres abgeschlossen sein soll, so die Planungen. Um die Kita mit aktuell zwei Gruppen und 47 Betreuungsplätzen um weitere zwei Gruppen zu erweitern, wendet die Stadt rund 6,5 Millionen Euro auf. Was aber in Metterzimmern fehlt, ist ein Lebensmittelmarkt. Es war der frühere FDP-Stadtrat Hans Noller, der diesen Mangel ansprach und dafür im Publikum Unterstützung bekam. „Wir müssen nicht immer nach Sachsenheim schauen“, sagte Noller, wo es mehrere solcher Märkte gibt. Alles sei in Bietigheim zentriert, beklagte sich eine Anwohnerin aus der Kolpingstraße. „Für uns sieht es schlecht aus.“ Die Metterzimmerer seien zum Einkauf auf das Auto angewiesen.

Hanus konnte allerdings wenig Hoffnung auf grundlegende Änderung machen. Die Stadt sei in dieser Sache in Gesprächen. Aber offensichtlich geht es dabei um die Ansiedlung kleinerer Märkte wie in Ingersheim und Oberriexingen. „Einen größeren Markt kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, sagte Hanus. Die Stadt verfolge das Konzept der Konzentration auf Zentren, entgegnete der Erste Bürgermeister den Vorhaltungen, Metterzimmern sei abgehängt, was Einkaufsmöglichkeiten angeht.

Gerüst stört Anwohner

Großen Ärger in der Nachbarschaft verursacht ein Bauprojekt im Setzinger Weg. Das Haus sei schon seit anderthalb Jahren eingerüstet, ohne dass es weiter vorangeht, beklagte sich ein Anwohner vehement unter Beifall im Saal. Der Fahrweg werde verengt, für Fußgänger bestehe Gefahr. Die Straßenbeleuchtung wurde entfernt, sie liege im Garten des Bauherrn.

„Dieses Thema hat die Stadt beschäftigt“, versicherte der Erste Bürgermeister. Folgen waren für die Metterzimmerer nicht zu erkennen, wie die entrüstete Reaktion im Publikum zeigte. Allerdings gibt es bereits mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren, die Stadt habe auf den Abbau des Gerüstes gedrängt, sie sei immer wieder vertröstet worden, hieß es von Seiten des Ordnungsamtes. Eine Baugenehmigung für das Projekt liege vor. Nach Informationen der Stadt ist der Bauherr in private Rechtsstreite verwickelt. Hanus sicherte zu, alle ordnungsrechtlichen Maßnahmen zu ergreifen. „Wir werden das mit Nachdruck verfolgen“, sagte er.

Keine Chance auf Fernwärme

Offensichtlich gibt es auch in Metterzimmern die Überlegung und den Wunsch, an das Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen zu werden, wie bei einer Frage aus dem Publikum deutlich wurde. Doch die Chancen dafür stehen bei Null, geht aus der Antwort des Ersten Bürgermeisters hervor.

Die Infrastruktur für Fernwärme zu errichten, sei teuer. Fernwärme lohne sich nur dort, wo eine hohe Anschlussdichte bestehe, sprich, wo es viele Geschosswohnungen mit zahlreichen Haushalten gibt. In Metterzimmern mit seiner großen Anzahl an Einfamilienhäusern sei dies nicht der Fall. Stadträtin Ute Epple verwies darauf, dass Wärmepumpen und Solarmodule für frei stehende Häuser akzeptable Lösungen seien.

Der Zustand der Straße zur Eselshütte und weiter zum Waldhof gab auch beim diesjährigen Bürgergespräch Anlass zur Klage in den Reihen der Besucher. Die Fahrbahn müsse ausgebessert werden. Anwohner forderten auch Kontrollen wegen des nächtlichen Lärms und der vielen parkenden Autos dort. Stadtrat Claus Stöckle erinnerte an die lange Diskussion über diese Straße, die als Gemeindeverbindungsstraße dient. Das Problem: Ein Ausbau macht die Straße attraktiv für Autofahrer und bringe mehr Verkehr aus Löchgau nach Metterzimmern. 

 
 
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