Bietigheim Steelers Alexander Preibisch im Interview

Von Andreas Eberle
Alexander „Speedy“ Preibisch ist einer der schnellsten DEL-Profis. Am Dienstag wählte das Bietigheimer Team den 31-jährigen Stürmer wieder zum Assistenzkapitän. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der alte und neue Assistenzkapitän Alexander Preibisch ist sich sicher, dass die Bietigheim Steelers auch in dieser DEL-Saison wieder konkurrenzfähig und schwer einzuschätzen sind.

Alexander „Speedy“ Preibisch zählt zu den dienstältesten Profis der Bietigheim Steelers und den Leitfiguren im DEL-Team. Am Dienstag wählten die Mitspieler den 31-jährigen Stürmer erneut zum Assistenzkapitän. Im BZ-Interview spricht Preibisch über die Rolle als Underdog, die Stimmung in der Mannschaft und seine persönlichen Rituale.

Coach Daniel Naud hat neulich gesagt, dass Sie mit Neuzugang Chris Wilkie nun einen Rivalen um den Status schnellster Spieler im Team haben. Haben Sie beide schon ein Wettrennen auf dem Eis gemacht?

Alexander Preibisch: Nein, dazu hatten wir bisher leider keine Chance. Wir hatten in den vergangenen Wochen so viele Spiele, die volle Konzentration galt der Vorbereitung. Aber in den anstehenden Saisonspielen kann Chris jetzt mal zeigen, wie schnell er ist. Ich glaube, dass ich noch ein bisschen schneller bin (lacht).

Die Leistungen in den Testspielen waren durchwachsen. Müssen sich die Fans Sorgen machen?

Nein. Auch in der letzten Saison war unsere Vorbereitung nicht das Gelbe vom Ei. Die Ergebnisse in den Testspielen haben nicht viel zu heißen. Da nehmen sich manche ein bisschen zurück und machen einen Schritt weniger, den sie dann in der Runde machen. Ab Freitag in Bremerhaven zählt’s. Erst von da sollten wir alle gemessen werden. In den ersten sieben, acht DEL-Spielen warten gleich richtige Brocken auf uns. Das sind die ersten Bewährungsproben. Da wird sich zeigen, was wir draufhaben.

Nennen Sie drei Gründe, warum das Team wieder konkurrenzfähig ist...

Erstens: Wir sind eine Einheit. Zweitens: Wir kämpfen füreinander. Und drittens: Den Fehler, den der eine begeht, macht der andere sofort wieder wett.

Dennoch gelten die Steelers als Abstiegskandidat Nummer eins, auch Ihr Trainer verweist stets auf die Rolle als Underdog. Wie gehen Sie als Spieler damit um?

Wir wissen alle, dass wir das kleinste Budget der Liga haben und darum nicht unbedingt die besten und teuersten Spieler verpflichten können. Wir müssen mit dem Material arbeiten, das wir haben, und das Beste daraus machen. Wie in der vergangenen Saison sind wir wieder eine Überraschungstüte und unberechenbar. Kein Gegner weiß, was er gegen uns zu erwarten hat. Das ist auch diesmal unser größter Vorteil.

Wenn die Erwartungen intern und im Umfeld so gering sind, kann die Mannschaft ja eigentlich nur positiv überraschen.

Genauso ist es. Von uns kann niemand erwarten, dass wir die Playoffs schaffen. Das Wichtigste ist, dass wir nicht absteigen. Alles andere ist ein Bonus. Der Kampf um den Klassenerhalt wird in dieser Runde noch härter als in der Vorsaison. Wenn du mit einem kleinen Budget die Liga hältst, bekommst du vielleicht irgendwann mal mehr Budget – und dann kann man auch mal über größere Ziele reden als nur den Nichtabstieg.

Wer soll nach dem Weggang von Superstar Riley Sheen nun die Tore für den Klassenerhalt schießen?

Das wird eine Kollektivaufgabe. Ich denke, wir haben in dieser Saison keinen Spieler, der sich so ins Rampenlicht spielen wird wie Riley dies in den vergangenen beiden Spielzeiten getan hat. Wir müssen als Team mehr Tore schießen – und damit fangen wir am besten gleich am Freitag an.

Haben Sie sich persönlich eine bestimme Trefferzahl vorgenommen?

Nein, gar nicht. Ich möchte die Saison verletzungsfrei überstehen und dem Team so viel helfen wie möglich. Ob das nun mit Toren oder Vorlagen ist, ist mir egal. Und selbst wenn ich nur in Unterzahl spiele, werde ich glücklich sein, wenn wir dann kein Gegentor kassieren. Hauptsache, wir können am Saisonende den Klassenerhalt feiern. Ich nehme mir jedes Jahr vor, besser zu sein als in der Saison zuvor. Meine letzte Runde war schon ziemlich gut. Wenn ich genauso viele Punkte machen würde und dazu noch meine Plus-Minus-Statistik verbessern könnte, wäre ich sehr zufrieden.

Welchen Eindruck haben Sie von den Neuzugängen, speziell von den sechs Kontingentspielern?

