Bietigheim schlägt Bergen in der European League deutlich SG BBM feiert Schützenfest auf europäischer Bühne

Von Sebastian Klaus
Ein tolles Spiel machte Bietigheims Stine Jörgensen. Die Rückraum-Shooterin netzte beim Kantersieg der SG BBM sechs Mal ein.⇥ Foto: Marco Wolf via www.imago-images.de

Der Bundesligist aus Bietigheim überrollt beim 39:18 im Hinspiel der dritten Runde der European League das völlig überforderte Tertnes Bergen.

Eigentlich hätte nur ein einziger Blick in die Gesichter der jungen Spielerinnen von Tertnes Bergen genügen können, um den Ausgang der Begegnung vorherzusagen. Da war Nervosität und Anspannung zu sehen, kurz bevor die Drittrunden-Partie in der European League zwischen dem Deutschen Pokalsieger SG BBM Bietigheim und dem norwegischen Vertreter angepfiffen wurde und die Gäste ihre Blicke durch die mit nur 515 Zuschauern besetzten Sitzreihen der Ludwigsburger MHP-Arena schweifen ließen. Eine ganze Menge Nervosität, die die Norwegerinnen auch während der gesamten 60 Minuten nicht ablegen konnten.

Bietigheimer Bollwerk

Denn das eigentlich als Spitzenspiel auf internationalem Parkett gedachte Aufeinandertreffen wirkte eher so, als würde eine B-Jugendmannschaft auf dem Schulausflug auf den amtierenden Weltmeister treffen. Die Norwegerinnen prallten immer wieder an dem Bietigheimer Abwehrbollwerk ab und leisteten sich Ballverluste noch und nöcher, die die SG BBM in leichte Tore ummünzte. 5:1 stand es nach einer noch verhaltenen Anfangsphase nach 10 Minuten, bereits 16:2 nach derer 20. Da Bergen schon früh auf den siebten Feldspieler setzte und von dieser Taktik auch nicht abwich, nachdem unter anderen Danick Snelder, Veronika Mala und sogar Bietigheims Torhüterin Melinda Szikora ins leere Gehäuse getroffen hatten, war das Spiel beim Stand von 22:7 zur Halbzeit bereits gelaufen. Die Gastgeberinnen feierten dennoch jedes Tor. Besonders bejubelt wurde der erste Treffer von Stine Jörgensen, die nach der Geburt ihrer Zwillinge langsam wieder mehr Spielanteile bekommt und ab der 17. Minute für Kelly Dulfer auf Halblinks auf der Platte stand.

Auch im zweiten Durchgang wirkte es so, als wolle der Vizemeister mit aller Macht an diesem Nachmittag die magische 40-Tore-Marke knacken (Spoiler: Dies wurde knapp verpasst!) Vier Tore in Serie zum 26:7, darunter zwei der frisch aufs Parkett gekommenen Karolina Kudlacz-Gloc, bewiesen dies eindrucksvoll. Die auch körperlich völlig unterlegenen Gäste sahen einfach kein Land. Vor allem Stine Jörgensen fand nach der Schwangerschaftspause ihren Torhunger wieder. Die Dänin traf in Hälfte zwei gegen viel zu tief stehende Norwegerinnen immer wieder aus dem Rückraum. Auf sechs Tore brachte es Jörgensen, bevor sich auf ihrer Position wieder Inger Smits und Kelly Dulfer versuchen durften. Eben jene Inger Smits, die sonst weitgehend geschont wurde, traf nach 52. Minuten zum 36:11. Minuten zuvor hatte Antje Lauenroth nach feinem Anspiel von Kim Naidzinavicius per Kempa das Tor des Tages erzielt.

Wie so oft in solch einseitigen Partien ließ beim Favoriten in den Schlussminuten ein wenig die Konzentration nach, sodass Tertnes beim 39:18 etwas Ergebniskosmetik betreiben konnte. Für das Rückspiel am kommenden Sonntag in Bergen wird das allerdings nicht mehr reichen. Der Einzug in die EHF-Gruppenphase dürfte der Sieben von Trainer Markus Gaugisch nicht mehr zu nehmen sein.

„In Deutschland wird meist sehr defensiv in der Abwehr gespielt. Wir wollten aber aktiver spielen und denen die Bälle klauen. Es ist schön anzusehen, wenn es klappt“, freute sich Gaugisch nicht nur über das Ergebnis, sondern auch über die Spielweise seiner Mannschaft.

 
 
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