Bietigheim-Bissinger stellt in Ludwigsburg aus Nach 22 Jahren erneute Korrespondenz zweier Künstler

Von Gabriele Szczegulski
Vor 22 Jahren, unter dem Eindruck des Attentats auf das World Trade Center in New York konzipierten Frederick D. Bunsen und Dieter Kränzlein eine Ausstellung in der Karlskaserne und nun wollen sie dieses Kunstaufeinandertreffen wiederholen. Foto: /Martin Kalb

Kurz nach dem Attentat auf das World Trade Center in New York 2001 stellten Frederick D. Bunsen und der Bietigheim-Bissinger Dieter Kränzlein in der Karlskaserne aus. Mit der Ausstellung „22 years after“ erinnern die Künstlerfreunde daran.

Plötzlich war die Welt eine andere“, sagt der Bietigheim-Bissinger Künstler Dieter Kränzlein.  Am 11. September 2001 gab es einen islamistischen Anschlag auf das World Trade Center, bei dem Tausende Menschen starben. Am 6. September 2001 hatten Kränzlein und sein Künstlerfreund, der in Ammerbuch lebende Deutsch-Amerikaner Frederick D. Bunsen, in Portland (USA) eine Gemeinschaftsausstellung beendet, die danach in der Karlskaserne in Ludwigsburg gezeigt werden sollte. Kränzlein und Bunsen kamen heil in Deutschland an, ihre Werke nicht, sie waren verschollen.

Aus dem Nichts musste eine neue Ausstellung kreiert werden

Aus dem Nichts und unter dem Eindruck des schlimmen Attentats musste Kränzlein und Bunsen damals eine ganz neue Ausstellung kreieren. „Wir haben das Ereignis noch unter Schock intuitiv verarbeitet“, sagt Kränzlein. Ein Ascheboden und die Reithalle als sakraler Raum mit Altarbild, Seitenschiffen und Hauptraum schufen sie.

Diese Elemente behielten die beiden Künstlerfreunde, die sich seit den 1990er-Jahren kennen, auch für die Ausstellung „22 years after“ in der Reithalle der Karlskaserne bei. „Nur sind eben 22 Jahre vergangen, wir, unsere Kunst und die Welt haben sich verändert“, sagt Kränzlein. Erneut hinterfragen sie, wie damals, mit ihren ganz typischen künstlerischen Handschriften, wie politische, gesellschaftliche und persönliche Veränderungen den Kunstprozess beeinflussen.

„Die jetzige Ausstellung ist heller, entspannter, nicht so gespannt und düster oder bedrückend als die damalige“, so Frederick Bunsen, der den Boden der Reithalle mit selbst gesammelter Holzasche bestreute wie vor 22 Jahren. „Es sind die Gegensätze wie Spannung und Entspannung, Helligkeit und Dunkelheit, die die Kunst zu einer Korrespondenz miteinander und mit der Welt machen“, so Bunsen. „Künstler wie Leon Löwentraut machen Events aus der Kunst, auch das muss es geben. Wichtig ist aber, eine Position als Künstler mit seiner Kunst in der Gesellschaft einzunehmen“, sagt Kränzlein. Die systemischen Unterschiede in ihrem Werk führen zu einer gegenseitigen Korrespondenz, die im Ganzen eine Beobachtung der Welt ist. „Das ist die Aufgabe des Künstlers, genau zu beobachten und Inhalte zu sehen“, sagt Bunsen.

Im Eingangsbereich zur Ausstellung sind diese Positionen im jeweiligen Duktus von Kränzlein und Bunsen zu sehen, stehen unkommentiert nebeneinander und harmonieren doch. Ein in Marmor mit der Flex geschnittener Turm von Kränzlein steht vor schwarz-weißen Gemälden in Bunsens typischer Handschrift. Die gerade Säule ist eine Reminiszenz an Türme, die so leicht zu kippen sind, auch wenn sie aus hartem Marmor sind. Striche wirbeln in Bunsens Gemälden durcheinander, bilden neue Formen. Immer wieder verfällt die Welt in Chaos, Wirbel kommen und gehen.

Die Hauptinstallation aber ist der große Raum, wieder wie ein Kirchenraum gestaltet. Kränzlein präsentiert Werke, die alle Formen zeigen, die in seinen Arbeiten vorkommen. Wichtigste Form ist für ihn hierin die Eiform, Grundlage allen Lebens.

In der Mitte liegt eine Platteninstallation von Kränzlein auf dem Boden. 16 Platten bilden den Ground Zero, das was von Nine Eleven übrig blieb, könnte man meinen. Und Bunsen schuf aus zwölf Schichten Acryl- und Pastellfarben ein großes Altarbild, das die Schichten des Lebens darstellt. Der kreative Prozess ist zu spüren, dem sich die beiden Künstlerfreunde 22 Jahre später wieder stellen.

 
 
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