Bis auf Mathew Maione hat von ihnen noch keiner in der DEL gespielt. Für fast alle ist die Liga also Neuland. Ich habe bisher einen guten Eindruck gewonnen. Die Jungs arbeiten hart. Natürlich mussten sie sich erst an das neue System und auch an uns alle gewöhnen. Positiv überrascht bin ich von allen Neuzugängen menschlich. Wir haben uns von Tag eins super verstanden, im Team herrscht eine gute Harmonie. Ich bin gespannt, was die Jungs jetzt während der Saison zeigen. Erst dann kann man sagen, ob es gute Verpflichtungen waren oder nicht.

Hat es in der Vorbereitung auch Teambuilding-Maßnahmen gegeben?

In Österreich waren wir zum Beispiel beim Canyoning. Wir haben auch sonst unter der Woche viel gemacht, waren gemeinsam essen, haben den neuen Jungs die Städte in der Region gezeigt – Bietigheim, Ludwigsburg, Stuttgart – und haben auch den einen oder anderen Abend miteinander verbracht. Es waren in letzter Zeit ja auch viele Feste, die man besuchen konnte. Da hat sich schon herauskristallisiert, dass die Chemie stimmt.

In der Saison 2022/23 gibt es bis zu zwei Absteiger. Mit welchen Klubs rechnen Sie im Tabellenkeller?

Zum jetzigen Zeitpunkt fällt eine Prognose noch schwer. Nach zehn Spielen kann ich dazu mehr sagen. Ich habe die Vorbereitung der anderen Teams nicht verfolgt. Wahrscheinlich werden sich die üblichen Verdächtigen wie Iserlohn oder Nürnberg wieder hinten einreihen. Schwenningen erwarte ich diesmal weiter vorne, weil die mit ,Harry’ Kreis einen richtig guten Trainer geholt und die Mannschaft deutlich verstärkt haben. Und Köln hat eigentlich immer ein Topteam, schafft es aber irgendwie nie, das Potenzial auszuschöpfen.

Und wer wird Meister?

Wie jedes Jahr sind Berlin, München und Mannheim die Favoriten. Wenn ich mich auf einen Verein festlegen müsste, würde ich auf die Eisbären tippen.

Sie sind seit 2017 ein Steeler. Was macht für Sie den Standort Bietigheim so besonders?

Mit vielen Jungs spiele ich schon seit Jahren zusammen. Auch außerhalb des Eishockeys habe ich mir hier eine Freundesbase aufgebaut. Meine Familie fühlt sich in der Region ebenfalls sehr wohl, mit dem Verein komme ich auch super klar. Ich bin jemand, der gerne bei einem Klub bleibt, solange es keine Schwierigkeiten gibt und alles zu 100 Prozent passt. Darum gab es in den letzten fünf Jahren auch keine Veranlassung, woanders hinzugehen.

Was bedeutet es Ihnen, auch in dieser Saison wieder als Assistenzkapitän aufzulaufen?

Natürlich ist es eine Ehre, das A zu tragen und den Rückhalt der Mannschaft zu spüren. Aber auch wenn ich nicht wiedergewählt worden wäre, hätte ich das Gleiche getan wie bisher. Ich hätte also weiterhin gesagt, was ich denke, und die Mannschaft genauso unterstützt wie bisher. Darum macht es für mich gar nicht so einen großen Unterschied.

Haben Sie vor einem Spiel ein bestimmtes Ritual?

Erst vor ein paar Jahren ist mir aufgefallen, dass ein Spieltag bei mir immer komplett durchgetaktet ist und ich da immer das Gleiche mache: Wann ich aufstehe, was ich beim Training mache oder nicht mache, wann ich esse und schlafe. Ich habe so viele Rituale. Das ist eigentlich komplett bescheuert. Gerade die letzten 30 Minuten in der Kabine, bevor es zum Warm-up aufs Eis geht, sind für mich wichtig: Ich fange an, mich umzuziehen, gehe aufs Klo, reibe mit Wärmesalbe die Oberschenkel ein, setze mich für fünf Minuten hin und gehe im Kopf noch mal den Gegner durch, ziehe mich vollends um. Und wenn ich irgendwas vergesse, weiß ich schon: Das wird heute nichts.

Zur Person

Seit der Saison 2017/18 stürmt Alexander Preibisch für die Bietigheim Steelers. 279 Mal lief der gebürtige Kölner bisher für die Schwaben auf und verbuchte 81 Tore und 83 Assists. 2009/10 und von 2012 bis 2017 stand Preibisch bei der Düsseldorfer EG unter Vertrag. Weitere Stationen waren der EHC Dortmund und der EV Duisburg. Neben „Preibo“ hat er wegen seiner Schnelligkeit noch einen zweiten Spitznamen: „Speedy“. Als sein Vorbild nennt Preibisch die NHL-Legende Alexander Ovechkin. Nach der Karriere strebt er einen Job bei der Polizei an. Der 1,74 Meter große Rechtsschütze wohnt mit Freundin Sabrina in Sachsenheim. Als Hobbys nennt er Wakeboarden und Fußball.

 
 
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