Bietigheim Steelers besiegen Kölner Haie Das Team der Stunde schlägt wieder zu

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Die Steelers-Profis Maximilian Renner (links) und Evan Jasper kämpfen gegen die Kölner Moritz Müller und Maximilian Kammerer (rechts) um die Scheibe. Foto: Ralf Poller/Avanti

Die Bietigheim Steelers bezwingen die Kölner Haie mit 4:3 und klettern auf Platz elf der DEL-Tabelle. Weiß ersetzt den grippekranken Stretch im Paradesturm und steuert zwei Scorerpunkte bei. Von Andreas Eberle

Die Bietigheim Steelers siegen sich weiter durch die Deutsche Eishockey- Liga (DEL). Das 4:3 am späten Mittwochabend gegen die Kölner Haie war der bereits fünfte Erfolg hintereinander. Der Lohn: Der Aufsteiger überholte die spielfreien Krefeld Pinguine sowie am Donnerstagabend auch noch die Augsburger Panther, die in Nürnberg mit 1:5 untergingen. Damit steht der SCB nun sogar auf Platz elf. Neuer Tabellenletzter sind die Iserlohn Roosters, die allerdings coronabedingt noch einige Spiele in der Hinterhand haben. 

Aittokallio steht wieder im Kasten

Pünktlich zum Geisterduell gegen Köln meldete sich Sami Aittokallio fit, hinter dessen Einsatz ein Fragezeichen gestanden hatte. Beim 5:4-Überraschungscoup am Sonntag in Berlin hatte sich der finnische Star-Torhüter nach dem ersten Drittel auswechseln lassen – weil er sich nicht gut gefühlt habe, wie der Verein anschließend bekannt gab. Dafür fehlte diesmal der US-Amerikaner C.J. Stretch. „Er hatte Grippe und Fieber. Ich glaube, dass er nächstes Spiel wieder dabei ist“, klärte Trainer Daniel Naud nach dem Duell auf.

Durch das Fehlen des US-Amerikaners war auch der zuletzt so überragende Bietigheimer Paradesturm gesprengt. Den vakanten Platz neben Top-Torjäger Riley Sheen und Evan Jasper übernahm Daniel Weiß – und der ersetzte Stretch nahezu eins zu eins und wartete mit einem Treffer sowie einer Vorlage auf. „,Weißi’ hat eine Eingewöhnungsphase gebraucht, ist dann aber immer besser geworden", lobte Naud den Angreifer.

Mit den vier Siegen hintereinander im Rücken legten die Steelers auch gegen den Traditionsklub vom Rhein selbstbewusst los. Bereits das erste Powerplay führte zum Erfolg: Der kanadische Altmeister Matt McKnight erzielte mit seinem siebten Saisontreffer das 1:0 (7.). Doch nur 90 Sekunden später bissen die Haie zurück: Nach einem Querpass von Maximilian Glötzl kam der Schwede Andreas Thuresson zum Schuss, und Jalen Smereck fälschte den Puck mit dem Schläger unhaltbar für Aittokallio zum Ausgleich ab – worauf der US-amerikanische Steelers-Verteidiger mehrfach wütend seinen Stock aufs Eis donnerte und ein nicht druckreifes Schimpfwort brüllte.

Smereck trifft mit einem Lupfer

Fortan erspielte sich Köln ein deutliches Chancenplus, aber Aittokallio hielt seine Mannschaft mit vielen Paraden in der Partie. In der 25. Minute war der 29-jährige Goalie aber erneut geschlagen, als KEC-Youngster Jan Luca Sennhenn die Scheibe zum 1:2 im langen Eck versenkte. Spektakulär war der zweite Bietigheimer Treffer: Der nach dem 1:1 noch so zornige Unglücksrabe Smereck zögerte mit seinem Schuss von der blauen Linie so lange, bis jede Menge Betrieb vor dem Gästekasten herrschte und dem tschechischen Torwart-Routinier Tomáš Pöpperle die Sicht versperrt war – und traf mit einem Lupfer zum 2:2 (32.). Einen Assist durfte sich auch Angreifer Valentin Busch gutschreiben lassen. Für den aus Wolfsburg gekommenen Neuzugang war es der erste Scorerpunkt beim vierten Einsatz im Steelers-Dress.

Sheen erzielt sein 28. Saisontor

Obwohl das Team des früheren NHL-Stars Uwe Krupp laut offizieller Statistik 56 Schüsse mehr als der SCB abfeuerte, jubelte am Ende der Favoritenschreck aus dem Ellental: Weiß besorgte die glückliche 3:2-Führung – just in dem Moment, als Kölns Sebastian Uvira nach einer Strafzeit wieder aufs Eis zurückkehrte (45.). Und als Sheen mit seinem 28. Saisontreffer sogar auf 4:2 erhöhte (51.), schien auch der nächste Favorit bezwungen. Die Haie bissen sich an der aufmerksamen Defensive der Schwaben und speziell an Aittokallio weiter die Zähne aus.

Nachdem Maximilian Kammerer in der Schlussminute bei Sechs gegen Vier ein feines Solo mit dem 3:4 gekrönt hatte, war im Bietigheimer Lager noch mal Zittern angesagt. Doch der SCB überstand die turbulenten letzten 57 Sekunden schadlos und tütete den fünften Sieg in Serie ein. Die kriselnden Kölner trotteten dagegen nach der fünften Pleite hintereinander enntäuscht vom Eis. Ihr starker Auftritt in der EgeTrans-Arena war unbelohnt geblieben. „Wir nehmen die Punkte gerne mit, aber ohne Sami wäre es heute sehr schwer gewesen“, gab Steelers-Coach Naud zu.

Stimmen zum Spiel

Uwe Krupp, Trainer der Kölner Haie: Bei uns überwiegt das Positive. Ich bin echt zufrieden mit der Art und Weise, wie wir heute gespielt haben und wie wir aufgetreten sind. Wir hatten dreimal so viele Schüsse wie Bietigheim. Das waren keine Schüsse von der roten Linie, sondern Riesen-Torchancen. Wir haben alles richtig gemacht bis auf eines – und das war, zum richtigen Zeitpunkt die Tore zu schießen. Das macht die Sache bitter. Die Energie der Mannschaft und die Moral waren super. Auf das Spiel können wir aufbauen.

Daniel Naud, Coach der Bietigheim Steelers: Wir müssen uns bei Sami für die drei Punkte bedanken. Er hat 60 Schüsse bekommen. Ohne ihn hätten wir heute die Punkte nicht geholt. Bei Fünf gegen Fünf war Köln klar besser. Aber wir haben einen Weg gefunden. Unsere Chancenauswertung und unser Powerplay waren gut.

Daniel Weiß, Steelers-Stürmer: Wir müssen den Ball flach halten, wir wissen, was uns noch bevorsteht. Als ich vor der Saison in die Kabine reingeguckt habe und uns spielen gesehen habe, wusste ich schon, dass wir eine gute Mannschaft haben. Wenn wir so weiterspielen, wird es schwer, uns zu schlagen.

 
 
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