Bietigheim-Bissingen Ziel der Kreis-Kliniken: Mehr Patienten und weniger Defizit

Von Emanuel Hege
Blick auf das RKH-Krankenhaus in Bietigheim-Bissingen. Foto: /Helmut Pangerl

Schon lange spricht RKH-Geschäftsführer Marc Nickel von seiner Strategie für die Zukunft. Nun wurde es erstmals konkret. Vieles davon wird die Bürger erfreuen.

Er könne in das Klagelied einstimmen, über die Schwierigkeiten sprechen, vor denen Krankenhäuser im ganzen Land stehen, sagt Marc Nickel am Montagnachmittag in einem Besprechungszimmer der Ludwigsburger Klinik. Doch heute wolle er Hoffnung und Zuversicht vermitteln. Hoffnung, dass die extremen Defizite zurückgehen, und Zuversicht, dass sich dabei zugleich die medizinische Versorgung verbessern lässt. Ein Überblick über die zentralen Botschaften der Spitze der Regionalen Kliniken Holding (RKH), die an diesem Nachmittag die Zukunft der Krankenhausversorgung im Landkreis skizziert.

Die RKH hat gute Grundlagen

Als Anfang der 1990er-Jahre die RKH als Klinikverbund gegründet wurde, habe niemand absehen können, wie wertvoll dieser Zusammenschluss Mitte der 2020er-Jahre einmal sein würde, sagt RKH-Aufsichtsratsvorsitzender und Landrat Dietmar Allgaier. Denn die Krankenhauspolitik des Bundes habe ein klares Ziel: Weg von den kleinen Allround-Versorgern, hin zu einer konzentrierten Krankenhauslandschaft, in der nicht mehr jedes Haus alles anbietet. Genau dafür habe die RKH die richtige Struktur: Während kleine, eigenständige Kliniken den Spagat zwischen Vollversorgung und Spezialisierung allein bewältigen müssten, könne ein Verbund im Landkreis Leistungen, Personal und Expertise über mehrere Standorte verteilen und so Spezialisierung und Versorgung in der Fläche miteinander verbinden.

Die RKH-Spitze stellt sich deswegen auch klar hinter die drei Standorte Ludwigsburg, Bietigheim und Markgröningen – jeder mit einer eigenen Spezialisierung. Eine große Zentralklinik, wie sie der frühere Geschäftsführer Jörg Martin vorgeschlagen hatte, ist damit endgültig vom Tisch. Ludwigsburg und Bietigheim sollen langfristig Krankenhäuser bleiben – auch die orthopädische Klinik in Markgröningen stehe nicht zum Verkauf, betonten Allgaier und Nickel. Der Landkreis wachse, zugleich steige mit der alternden Bevölkerung der medizinische Bedarf, so die Begründung. Auch die Notaufnahmen in Ludwigsburg und Bietigheim sollen erhalten bleiben.

Investitionen und Spezialisierung

Die RKH steht im Wettbewerb mit anderen Kliniken – insbesondere in Stuttgart – betont Nickel. Derzeit entscheiden sich nur rund 50 Prozent der Menschen im Kreis für ein RKH-Haus. Dieser Anteil soll auf 66 Prozent steigen.

Dafür investiere die RKH mit Geldern des Landes in moderne Medizintechnik und baue gezielt neue Fachgebiete auf. Sie sollen sich einen Ruf für besondere Expertise erarbeiten und Patienten auch über den Kreis hinaus anziehen. Ein Beispiel sei die neue Onkologie, mit der Ludwigsburg zu einem bedeutenden Standort für Krebsmedizin werden soll.

Erste Erfolge in Sachen Geld

Laut RKH-Spitze zeigt der eingeschlagene Weg Erfolge. Mussten die Kliniken-Träger Landratsamt und Stadt Bietigheim-Bissingen 2024 noch ein Defizit von 48 Millionen Euro ausgleichen, werden es 2026 voraussichtlich 33 Millionen sein. „Zufriedenstellend ist das noch nicht“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Axel Hechenberger. Bis 2029 will er das Minus auf zwölf Millionen Euro drücken, Markgröningen soll dann bereits schwarze Zahlen schreiben. Auch bei den Patientenzahlen zeigt der Trend nach oben: Für 2026 erwartet die RKH rund sieben Prozent mehr Patienten als 2025.

Allgaier, Nickel und Hechenberger zeigen sich optimistisch, was die Zukunft der Kliniken betrifft. Zugleich klingt ihre Rechnung nach der Quadratur des Kreises: Die Defizite sind weiterhin gewaltig, und allein durch das neue Beitragsstabilisierungsgesetz des Bundes werden den Kliniken im Kreis in den kommenden Jahren rund 52 Millionen Euro fehlen. Und trotzdem soll am Ende alles besser werden?

Wirtschaftliche Stabilisierung und medizinische Weiterentwicklung seien kein Widerspruch, sondern funktionierten miteinander. Der Fokus liege dabei nicht allein auf schwarzen Zahlen. Die Kliniken seien trotz aller wirtschaftlichen Zwänge kein rein privatwirtschaftliches Unternehmen, so Nickel. Ihr erstes Ziel bleibe ein gutes medizinisches Angebot für die Menschen in der Region.

Was bedeutet das für den Standort Bietigheim?

Grundsätzlich will die RKH-Spitze den Standorten Ludwigsburg und Bietigheim jeweils ein eigenes Profil geben. Zu lange, so die Kritik, hätten beide Häuser weitgehend dieselben Leistungen angeboten und damit sogar um dieselben Patienten konkurriert. Bietigheim soll deshalb künftig stärker zum Standort für Patienten werden, die länger stationär behandelt werden müssen (mehr als sieben Tage). Dafür wird die Zahl der Betten von 413 auf 465 steigen. Es sollen unter anderem die Geriatrie (Altersmedizin), die Palliativmedizin (nicht heilbare Krankheiten), die Langzeitbeatmung und die Psychiatrie gebündelt werden. Besonders aufwendig dürfte der geplante Umzug der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin von Ludwigsburg nach Bietigheim werden.

Trotzdem soll Bietigheim ein wichtiger Standort für die Notfallversorgung bleiben. Ziel ist, die Notfallversorgung Stufe 2 zu erreichen. Voraussetzung dafür ist ein neues Herzkatheterlabor. Die Notaufnahme soll modernisiert werden, vor allem der veraltete Wartebereich. Die Klinik bemüht sich beim zuständigen Sozialministerium um die Förderung für einen Umbau und einen kleinen Anbau. 

 
 
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