Eine prall gefüllte Haupttribüne und 900 Eishockey-Fans sind am Samstagnachmittag im wahrscheinlich bestklimatisierten Plätzchen in ganz Bietigheim-Bissingen zu Gast. Denn während draußen die Sonne bei über 35 Grad auf die Köpfe knallt, ist es in der Ege-Trans-Arena angenehm kühl. Diese Abkühlung gönnen sich die Anhänger der Bietigheim Steelers beim Saisonopening und dem ersten öffentlichen Training der Spielzeit 2026/27. Neben den altbekannten Gesichtern um Kapitän Alexander Preibisch oder Tim Schüle sind auch zahlreiche Neuzugänge mit von der Partie.
Bietigheim Steelers Coach Kehler von Fan-Zuspruch beim Saisonopening begeistert
Der neue Trainer der Bietigheim Steelers schickt seine Spieler zum ersten Schaulaufen über das Eis in der Ege-Trans-Arena.
Auch der neue Coach Tim Kehler ist auf dem Eis zu Gange und vom Fan-Support beim Training begeistert. „Die Eishalle ist der angenehmste Platz der ganzen Stadt, die Hitze ist grauenvoll“, sagt Kehler nach dem Training mit einem Schmunzeln: „Aber es ist trotzdem wundervoll die Unterstützung der Steelers-Fans zu sehen.“ Eine hundertprozentige Überraschung war es jedoch nicht, denn dem Coach, sind die rekordbrechenden Dauerkartenverkäufe und letztjährige Fan-Unterstützung bewusst.
Nur Dugan fehlt noch
Der Kanadier, der von den Schwenniger Wild Wings ins Ellental gekommen ist, freut sich auf die neue Saison. Nicht nur aufgrund der SCB-Ultras und Anhänger, sondern auch aufgrund des Teams, das ihm zur Verfügung steht. „Es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Ich bin noch dabei, die Spieler kennenzulernen. Persönlich und auch auf dem Eis. Aber am Anfang der Saison sind alle heiß darauf rein zu starten.“ Zum Saisonopening fehlt mit Jack Dugan, der noch in den USA bei einem Drei-gegen-Drei-Team spielt, nur ein Spieler, ansonsten sind alle Männer weitestgehend fit und einsatzbereit.
Mit einem Altersdurchschnitt von 24,15 Jahren haben die Männer von der Enz den mit Abstand jüngsten Kader der gesamten DEL2. Die Eisbären Regensburg sind auf Platz zwei mit 25,79 Jahren. Daher müssen Kehler und das Team daran arbeiten, den jungen Kader schnell zu formen: „Die Jungs müssen sich schnell untereinander wohlfühlen.“ Ein zweiwöchiges Trainingscamp soll dabei helfen, die Mannschaft zusammenzuschweißen. Mit dem jungen Team will Kehler temporeiches Hockey spielen lassen und das gute Skating seiner Schützlinge ausnutzen: „Das scheint unsere Stärke des Teams sein, darauf müssen wir aufbauen.“ Um die zahlreichen Youngster gut in die Mannschaft einzubinden vertraut Kehler auch auf seine Routiniers. „Wir haben einen tollen Kern an Führungsspielern. Es war immer ein sehr eng gestricktes Team und dafür verdienen sie großes Lob.“
Preibisch als Ratgeber
Einer dieser älteren Spieler, die vorangehen sollen, ist natürlich Kapitän und Identifikationsfigur Alexander Preibisch. Der 35-Jährige geht in seine zehnte Saison in Bietigheim. Sein erstes Profispiel absolvierte der gebürtige Kölner in der Saison 2009/2010, sein Mitspieler Maksim Hanzek wurde da gerade erst geboren. Ein komisches Gefühl, wie er zugibt: „Das haben Tim Schüle und ich letztens schon festgestellt, dass wir mit Abstand die Ältesten sind und dass sich das seltsam anfühlt, wenn der Großteil der Mannschaft so viel jünger ist, als man selbst.“ Doch Preibisch ergänzt mit einem Lächeln: „Irgendwann ist halt die Zeit vorbei, wo alle gleich alt sind. Damit muss man Leben.“
Mit Tyler McNeely, Sören Sturm und Pawel Dronia verließen die „Opas“ des SCB im Sommer den Verein. Nun sind Schüle, Preibisch (beide 35), Marek Racuk (34) und Neuzugang Tim Bender (31) die einzigen vier über 30. Doch weiß der Kapitän das auch zu schätzen: „Es ist eine coole Erfahrung, wenn man sieht, dass junge Spieler nachkommen, die dich nach Rat fragen, was du früher selbst bei den Alten gemacht hast.“
Im Vorjahr wünschte sich der Spielführer ein ruhiges Jahr, ihm war aber bewusst, dass es das in all seiner Zeit bei den Steelers noch nie gab. „Es wäre mal eine Überraschung, wenn es mal eine ruhige Saison wäre. Ich hoffe mal, dass es etwas entspannter wird, wo man einfach in einem Fluss ist, dass es nicht immer diese Höhen und Tiefen gibt. Das ist für die Fans entspannter und für uns auch.“
Warnung vor Größenwahn
Was Preibisch aber auch klar macht: „Die Erwartung sollte nicht so sein, dass man wieder Fünfter wird, ins Halbfinale kommt und von der Meisterschaft denkt. Das wäre zu hochgeschossen. Die anderen Mannschaften haben auch nicht geschlafen und sich verstärkt. Es wird schwieriger für uns, die gleiche Rolle wie letztes Jahr zu spielen. Aber Überraschungen sind ja immer schön.“
