Die Baustelle auf der B 27 und an der Auwiesenbrücke haben die Teilnehmer der BZ-Leseraktion am Mittwoch in Bietigheim-Bissingen besucht. Der Leiter des Baureferats-West im Regierungspräsidium Stuttgart (RPS), Andreas Klein, und Projektleiter Sven Kofink haben über den Baufortschritt informiert. Auf der Brücke wurde gestern mit der Ausbringung des offenporigen Spezialasphalts begonnen, der für mehr Widerstandskraft mit Epoxidharz ausgegossen wird.
Bietigheim-Bissingen Zu Besuch auf der Auwiesenbrücke
Bei der BZ-Aktion haben die Leser beim Ausbringen eines Spezialasphalts zugeschaut. Das Material wurde mit Harz ausgegossen, um für mehr Widerstandskraft der Fahrbahn zu sorgen.
„Die Straße schieben wir hier näher an die Wand“, erklärte Andreas Klein auf der B 27 unterhalb der Laurentiuskirche. Dadurch werden Geh- und Radweg breiter. „Diese Verschiebung zahlt der Bund“, sagte Klein. In die oberste Asphaltschicht werde dabei heller Split aus Nordfrankreich eingestreut, um ein starkes Erwärmen der Fahrbahn zu vermeiden. „Asphalt verformt sich bei Wärme“, erklärte Klein.
Der neue Belag liegt höher als der alte, die Bushaltestelle wird deshalb auch neu gestaltet. Bis auf die Verlängerung der Haltestelle, die die Stadt vor Kurzem umgebaut hatte, müsse die Kommune nun nichts von den Kosten tragen. Im Sinne der Nachhaltigkeit werden die früheren Bordsteine wieder verwendet, erläuterte Kofink.
„Der ist einfach knochenhart“
Im Knotenpunkt „wollten wir Beton haben“, sagt Klein und deutet auf die Kreuzung, „der ist einfach knochenhart“. Die hohen Belastungen durchs Bremsen und Beschleunigen von Lkw könnten dem Material kaum etwas anhaben. Was die Belastungen angeht, spielten Autos eine untergeordnete Rolle, die Abnutzungen kämen vor allem durch Lkw, die immer schwerer würden. Viele Brücken seien für 32-Tonner konzipiert, heute würden viele Lkw aber 40 Tonnen wiegen. Beton sei in der Anschaffung zwar teurer, halte aber wesentlich länger als Asphalt, der sich rascher verformt. Was die Nachhaltigkeit angeht, entstehe bei der Herstellung von Beton CO2, „aber wir werden im Straßenbau auf Beton nicht verzichten können.“
Mit einem Stahlbesen wurde nach dem Auftragen die Struktur für eine höhere Griffigkeit aufgeraut, Kunstfasern sollen verhindern, dass kleinere Risse an der Oberfläche entstehen. Die Betonplatten werden geschnitten, mit einem Metalldübel verschraubt und anschließend mit einer Fuge vergossen, um Risse zu verhindern. Wichtig sei es dabei, die Fugen zu pflegen, erläuterte Klein.
Auf einem Teil der Auwiesenbrücke wird an diesem Vormittag mit der Aufbringung des Spezialasphalts begonnen. Das Ziel: Der Fahrbahn eine äußerst hohe Widerstandskraft gegen Verformungen trotz starker Verkehrsbelastung zu verleihen.
Mit Applaus honoriert
Zunächst wird der Asphalt mit Hohlräumen ausgebracht. Wenn das Material auf etwa 50 Grad Celsius abgekühlt ist, werden die Hohlräume mit Harz im Wert von rund 250.000 Euro geflutet. Dabei nutzt der Spezialtrupp der Baufirma aus Hamburg einen Schlauch, das Harz wird im Anschluss mit einem Gummischaber von Hand glatt gezogen. Diese beiden Schritte werden wiederholt, die oberste Schicht wird gegen die Erwärmung mit hellgrauem Gestein abgestreut. Eine doppelte Harzschicht sei im Landkreis bisher nur auf der Autobahn vorgenommen worden, erläutert Klein. Dies sei doppelt so teuer, doch in diesem Abschnitt der städtischen Brücke gebe es eine Mitfinanzierung durch den Bund. Im Gegensatz dazu wird der Brückenabschnitt Richtung Schwarzwaldstraße und Japangarten, den die Stadt finanziert, im konventionellen Verfahren saniert. „Zum Pferdemarkt in der nächsten Woche können wir die Brücke wieder öffnen, wenn das Wetter weiter mitspielt“, sagte Klein – was von den BZ-Lesern am Ende der rund 1,5 stündigen Führung mit Applaus honoriert wurde.
