Bietigheim-Bissingen Zwischen Basislager und Open-Air

Von Markus Wirth
Der Platz vor dem Reha-Zentrum Hess war gut gefüllt. Foto: /Oliver Bürkle

Ob sportlich ambitioniert oder nicht, dabeisein ist alles – das sagen sich auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Haircare Group“, die von Anfang an mit von der Partie ist.

Das soll die Ruhe vor dem Sturm sein? Überall ertönt Lachen, das helle Leerlauf-Rattern von Fahrradritzeln ist ebenso zu vernehmen wie munteres Stimmenwirrwarr. Kurz vor dem Start des BZ-Firmenlaufs. Es herrscht eine ganz besondere, nur schwer zu beschreibende Atmosphäre, ein Flair, irgendwo zwischen Basislager und Open-Air-Konzert. Nur mit dem Unterschied, dass für das eine schwindelerregende Bergmassive fehlen und für das andere, zumindest jetzt zu Beginn, laute Rockmusik.

Es ist kur vor 19 Uhr. Der Platz des Reha-Zentrums Hess ist bereits ordentlich gefüllt, die aufgestellten Bierbänke gut frequentiert. Teams von namhaften Unternehmen wie beispielsweise Dürr, Valeo, Hofmeister treffen sich an den Tischen – alle sind sie dabei, um mitzumachen. Die meteorologischen Rahmenbedingungen stimmen ebenfalls – es ist mit rund 25 Grad nicht allzu heiß, also auf jeden Fall besser als der Platzregen am Vortag oder die Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke, die wir ja auch dieses Jahr schon hatten.

Beste Rahmenbedingungen

„Ich bin froh, dass es nicht ganz so schwül wie im vergangenen Jahr ist“, zeigt sich Claudia Krause erleichtert und nimmt noch einen Schluck aus der Mineralwasserflasche. Dieses Mal wird sie zum ersten Mal mitlaufen, seither war sie immer nur dabei, um ihre Kollegen der „Haircare Group“ der Unternehmensgruppe Basler-Beauty anzufeuern. „Jetzt aber werde ich mit meiner Spaziergruppe mitlaufen“, lacht sie, denn eigentlich wollte sie ihre Kolleginnen und Kollegen zum strammen Mitlaufen animieren, doch es hagelte Ausreden: „Die einen sagten, sie seien erst krank gewesen und müssten sich schonen, hätten an diesem Tag keine Zeit oder aber die Kondition reiche hinten und vorn nicht“. Daher also die eigens dafür von ihr ins Leben gerufene „Spaziergruppe“.

Das Team der Unternehmensgruppe Basler-Beauty, erzählt Krauses Kollegin Bettina Schlotterbeck, sei von Anfang an dabei gewesen beim BZ-Firmenlauf, „und auch ich habe bislang jedes Mal mitgemacht“. Nur im vergangenen Jahr hatte es nicht geklappt, „da war ich im Urlaub.“ Ob nun gut vorbereitete Freizeitsportlerin wie Prokuristin Elke Melzer – „ich hoffe, dieses Mal unter 35 Minuten zu kommen“ –, die pro Woche mindestens einmal läuft und zwei Mal im Sattel ihres Fahrrades die Kilometer runterrockt, ob weniger sportaffine „Sofahocker“ oder eben als medioker ausdauernde „Mitläufer“, die einfach nur Spaß haben wollen und auch das eine oder andere Seitenstechen nicht scheuen, der Firmenlauf bietet ein Forum für all jene, die einfach Gemeinschaft genießen wollen.

„Genau das ist der Sinn der Sache“, sagt Claudia Krause, die seit 40 Jahren in der Basler-Gruppe arbeitet: „Wir sehen uns zwar unterm Tag auf Arbeit, aber wollen diesen Kontakt auch immer wieder einmal außerhalb unserer Arbeitsplätze pflegen. Da sind wirklich alle Kollegen dabei, von der Putzfrau bis zum Management, vom einfachen Lageristen bis hin zum Buchhalter“, erzählt Krause. Versand, Dispo, Produktion, keine Abteilung fehle, wenn die Bietigheimer Zeitung zum Firmenlauf einlade.

Claudia Krause herzt Kollegin Karin Roder, die dieses Mal ebenfalls zum ersten Mal beim Lauf teilnimmt und auch zur eher dem gemächlichem Tempo tendierenden „Spaziergruppe“ gehört. Dem Anlass des Tages würdig, hat sie sich einen Strohhut aufgesetzt, verziert mit magentafarbenen Lockenwicklern.

„Bei uns sind alle fünf Unternehmenssparten mit von der Partie“, sagt Bettina Schlotterbeck, und einige der Kolleginnen und Kollegen davon sind wirklich sportlich ambitioniert.

Dürr stellt die größte Gruppe

Dies gilt auch für die anderen Teams, von denen die Firma Dürr die zahlenmäßig größte Gruppe aus den 1050 Freizeitsportlerinnen und -sportlern stellt – 171 tragen den Schriftzug des Bietigheimer Unternehmens, das sind mehr als zehn Prozent der Starter.

Weitere gute zehn Prozent sind es bei Valeo, welches 145 sportlich Ambitionierte für den Lauf gewinnen konnte. Doch was wären all die Ergebnisse ohne die vielen Gäste am Straßenrand? Diese klatschen, johlen, feuern an und halten Plakate und Transparente in die Luft, motivieren die Leute auf der Strecke und animieren jene, die einen kleinen „Durchhänger“ haben – und dies nicht nur bei den „eigenen“ Läufern, sondern, Fairness war Pflicht, bei allen.

Das Ziel dann (endlich) vor Augen, nähern sich ihm die wackeren Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die einen schnell, die anderen weniger flugs. Die einen mit dem starken Willen beseelt, das Vorjahresergebnis zu toppen, die anderen mit dem Vorsatz, einigermaßen im Ganzen die Ziellinie zu erreichen oder möglichst ohne Blessuren den Tag zu beschließen – am Ende der Mammut-Laufveranstaltung, als Party für alle angesagt ist.

 
 
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