Die Planungen der Bietigheimer Wohnbau für das Aurain-Carré laufen. Anfang kommenden Jahres oder vielleicht auch früher soll Baustart zur Schaffung von 44 Wohnungen sein, die als erste Randbebauung entlang der Austraße entstehen sollen. Insgesamt sind dort bis zu 220 Wohnungen geplant – doch diese am Stück auf den Markt zu bringen, funktioniere unter den derzeitigen Bedingungen mit gestiegenen Zinsen und Baukosten nicht, wie Geschäftsführer Carsten Schüler auf der traditionellen Baustellenrundfahrt der Stadtverwaltung und des Gemeinderats am Pferdemarkt-Dienstag sagte.
Bietigheim-Bissingen Wohnbau: Entwicklung in kleinen Schritten
Die Bietigheimer Wohnbau verfügt längerfristig über ein Baupotenziel für noch 600 neue Wohnungen. Konkret wird’s zuerst im Aurain-Carré in Bietigheim-Bissingen.
Parkhaus erst 2030
Die Strategie des städtischen Wohnungsbauunternehmens besteht deshalb nun darin, seine Baugebiete in kleinen Schritten zu entwickeln und immer 30 bis 40 Wohnungen pro Bauvorhaben zu realisieren. Für das Aurain-Carré, ein Areal, das die Wohnbau 2017 von der Firma Elbe gekauft hat, bedeutet das, dass es zehn bis zwölf Jahre dauern kann, bis das gesamte Gelände aufgesiedelt ist.
Auch der Bau des als Mobilitätszentrum konzipierten Parkhauses, kurz „Mobi-Hub“, auf der Fläche des früheren Postgeländes wurde weiter in die Zukunft geschoben. Laut Schüler soll es jetzt frühestens 2030 gebaut werden. Man wolle damit warten, bis die Tiefgarage, die zur Erschließung des oberirdisch autofreien Quartiers dienen soll, nicht mehr ausreiche, sagte der Wohnbau-Chef.
Preis wird noch kalkuliert
Zum Quadratmeterpreis für die Wohnungen in dem Neubaugebiet wollte Oberbürgermeister Jürgen Kessing noch nichts sagen. „Das wissen wir erst, wenn wir kalkuliert haben“, so der Rathauschef.
Was die gewerbliche Nutzung auf dem Areal anbelangt, berichtete Schüler, dass die alten Elbe-Hallen erfolgreich an Privatleute vermietet werden konnten und von diesen umgestaltet wurden. Einen Rückschlag musste die Wohnbau hingegen beim geplanten medizinischen Dienstleistungszentrum am Aurain-Carré hinnehmen, das an der B 27 geplant ist. Aufgrund der hohen Baukosten, die sich auf die Miete auswirken, seien die Ärzte, die dort vorgesehen waren, wieder abgesprungen, berichtete Schüler. Stattdessen plane man nun mit einem Steuerberater und einen anderen Arzt, der eine hohe Miete bezahlen könne. Doch: „Wir sind noch in Verhandlungen“, so der Geschäftsführer. Große Gewinne werde die Wohnbau mit dem Projekt aber nicht erzielen: Man rechne mit einer schwarzen Null.
Hohe Investitionen
Die gesamte Investitionssumme für das Aurain-Carré ist enorm und wird auf rund 120 Millionen Euro beziffert. Das ist allerdings nicht die einzige Großinvestition der Bietigheimer Wohnbau: Das „Green Building“ im Lothar-Späth-Carré, der neue Firmensitz der städtischen Tochter, das vergangene Woche bezogen wurde, kostete rund 50 Millionen Euro, für die Umwandlung des bisherigen Firmensitzes in der Berliner Straße 19 in ein Wohnquartier rechnet man mit 80 Millionen Euro. Weitere zehn Millionen Euro fallen für die energetische Sanierung und Modernisierung von 84 Wohnungen im Primelweg 2 bis 18 an.
Gelände freigeräumt
Für das Quartier in der Berliner Straße peilt die Wohnbau den Abschluss des Bebauungsplanverfahrens in zwei Jahren und einen Baubeginn 2027/2028 an. Für den zweiten Bauabschnitt im Lothar-Späth-Carré gebe es hingegen noch keinen Zeitplan und auch keine Kostenkalkulation wegen der „bekannten Probleme“, sagte Schüler. Gemeint ist die fehlende Einigung mit der Firma Layher, die dort ebenfalls Flächen besitzt. Die Brandruine neben dem „Green Building“ sei aber inzwischen geräumt worden, berichtete Schüler, sodass man gefahrlos zu der Kita könne, die dort auch entsteht.
Nimmt man die Flächen auf dem Späth-Carré (bis zu 200 Wohnungen möglich), an der Berliner Straße (180 bis 200 Wohnungen) und auf dem Aurain-Carré zusammen, ergibt sich für die Wohnbau ein Baupotenzial von circa 600 Wohnungen. Aufgrund der Bebauung in kleinen Schritten wird sich diese laut Schüler aber über einen langen Zeitraum erstrecken. So ist etwa der mögliche Fertigstellungszeitraum für das Areal in der Berliner Straße mit 2030 bis circa 2038 angegeben.
