Bietigheim Steelers Außenseiter verlässt das Eis erhobenen Hauptes

Von Andreas Eberle
Die Steelers boten Red Bull München am Freitagabend einen großen Kampf. Hier bedrängt Bietigheims Verteidiger Mathew Maione den EHC-Stürmer Ben Street von hinten. Foto: Eibner Pressefoto/Heike Feiner

Die Bietigheim Steelers schlagen sich beim DEL-Spitzenreiter EHC Red Bull München achtbar und verlieren nur knapp mit 2:3. Stürmer Alexander Preibisch erzielt seinen ersten Saisontreffer.

Spitzenreiter gegen Schlusslicht, die beste Offensive gegen den schwächsten Angriff – bei so einer Ausgangslage ist in allen Sportarten dieser Welt ein klarer Favoritensieg programmiert. Umgekehrt gilt bereits ein knappes Ergebnis als Achtungserfolg für den Underdog. Insofern konnten die Bietigheim Steelers am Freitagabend nach der 2:3-Niederlage beim DEL-Klassenprimus EHC Red Bull München mit erhobenen Häuptern vom Feld der Olympia-Eishalle gehen. Die Gäste hatten sich tapfer geschlagen, das befürchtete Debakel trat nicht ein.

Die Steelers zeigten stattdessen einen klaren Aufwärtstrend. Die Abwehrleistung stimmte, vor allem der ins Tor zurückgekehrte Cody Brenner knüpfte nahtlos an die Galaauftritte bei seinen ersten vier Einsätzen an. Außerdem bewies das Team aus dem Ellental nach einem 0:2-Rückstand Charakter und glich bis zur zweiten Drittelpause aus. Und bei Alexander Preibisch platzte endlich der Knoten: Der Stürmer erzielte im achten Anlauf seinen ersten Saisontreffer. „Als Torwart in München drei Tore zu kassieren, ist ziemlich wenig. Aber wenn du selbst nur zwei Tore schießt, ist es schwierig, ein Spiel zu gewinnen“, legte Brenner, Bietigheims Bester, im Interview bei Magentasport den Finger in die Wunde.

Kein Schönheitspreis für den SCB

Zunächst lief vor den 2950 Zuschauern alles wie erwartet. Nach einem Traumpass von Julian Lutz schoss Justin Schütz den Favoriten in Front (14.). Doch schon im ersten Durchgang zeigten die Steelers dem EHC defensiv die Zähne, auch wenn vorne noch die Durchschlagskraft fehlte. „Wir passen gut auf, bisher sieht es recht gut aus, aber offensiv muss noch mehr gehen“, sagte SCB-Angreifer Benjamin Zientek im Pauseninterview und gab die Marschroute fürs Mitteldrittel vor: „Einen Schönheitspreis bekommen wir hier mit Sicherheit nicht. Wir müssen in der Offensive einfach spielen, Schüsse aufs Tor bringen – und dann geht vielleicht mal einer rein, gerne auch mit einem dreckigen Rebound.“

Genau so ein von Zientek erhoffter „dreckiger Rebound“ sorgte für den Bietigheimer 1:2-Anschlusstreffer: Nach einem Konter wehrte EHC-Keeper Danny aus den Birken einen Schuss von Mathew Maione zur Seite ab, und Teemu Lepaus setzte den Abpraller ins Netz (26.). Exakt 34 Sekunden vorher hatte Nationalstürmer Frederik Tiffels beim ersten Powerplay der Partie zugeschlagen und das Münchner 2:0 besorgt.

In der 35. Minute rieben sich die EHC-Fans dann erst recht die Augen: Nachdem Maximilian Kastner die Scheibe an der gegnerischen blauen Linie verdaddelt hatte, schickte Zientek Preibisch auf die Reise, und der pfeilschnelle Assistenzkapitän überwand aus den Birken mit einem Rückhandschuss – der 2:2-Ausgleich für den krassen Außenseiter. Bahnte sich hier eine Sensation an?

Am Sonntag kommt Augsburg

Im letzten Spielabschnitt attackierten die „Bullen“, die sich wohl in ihrer Ehre gekränkt fühlten, mit viel Wut im Bauch das Bietigheimer Gehäuse. Die Gäste hatten nun kaum mehr Gelegenheit zum Verschnaufen, Brenner stand unter Dauerfeuer. Das 3:2 schien nur eine Frage der Zeit – und es fiel in der 51. Minute: Jonathon Blum überwand den Steelers-Schlussmann im Nachstochern. Die Schwaben hatten im Angriff dagegen nichts mehr zu bieten. Keinen einzigen Torschuss wies die Statistik für die letzten 20 Minuten aus. „Das ist ziemlich schlecht“, sagte Brenner, wies aber auch auf die Qualität des Champions-League-Teilnehmers von der Isar hin: „München ist eine brutal starke Mannschaft.“ Am Sonntag (14 Uhr) wartet nun ein Gegner ähnlicher Kragenweite auf den SCB: Der Tabellen-13. Augsburger Panther gastiert zum Kellerduell im Ellental.

 
 
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