Bietigheim Steelers DEL2-Schlusslicht kappt seine Niederlagenserie

Von Michael Nachreiner
Jack Doremus (rechts) scheitert nach einem genialen Pass von Ryker Killins am langen Pfosten. Foto: Avanti/Ralf Poller

Nach fünf Spielen ohne Sieg gewinnen die Bietigheim Steelers gegen die Dresdner Eislöwen nach einer Partie voller Herz und Leidenschaft mit 5:2. Goalie Olafr Schmidt hält das Naud-Team aber erst einmal in der Partie.

Die Durststrecke der Bietigheim Steelers ist vorbei. Nach fünf Niederlagen in Folge hat sich das Team von Trainer Daniel Naud für einen couragierten Auftritt mit viel Herz und Einsatzwillen belohnt und das Kellerduell der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2) gegen den Drittletzten Dresdner Eislöwen mit 5:2 gewonnen. „Ohne die Fans wäre es nicht möglich gewesen, das Spiel zu drehen. Ich habe die Unterstützung gespürt, das hat Selbstvertrauen gegeben“, zollt Daniel Naud den Zuschauern Respekt. Und sein Gegenüber Petteri Kilpivaara ergänzt: „Die Bietigheimer haben mit viel mehr Leidenschaft gespielt und viel mehr investiert, um den Sieg zu holen. Von meinem Team habe ich dagegen das schlechteste Spiel seit Langem gesehen.“

Der Steelers-Trainer konnte wider Erwarten auf seinen Sohn Guillaume Naud zurückgreifen. Daniel Naud: „Es bestand zwar noch ein Risiko, aber das war kalkulierbar.“ Der Stürmer mit der Rückennummer acht, der für Fabjon Kuqi in die Reihe mit Jack Doremus und Alexander Preibisch rückte, spielte aber „nur ein Drittel und ein bisschen“, wie Daniel Naud berichtet. Dagegen musste der Coach auf Paul Mayer verzichten, der nicht rechtzeitig vor Spielbeginn von der U20-WM im schwedischen Göteborg in Bietigheim eingetroffen war, da es am Flughafen Probleme mit seinem Gepäck gab.

Olafr Schmidt muss Kopf und Kragen riskieren

Noch bevor die Steelers das erste Mal wirklich in Scheibenbesitz waren, musste Goalie Olafr Schmidt schon zweimal Kopf und Kragen riskieren (2.). In beiden Fällen hatten die Bietigheimer Yannick Drews aus den Augen verloren, der jeweils von Tom Knobloch in Szene gesetzt worden war. Doch das erste Mal begrub Schmidt den Puck im Nachfassen unter sich. Und beim zweiten Mal lenkte der Torhüter das Spielgerät mit einem Reflex über die Latte.

Nach fast genau vier Minuten war Schmidt dann aber doch geschlagen. Tomas Andres legte von fast von der Bande für David Rundqvist auf, der über die Stockhand des Steelers-Goalies in den langen Winkel vollendete – 1:0 (5.). Das Gegentor geht auch mit auf die Kappe von Pascal Zerressen, der die Situation schon hätte klären können. Und nur 100 Sekunden später hatten erst Knobloch, der nur den Außenpfosten traf, und dann Andres, der aus kurzer Distanz an Schmidt scheiterte, das 2:0 auf dem Schläger. „In den ersten Minuten haben wir nicht gut gespielt. Dresden hat alles richtig gemacht, hat uns unter Druck gesetzt. Wenn wir Olafr nicht gehabt hätten, hätte es statt 0:1 wahrscheinlich 0:4 gestanden“, erklärt Daniel Naud.

0:1 ist Weckruf für Steelers

Das Gegentor war wie ein Weckruf für die Bietigheimer. In der Folge nahmen sie die Zweikämpfe an und fuhren die Checks zu Ende. Die Dresdner schienen dadurch beeindruckt. Ihnen gelang offensiv in der Folge nicht mehr viel. Die Akzente setzten die Gastgeber.

Nachdem Doremus am langen Pfosten nach einem genialen Diagonalpass von Ryker Killins noch gescheitert war (8.), machte es Jackson Cressey nicht ganz zwei Minuten später besser. Nach einem Solo von Niklas Heinzinger über das halbe Feld, musste der Steelers-Center nur noch den Schläger hinhalten, um den Puck zum Ausgleich über die Linie zu befördern (10.). Und durch eine Koproduktion von Lewis Zerter-Gossage und Ryon Moser kamen die Bietigheimer sogar zur Führung. Erst legte Zerter-Gossage für Moser auf, der zwar an Eislöwen-Goalie Janick Schwendener scheiterte, aber in Scheibenbesitz blieb und zu Zerter-Gossage zurückspielte. Der Deutsch-Kanadier ließ sich die Chance aus relativ spitzem Winkel nicht nehmen – 2:1 (13.).

