Viel Tempo, schöner Spielfluss und ein knappes Spiel. Die erste Partie für die Bietigheim Steelers im neuen Jahr ist ein absolutes sportliches Schmankerl. Am Freitagabend gibt es gegen die Lausitzer Füchse zwar kein nachträgliches Tor-Feuerwerk nach Silvester, dafür aber Drama pur. Nach 60 Minuten ist nämlich beim 1:1 noch kein Sieger gefunden, so geht es in die Overtime. Dort bestimmt der SCB beinahe nach Belieben in den ersten zwei Minuten das Spielgeschehen, gleich mehrfach kommen die Bietigheimer durch Jack Dugan, Tim Schüle oder Cole Fonstad in Position.
Bietigheim Steelers Brett Kemp tütet den Extrapunkt ein
In der Verlängerung macht der Kanadier den Deckel drauf. Er erzielt nach einem herrlichen Solo das 2:1 gegen die Lausitzer Füchse und sorgt für den Auswärtssieg.
Am Ende ist es aber Brett Kemp, der dem Abend ein Ende bereitet. Der Kanadier gleitet wie das heiße Messer durch die Butter, vernascht die Füchse-Defensive und bleibt nach dem Solo auch vor Goalie Anthony Morrone eiskalt. Das 2:1 versetzt die mitgereisten Steelers-Fans in Ekstase, die mit dem Extrapunkt im Gepäck nach Hause fahren.
Schleppender Beginn der Gäste
Dabei merkt man den Schwaben zu Beginn des Spiels jedoch noch die müden Beine aus der siebenstündigen Busfahrt nach Weißwasser an. „Ausschlaggebend ist ein guter Start nach der langen Fahrt“, mahnt Coach Alexander Dück schon vor der Partie an. Ohne Marek Racuk und Mick Hochreither beim Auswärtsspiel starten die Steelers schwächer ins erste Drittel. Die Gastgeber bringen mit aggressivem Forechecking die Ellentäler immer wieder in die Bredouille und lassen sie in den Anfangsminuten kaum aus dem eigenen Drittel kommen. Doch mit Florian Mnich im Kasten hat der SCB einen sicheren Rückhalt, der es nie wirklich gefährlich werden lässt.
Stattdessen kommt der erste Warnschuss auf der Gegenseite, Pawel Dronia bekommt nach sechs Minuten einen Abpraller auf den Schläger, den setzt er dann aber aus der Distanz doch am Kasten vorbei. Bei den Füchsen ist es Clarke Breitkreuz, der Bruder des früheren Steeler-Stürmers Brett, der zur ersten guten Gelegenheit kommt. Der 34-Jährige ist nach rund einer Viertelstunde plötzlich frei durch und auf dem Weg zur Führung, die wird aber durch Mnich verhindert.
Ansonsten lassen beide Defensivreihen kaum etwas zu, SCB-Verteidiger Arne Uplegger sagt im Drittelpausen-Interview am Mikrofon bei sporteurope.tv: „Das erste Drittel war schon wie erwartet. Wir hatten am Anfang unsere Probleme, hinten rauszukommen, das ist aber normal bei einem Auswärtsspiel, zu dem wir sieben Stunden angereist sind.“
Zum zweiten Abschnitt scheinen die müden Knochen aber alle endgültig ausgeschüttelt. Tim Schüle sorgt kurz nach dem Drittel-Start auch direkt für das vermeintliche 1:0, der Verteidiger bekommt einen Rückpass von Filip Reisnecker an die blaue Linie und zieht ab. Der Puck schlägt im Netz ein, doch nach Videobeweis wird der Treffer zurückgenommen. Mike Fischer steht beim Schuss wohl im Torraumabseits: Eine harte, wenngleich vertretbare Entscheidung. Trotz des ausgebliebenen Führungstreffers bleibt die Schlagzahl bei Bietigheim hoch. Die Scheibe läuft gut, immer wieder versuchen es die Gäste mit Distanzschüssen und werden in Form von Dronia, Kemp oder Dugan immer wieder gefährlich.
Weißwasser gehen in Front
Und der Chancenwucher des SCB wird nach 28 Minuten auf ein Mal eiskalt bestraft. Entgegen des Momentums verlieren die Steelers an der eigenen blauen Linie die Scheibe, Tom Knobloch macht Dampf, legt vor dem Tor noch auf John Broda quer, der im Fallen durch die Schoner von Mnich das 1:0 erzielt. Der Goalie agiert hierbei unglücklich und drückt das Hartgummi am Ende selbst mit der Kufe über die Linie. Das Tor gibt den Gastgebern mehr Selbstvertrauen und bringt sie wieder besser ins Spiel, in ersten Powerplay fünf Minuten vor der zweiten Drittelpause ist es teilweise Dauerbeschuss auf Mnich, der aber permanent überragend pariert.
Nach der schadlos überstandenen Unterzahl traut sich auch Bietigheim wieder ins Offensivdrittel und ist kurz darauf selbst mit einem Mann mehr auf dem Eis (36.). Das bleibt zwar noch ungenutzt, im weiteren Druck danach klingelt es aber dann doch. Joshua Rust fälscht einen Distanzversuch von Benedikt Jiranek unhaltbar über die Schulter und unter die Latte zum Ausgleich ab (39.). Dennoch haben die Ellentäler Glück, dass es mit 1:1 in die Pause geht, Sören Sturm klärt nämlich die Scheibe wenige Sekunden vor der Pause in höchster Not Zentimeter vor der Linie.
Kurzweilige Begegnung
Das leere Tor verpasst auch Breitkreuz nach rund sechs Minuten im Schlussdrittel, als er einen Querpass direkt auf die Kelle geliefert bekommt. Er trifft den Puck aber am zweiten Pfosten nicht. So geht es nicht nur mit Spannung und viel Unterhaltungswert, sondern auch mit viel Qualität und hohem Tempo in die letzten zehn Spielminuten. Kein klarer Sieger kristallisiert sich heraus. Das Pendel schwingt immer wieder hin und her. Das Tor will aber nicht fallen, auch Bastian Eckls letzter Versuch mit der Schlusssirene bleibt an Füchse-Goalie Morrone hängen.
So wird Kemp erst in der Verlängerung zum Matchwinner. „Wir haben viel Talent im Team, je länger das Spiel dauert, desto mehr können wir das zeigen. Das hat man bei Kemps Tor gesehen“, resümiert Dugan nach der Partie. Auch Coach Alexander Dück weiß: „Es war kein einfaches Spiel, es war hart umkämpft.“
