Bietigheim schlägt Oldenburg beim Wiederauftakt Junge Garde darf sich beweisen

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Nele Reimer nutzte ihre Bewährungschance und erzielte vier Tore. Hier stellt sich ihr Kathrin Pichlmeier entgegen. ⇥ Foto: Marco Wolf

Die personell dezimierte SG BBM besiegt Oldenburg mit 32:27. Patorra und Probst sammeln Bundesliga-Praxis.

„Jugend forsch(t)“ lautete beim ersten Bundesliga-Spiel der SG BBM Bietigheim nach der EM-Pause das Motto. Beim 32:27-Heimsieg gegen den VfL Oldenburg setzte Trainer Markus Gaugisch am Sonntagabend mehr als üblich seine jüngeren Kräfte ein – notgedrungen. Denn aus dem etatmäßigen Kader fehlten ihm gleich fünf (Ex-)Nationalspielerinnen mit Topniveau: Anna Loerper (Muskelfaserriss in der Wade), Luisa Schulze (Erkältung), Kim Braun (nach Schulterverletzung noch nicht bei 100 Prozent), die Dänin Stine Jörgensen (Schwangerschaft) sowie die langzeitverletzte Polin Karolina Kudlacz- Gloc – und mit ihnen die Erfahrung aus gut 700 Länderspielen, wie Gaugisch mathematisch korrekt hochgerechnet hatte.

Die vielen Ausfälle brachten Nele Reimer und Leonie Patorra ins Geschäft. Das Duo spielte bei seiner Bewährungschance unbekümmert auf und sorgte in der Viadukthalle für ein halbes Dutzend SG-Treffer – Reimer war viermal erfolgreich, Patorra zweimal. „Leo und Nele haben in den letzten drei Wochen das individuelle Training sehr gut genutzt. Die beiden haben heute sehr gut gespielt, obwohl sie bisher noch nicht so viel Erfahrung gesammelt haben“, lobte Gaugisch die Rückraum-Kräfte für ihren forschen Auftritt. In der Schlussphase verhalf der Coach sogar noch der 16-jährigen Linksaußen Magdalena Probst zum Erstliga-Debüt. Auch die gleichaltrige Matilda Ehlert stand erstmals im Kader der Profis. Sie kam allerdings (noch) nicht zum Einsatz.

Vor allem in der ersten Hälfte tat sich die SG BBM schwer gegen den aufmüpfigen Gegner aus Oldenburg, der mit einer noch wesentlich jüngeren Truppe angereist war. Beim VfL zeigte sich Top-Torjägerin Merle Carstensen gewohnt durchschlagskräftig – sie hatte am Ende elf Tore, darunter sechs per Siebenmeter, in der Statistik stehen. Bietigheims Kapitänin Kim Naidzinavicius verbuchte ebenfalls eine optimale Trefferquote. Die 29-jährige Spielmacherin war mit acht Toren die beste Vollstreckerin beim Gastgeber und verwandelte auch alle fünf Strafwürfe souverän. Es hatte den Anschein, als ob sich da jemand den EM-Frust von der Seele ballern wollte.

Nach einer hart erkämpften 16:14-Pausenführung und Kathrin Pichlmeiers Siebenmeter-Anschlusstor zum 15:16 (31.) reichten dem Favoriten fünf herausragende Minuten, um mit einem 6:0-Lauf zum 22:15 die Weichen auf Sieg zu stellen. Der Außenseiter aus Niedersachsen wehrte sich zwar auch danach verbissen, kam aber nicht mehr näher als auf vier Tore heran. Unterm Strich stand ein glanzloser 32:27-Pflicht­erfolg der Enztälerinnen. Dieser war umso wichtiger, da auch der Titelrivale und Spitzenreiter Borussia Dortmund zuvor beim Thüringer HC keine Federn gelassen hatte – der BVB setzte sich mit 36:30 durch und gewann somit auch sein achtes Saisonduell.

Technische Fehler als Makel

„Es ist schön, mit Bietigheim jetzt wieder anzugreifen. Das war ein guter Start nach der EM, auch wenn wir mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden sind. Unser Sieg hätte deutlicher ausfallen müssen“, kommentierte die deutsche Nationalspielerin Antje Lauenroth den Wiederauftakt und verwies auf die vielen technischen Fehler, die das Heimteam in den 60 Minuten fabriziert hatte. Ein Makel, den auch Gaugisch seinen Schützlingen ankreidete.

Bereits vor dem Anpfiff hatte Sportdirektor Gerit Winnen die frischgebackene Europameisterin Emily Sando geehrt und ihr ein Wein-Präsent überreicht. Die 31-jährige Norwegerin wechselte sich im SG-Gehäuse mit Valentyna Salamakha ab, doch beide hatten nicht ihren besten Tag erwischt: Gemeinsam zeigten sie nur fünf Paraden. Zum letzten Geisterspiel im Jahr 2020 treten die Bietigheimerinnen nun am Mittwoch (19 Uhr) bei den Handball-Luchsen Buchholz 08-Rosengarten an.

 
 
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