Bietigheim-Bissingen Wolken sind nicht nur weiß

Von Gabriele Szczegulski
Ein Wolkenvorhang von Anna Grath empfängt den Besucher im Erdgeschoss der Galerie. Foto: /Martin Kalb

„Dem Himmel so nah“ heißt die neue Ausstellung in der Städtischen Galerie, in der es um Wolkenbilder in der Kunst geht.

Wolken – ein faszinierendes Himmelsphänomen. Jede Menge Wolken in den erstaunlichsten Variationen, Farben, Formen und Gestalten gibt es ab dem 22. November in der Ausstellung „Dem Himmel so nah“ in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen zu sehen. Galerieleiterin Isabell Schenk-Weininger und ihre Stellvertreterin Petra Lanfermann haben sie gemeinsam mit der Galerie Emden, in der Lanfermann schon arbeitete, zusammen gestellt.  

Werke alter Meister werden modernen gegenübergestellt

Und sie haben sich für eine interessante Hängung entschieden: Werken alter Meister werden zeitgenössische Ansichten gegenübergestellt. In der Antike war der Himmel noch monochrom blau, bis die Künstler die Verschiedenheit der Wolken in ihre Himmel aufnahmen. Heutzutage wird das Wolkenbild auch als Ausdruck des Klimawandels und der Luftverschmutzung gesehen und Rauchschwaden ersetzen die Wolken, sehen aber aus wie welche.

Im großen Foyer wird ein zeitgenössisches Werk von zwei regionalen Künstlern eingerahmt: Der Bietigheimer Gustav Schönleber ist mehrmals in der Ausstellung vertreten, sind seine Wolkenbilder doch Ausdruck einer ganzen Kunstzeit, des Impressionismus. Galerieleiterin Isabell Schenk-Weinininger erzählt, seine Arbeiten, die meist direkt vor dem Motiv entstanden, waren in Emden besonders beliebt. Auch der Sersheimer Walter Strich-Chapell malte die Wolken über dem heimischen Stromberg eindrücklich. Fast kitschig anmutend hat Anna Grath blauen Himmel und strahlend weiße Wolken auf einem Vorhang verewigt, der gerafft verschiedene Wolkenformationen zeigt.

Alle Stimmungen, mit denen sich Wolken im Himmel verewigen – Regen, grauer Himmel Donner, Blitz – sind in der Ausstellung vorhanden. Exklusiv in der Bietigheimer Schau vertreten ist der Stuttgarter Felix Hollenberg, der Rauch zu Wolken werden oder zu Steinen erstarren lässt. Albrecht Dürer, vertreten mit einer Radierung, und seine Zeitgenossen haben den Himmel mit göttlichen Wesen bevölkert, die auf Wolken thronen.

Die apokalyptischen Reiter zerstören Himmel und Wolken

Ganz andere Wesen hat Björn Mellus in seiner Videoinstallation in den Himmel geschickt: Astronauten, Drohnen, Satelliten. Und die apokalyptischen Reiter in Form von Pferden, die ihre Farbe wechseln, von weiß über rot zu schwarz, weil sie gemeinsam mit dem Sensenmann, dem Menschen, für den Untergang der Galaxie sorgen, so eine Interpretation der komplexen Installation des Villa-Massimo-Stipendiaten Mellus, der dazu von barocken Wolkenbildern in Rom inspiriert wurde.

Die romantische Ansicht der Wolken ist vertreten mit Carl Spitzwegs „Adlersjäger“. Die Romantiker befassten sich künstlerisch mit der aufkommenden naturwissenschaftlichen Betrachtung der Wolken. Hiroyuki Masuyama fotografierte in romantischer Tradition nach Motiven von Caspar David Friedrich. Er überlagerte 400 bis 500 Fotos, die an Originalschauplätzen der Romantik aufgenommen wurden, zu einem einzigen Bild. Zwei Gemälde aus dem 19. Jahrhundert haben die Wolken eliminiert und durch die Asche und die Lava von damaligen Vulkanausbrüchen ersetzt.

Die Ausstellung regt durch die verschiedensten Darstellungen einen Diskurs an, der durchaus politische, ökonomische und ökologische Themen verknüpft. Wenn auch heute immer noch Wolkenbetrachtungen uns erfreuen und beruhigen, sie zeigen uns auch die immensen Veränderungen, die sich global vollziehen.

 
 
- Anzeige -