Das Format „Schule trifft Rathaus“ der Landeszentrale für politische Bildung hat in Bietigheim-Bissingen bereits Tradition. Die Jugendlichen erhalten dabei Einblicke in Abläufe der Kommunalpolitik. Beim abschließenden Gespräch mit Baubürgermeister Michael Wolf zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler mit ihren Ideen für die Stadt vor allem ein Ziel verfolgen: Mögliche Treffpunkte für Jugendliche zu schaffen.
Bietigheim-Bissingen Wunsch nach Treffpunkten
Bei „Schule trifft Rathaus“ stellten Schüler in Bietigheim-Bissingen Baubürgermeister Wolf ihre Ideen vor: Vom Kino über einen Badesee bis zu Konzerten.
Einerseits war da der Dauerbrenner – der Wunsch nach einem Kino in der Stadt. Aktuell müsse man mindestens nach Ludwigsburg fahren, das koste einerseits Geld und sei darüber hinaus auch schlecht für die Umwelt, so die Argumentation. Tatsächlich sei ein fehlendes Kino ein Mangel in einer Stadt, die sonst alles habe, räumte Bürgermeister Wolf ein.
Allerdings habe sich am ehemaligen Kino in Bissingen gezeigt, dass zu wenig Leute das Angebot wahrgenommen hätten. Die Rahmenbedingungen in Bietigheim-Bissingen würden einen wirtschaftlichen Betrieb kaum zulassen. Denkbar wäre höchstens, dass sich ein Förderverein, wie er andernorts bereits für Freibäder existiere, dem Thema annehme. Wolf appellierte an die Jugendlichen, selbst die Initiative zu ergreifen und etwa an der Schule einen Kinoabend zu organisieren. Ähnliche Veranstaltungen gebe es auch immer wieder von Vereinen oder Kirchen.
Badesee im Steinbruch?
Eine weitere Idee der Jugendlichen war ein Badesee im stillgelegten Steinbruch Fink. Ein solcher könnte eine Alternative zum Freibad darstellen, das an heißen Tagen überfüllt sei, zeitgleich könne man auch der Tierwelt etwas Gutes tun, argumentierten die Schülerinnen und Schüler. Wolf erklärte, dass der Steinbruch derzeit wiederaufgefüllt wird und anschließend renaturiert werden soll. Dabei entstehen landwirtschaftliche Flächen, Biotope und auch kleinere Feuchtbereiche. Für einen Badesee bräuchte es allerdings eine natürliche Wasserquelle, mit einer rein künstlichen Wasserversorgung gehe das nicht. Auch anderswo in Bietigheim-Bissingen seien diese Voraussetzungen nicht gegeben.
Ob stattdessen mehr Plätze an der Enz zum Baden ausgewiesen werden könnten, fragten die Jugendlichen. Allerdings musste Wolf auch diesen Wunsch zurückweisen: „Im gesamten Uferbereich gibt es Schutzräume für Tiere und Pflanzen.“ In diesem Zusammenhang stehe auch das SUP-Verbot, dass der Landkreis verhängt hat.
Konzerte für jüngeres Publikum
Treffpunkt Nummer drei käme, so der Wunsch der Schülerinnen und Schüler, in Form von Konzerten daher. Veranstaltungen, die es bereits gebe, etwa die Sommerkonzerte oder jüngst der Auftritt von Peter Maffay bei Live am Viadukt würden vor allem ein älteres Publikum ansprechen. Bürgermeister Wolf verwies einmal mehr darauf, dass solche Veranstaltungen nur organisiert werden müssten. Auch in diesem Fall könnten die Jugendlichen an ihrer Schule mit einem Bandcontest oder kleineren Konzerten anfangen.
Eine Anregung, die man an den Live-am-Viadukt-Veranstalter Eventstifter weitergeben könne, wäre hingegen die Idee eines kleineren Vorkonzerts für ein jüngeres Publikum, wenn die große Bühne ohnehin bereits stehe.
Ein Thema, das aktuell viele Schülerinnen und Schüler bewegt, sind die hohen Temperaturen in den Klassenzimmern. Die Jugendlichen schlugen vor, mit Klimaanlagen Abhilfe zu schaffen. Das komme der Lerneffizienz zu Gute, wie auch der Gesundheit von Schülern und Lehrern. Die zunehmende Hitze sei ein reelles Problem, dessen Lösungen nicht nur technischer sondern auch organisatorischer Natur sein müssten, befand Wolf. Klimaanlagen seien teuer und verbrauchen viel Strom, stattdessen könne man etwa mit Trinkwasser-Angeboten, Unterricht im Freien oder Schattenplätzen einen Effekt erzielen.
Yannik Schuster
