Bietigheim-Bissinger hofft auf Unterstützung Rund 60 Prozent weniger Spenden

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Die Gründerin und Leiterin der Waisenhäuser, Daw Min Shwe (Mitte) wurde dieses Jahr 89 Jahre alt.⇥ Foto: „Pro Waisenhaus Süd-Ost-Asien“

Dr. Wassilios Amanatidis hat zwei Waisenhäuser in Myanmar aufgebaut. Normalerweise wäre jetzt die Zeit, in denen die Menschen dafür spenden, doch die Krise zeigt sich deutlich.

Für den ehemaligen Kinderarzt Wassilios Amanatidis ist es fast schon Tradition, beim Straßenfest in Bietigheim-Buch, beim Pferdemarkt oder auch beim Sternlesmarkt einen Stand zu haben, bei dem er selbst gestrickte Socken und handgemachte Holzteller verkauft. Dabei wandert das eingenommene Geld nicht in seine eigenen Taschen. Der Bietigheim-Bissinger spendet den kompletten Erlös an zwei Waisenhäuser in Kyauktan und Taunggyi in Myanmar. Doch dieses Jahr machte ihm, wie vielen anderen auch, die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung.

Hauptspendenzeit

„Leider hat die Pandemie diese Einnahmen verhindert“, sagt er zu den diversen ausgefallenen Festen und Veranstaltungen. Vor allem der Pferdemarkt sei eine große Stütze beim Sammeln von Spenden für die rund 180 in Myanmar lebenden Waisenkinder. Amanatidis verzeichnete in den letzten Wochen rund 60 Prozent weniger Spenden, als in den Jahren zuvor. Normalerweise erhalte er, die drei Märkte und Feste zusammengenommen, einen Betrag im fünfstelligen Bereich.

Doch nicht nur dafür seien die Verkaufsstände für den Verein „Pro Waisenhaus Süd-Ost-Asien“ gut. „Wenn ich in Bietigheim-Bissingen stehe, sehen mich die Menschen“, sagt der Stadtrat. Durch diese Werbung werden sie auf die Waisenhäuser und Amanatidis’ Einsatz dort aufmerksam. So habe er die letzten Jahre eine Handvoll neue Unterstützer gewinnen können, dieses Jahr keinen einzigen.

November bis Januar sei der Zeitraum, in dem der Verein die meisten Spendengelder erhalte. „Wir werden dieses Jahr ein Drittel oder sogar die Hälfte weniger erhalten“, fasst der 81-Jährige bereits jetzt ein ernüchterndes Fazit. Er habe Verständnis für die missliche Lage in Deutschland, doch wisse er aus eigener Erfahrung, dass es den Kindern in Myanmar deutlich schlechter gehe.

Mit den Waisenhäusern könne er helfen, ist er überzeugt. Amanatidis fliegt normalerweise jedes Jahr nach Myanmar und schaut nach dem Rechten, doch dieses Jahr musste er seine Reise dreimal verschieben und letztlich komplett stornieren. „Ich vermisse die Kinder und sie vermissen ihren Opa“, so nennen ihn die Kinder in den Waisenhäusern. In einem Brief der 89-jährigen Gründerin und Leiterin der Waisenhäuser, Daw Min Shwe, beschreibt sie, wie die Kinder nach ihm fragen und ihn vermissen. „Sie wollen mit Opa Ball spielen.“

Für „seine Kinder“ würde Wassilios Amanatidis sein letztes Hemd geben. „Solange sie Hilfe benötigen, werde ich weitermachen“, sagt er auch im Hinblick auf das geringe Spendenaufkommen in Pandemie-Zeiten. Er hofft auf Freunde, Bekannte und seine Stammspender, die den Verein jedes Jahr finanziell unterstützen, sagt der Vereinsvorsitzende.

Doch der 81-Jährige hat Hoffnung. Seit Jahren setzt er darauf, dass sich die Waisenhäuser auch selbst versorgen können. „Bis zu 60 Prozent der benötigten Nahrungsmittel können sie durch Ackerbau und Viehzucht selbst erwirtschaften.“ Doch Schul- und Studiengebühren werden durch Spenden finanziert. „Wir haben aktuell zwölf Studenten“, sagt der ehemalige Kinderarzt stolz. Vom Staat können die Kinder jedoch keine Hilfe erwarten.

Positive Nachrichten gebe es dennoch: „Wir haben keinen Corona-Fall“, berichtet Amanatidis. Das liege auch daran, dass die Region, in denen die beiden Waisenhäuser sind recht dünn besiedelt sind. Allerdings, so der Vorsitzende, werden in dem Land auch nur wenige Tests gemacht. „In den Waisenhäusern beugen sie so weit als möglich vor.“

In einer E-Mail der dortigen Heimleitung schreibt diese: „Wir hoffen auf das Beste und bereiten uns auf das Schlimmste vor.“ Doch im restlichen Land sehe es anders aus, wie ein Brief der Heimleiterin preisgibt. „Die erste Covid-19-Welle ist immer noch da.“ Es sei unmöglich einzuschätzen, wie viele sich bereits mit dem Virus infiziert haben, geschweige denn, wann es vorbei sein werde. Das Ziel sei jedoch immer, den dort lebenden Kindern ein schönes Leben zu ermöglichen, sie erhalten ausgewogene Ernährung und haben genügend Spielmöglichkeiten, berichtet der 81-Jährige, der zahlreiche E-Mails erhält, die das bestätigen. So hofft er, dass er noch lange seine Engagement fortsetzen kann.

Info Ende der 1970er-Jahre gründeten drei Schwestern ein Waisenhaus. Mittlerweile sind es zwei Waisenhäuser und leider zwei Schwestern verstorben. Die 89-Jährige Daw Min Shwe leitet die Heime seit ihrer Gründung. Im Jahr 2002 gründete Dr. Wassilios Amanatidis den Verein „Pro Waisenhaus Süd-Ost-Asien“ und sammelt seither für Hilfslieferungen an Waisenkinder in Myanmar. Bis heute ist er für den Aufbau und Erhalt der Waisenhäuser tätig. Informationen zu seinem Engagement und zum Verein gibt es telefonisch unter (07142) 3 25 57 sowie per E-Mail an $(LEmailto:w.amanatidis@t-online.de:w.amanatidis@t-online.de)$.

 
 
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