Weihnachtsgeschenke gibt’s erst in zwei Wochen, aber in der Haushaltsdebatte des Bietigheim-Bissinger Gemeinderats sorgten günstige Nachrichten, das Bietigheimer Krankenhaus betreffend, bereits am Dienstagabend für Freude. „Vor Jahresfrist hatten wir große Sorge, ob der Standort Bietigheim überhaupt eine realistische Überlebenschance hat“, sagte CDU-Fraktionschef Axel Westram in seiner Rede, nun habe die Landesregierung dem Standort alle die Leistungsgruppen zur Genehmigung empfohlen, die für die Zulassung zur sogenannten „Erweiterten Notfallversorgung“ nach Stufe 2 der Notfallplanung erforderlich seien. Stufe 2 (von drei Stufen) bedeutet, dass ein Krankenhaus eine breitere Palette von Notfällen versorgen kann als ein Basis-Krankenhaus, mit mehr Fachabteilungen und besserer Ausstattung für Intensivmedizin und Notfalldiagnostik (siehe Infokasten).
Bietigheim RKH-Kliniken wollen wieder ins Krankenhaus investieren
Der hiesige Standort soll alle Leistungsgruppen der „Erweiterten Notfallversorgung“ erhalten, auch ein Herzkatheterlabor ist geplant.
Standort wird ausgebaut
Sichtbar wird das an der Unternehmensplanung 2026 der RKH-Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH, die in Kürze im Kreistag und im Bietigheim-Bissinger Gemeinderat beschlossen werden soll. Für das Bietigheimer Krankenhaus war aufgrund der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Krankenhausreform wie berichtet die Umsetzung des bestehenden Neubaukonzepts gestoppt worden. Nun heißt es im Unternehmensplan, dass in einem Strategieprozess der Bedarf konkretisiert worden sei und Maßnahmen „zur Stärkung und zum Ausbau des Standortes“ kurzfristig umgesetzt werden sollen.
Das beinhaltet zum einen den gezielten Ausbau einer interventionellen Kardiologie mit Herzkatheterlabor, um die Anforderungen der Notfallversorgung gemäß Stufe 2 zu erfüllen. Im Jahr 2024, als Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dem Bietigheimer Krankenhaus die neuartige Herz-Lungen-Maschine „Carl“ spenden wollte, war noch argumentiert worden, ein Herzkatheterlabor mache für Bietigheim keinen Sinn. Jetzt sieht der Unternehmensplan für das kommende Jahr vor, ein solches Herzkatheterlabor zügig einzurichten. 4,2 Millionen Euro sind dafür eingeplant.
9,7 Millionen für Sanierung
Weiter sollen 9,7 Millionen Euro in die Sanierung von zwei Stationen investiert werden, auch im Hinblick auf die Aufnahme der Tagesklinik aus Marbach im Zuge der Vermarktung der dortigen Liegenschaft. Die Rede ist von den Stationen 0.A und 1.A. Klinikensprecher Christoph Schmale erklärt dazu auf BZ-Anfrage: „Aktuell werden zwei Stationen nicht in der direkten Patientenversorgung genutzt. Ziel ist es, alle verfügbaren Betten am Standort wieder in Betrieb zu nehmen.“ Daher sei im Unternehmensplan auch eine mögliche Sanierung der beiden Stationen aufgenommen worden. „Welche baulichen Maßnahmen hierfür erforderlich sind, wird aktuell noch geprüft“, so Schmale. Laut Unternehmensplan wollen die RKH-Kliniken zudem in die Planung für eine Umstrukturierung der Zentralen Notaufnahme einsteigen. Diese „ist baulich der Anzahl an Patienten nicht mehr gewachsen“, heißt es dazu.
Eine Notfallversorgung mit Herzkatheter vor Ort zu haben, „ist für uns alle ein wichtiges Plus im Ernstfall“, bewertete SPD-Fraktionschef Thomas Reusch-Frey im Gemeinderat die Pläne. Das Krankenhaus habe nun eine Zukunft. Ute Epple (Freie Wähler) und Götz Noller (FDP) hoben hervor, dass im Kreis an allen drei Krankenhausstandorten (Ludwigsburg, Bietigheim und Markgröningen) festgehalten werden soll.
Reusch-Frey rief aber zugleich dazu auf, bei „aller Aufbruchstimmung“ am Boden zu bleiben. „An erster Stelle steht doch, dass wir die gute medizinische Versorgung sichern und gleichzeitig das hohe Defizit auf eine schwarze Null zurückführen. Wenn das nicht gelingt, drohen alle schönen Zukunftspläne ins Leere zu laufen“, sagte er.
Defizit wird geringer
Noller wies darauf hin, dass sich das Defizit der Kliniken im Kreis von 48 Millionen Euro 2024 auf 44 Millionen Euro 2025 verringern soll. Im Unternehmensplan für 2026 wird mit einem Minus von 34 Millionen Euro gerechnet, davon fallen vier Millionen im Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen an. „Der Konsolidierungs- und Sanierungskurs der neuen Geschäftsführung scheint zu wirken und es bleibt zu hoffen, dass die RKH-Kliniken bis zum Ende des Jahrzehnts wieder zumindest eine schwarze Null schreiben werden“, kommentierte Stadtrat Noller.
Der CDU-Vorschlag, zu prüfen, ob der bisherige Standort des Krankenhauses dauerhaft erhalten werden soll und die Investitionen in den Baukörper wirtschaftlich sinnvoll seien oder ob alternativ ein Neubau auf einer anderen Fläche im Stadtgebiet zu bevorzugen wäre, soll wie berichtet Thema in den Beratungen der Gremien der Kliniken gGmbH sein. „Das läuft schon“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing in der Sitzung.
Kessing hatte es bereits bei der Haushaltseinbringung als sehr wichtig „für eine hochwertige und zeitnahe Gesundheitsversorgung im Landkreis“ bezeichnet, „dass der Krankenhausstandort Bietigheim-Bissingen dauerhaft zur Sicherung der bestmöglichen Daseinsvorsorge bestehen bleibt“.
Stichwort: Erweiterte Notfallversorgung
Für die erweiterte
Notfallversorgung nach G-BA-2 sind laut Klinikensprecher Christoph Schmale unter anderem bestimmte Fachabteilungen notwendig, nämlich mindestens zwei internistische und zwei chirurgische. Außerdem Intensivmedizin sowie Notfallaufnahme mit Schockraum, Bildgebung (CT/MRT) und Labordiagnostik. „Eine weitere Voraussetzung ist die kontinuierliche Möglichkeit der sogenannten perkutanen koronaren Intervention (PCI), die wir mit dem neuen Herzkatheterlabor schaffen werden“, so Schmale.