Im Mittelabschnitt machten die Steelers genau dort weiter, wo sie im ersten Drittel aufgehört hatten. Phasenweise schnürten sie die Dresdner bei sechs gegen sechs wie im Powerplay in deren Zone ein. Fast schon folgerichtig bauten sie die Führung auf 3:1 aus. Preibisch fälschte einen Schuss von Dennis Dietmann am kurzen Pfosten ab, sodass der Puck durch die Hosenträger von Schwendener kullerte (25.).

Offener Schlagabtausch im Mittelabschnitt

In der Folge befreiten sich die Eislöwen aber wieder aus der Umklammerung der Bietigheimer, sodass sich ein offener Schlagabtausch entwickelte – zunächst mit den besseren Gelegenheiten für die Gäste. Doch Schmidt behielt im Eins-gegen-eins gegen Knobloch die Oberhand (27.). Und Johan Porsberger schlug nach einem Querpass von Drews halb über den Puck (31.). Besser machte es Zerressen auf der anderen Seite. Sein Schuss von fast der blauen Linie schlug flach im langen Eck zum 4:1 ein (33.).

Das Spiel war gerade wieder durch ein Bully im Mittelkreis fortgesetzt, da gerieten Dietmann und Matthias Pischoff an der Mittellinie aneinander. Dafür, dass beide ihre Schläger wegwarfen, sich ihrer Handschuhe entledigten und einige Argumente austauschten, wurden sie erst einmal für fünf Minuten zum Abkühlen auf die Strafbank geschickt. Nur zwölf Sekunden später dann ein Schreckmoment für die Steelers: Anton Sproll rutschte bei einem Zweikampf in die Bande vor der Enztalkurve und blieb benommen liegen. Der 20-Jährige konnte nach kurzer Behandlung aber aus eigener Kraft wieder aufstehen und später auch weiterspielen.

Bevor die Torhüter in der Schlussphase des Durchgangs in den Mittelpunkt rückten, erhöhte noch Spencer Berry auf 5:1 – er hatte nach einem Bully direkt abgezogen. Danach parierte Schmidt auf der einen Seite spektakulär gegen Ricardo Hendrischke (38.). Und auf der anderen Seite behielt Pascal Seidel, der nach dem 1:4 den Platz von Schwendener zwischen den Pfosten der Dresdner übernommen hatte, im Eins-gegen-eins gegen Doremus die Oberhand (39.). Und kurz darauf spitzelte er mit einem Hechtsprung den Puck vor dem heranstürmenden Kuqi weg.

„Charaktertest“ für die Steelers

Im Schlussdurchgang (Daniel Naud: „Das war ein Charaktertest für uns. Wir hatten noch nicht so viele Spiele in dieser Saison, in denen wir mit so einer Führung ins letzte Drittel gegangen sind.“) hätte Doremus für die Vorentscheidung sorgen können. Doch der Goldhelm der Bietigheimer scheiterte auch beim zweiten und dritten Mal im Eins-gegen-eins an Seidel (45./52.). So blieb die Partie bis zum Ende hart umkämpft. „Wir sind im System geblieben, waren kompakt und haben Schüsse geblockt – alles, was man braucht, um Spiele zu gewinnen“, lobt Daniel Naud.

Den Dresdnern gelang nur noch Ergebniskosmetik. 2:45 Minuten vor dem Ende stocherte Porsberger die Hartgummischeibe aus dem Getümmel vor dem Steelers-Kasten über die Linie. Davor hatte Schmidt sein Tor sauber gehalten. Unter anderem hatte er mit einer Glanzparade gegen Porsberger einen früheren Anschlusstreffer der Eislöwen verhindert (52.).

Für die Steelers gehen die Wochen der Wahrheit aber direkt weiter. Am Sonntag (17 Uhr/Sprade-TV) sind sie beim bisherigen Vorletzten Starbulls Rosenheim zu Gast, der durch den 3:2-Sieg nach Verlängerung bei den Selber Wölfe einen Sprung auf Platz elf gemacht hat.

 
 
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