Bietigheim Steelers Derbytriumph in rappelvoller Arena

Von Andreas Eberle
Ein starkes Zeichen: Vor dem Heimspiel gegen Schwenningen bezeugten die Fans der Bietigheim Steelers mit einer Choreografie ihre Treue und Liebe zum Verein. Foto: Avanti/Ralf Poller

Die Bietigheim Steelers schlagen ihren Lieblingsgegner aus Schwenningen vor 4517 Fans mit 2:1 und schöpfen neue Hoffnung im DEL-Abstiegskampf. C.J. Stretch und Evan Jasper treffen für das Schlusslicht.

Zum ersten Mal in dieser Saison war die Ege-Trans-Arena am Freitagabend ausverkauft – und erst zum zweiten Mal seit dem DEL-Aufstieg 2021: 4517 Fans sorgten im Derby zwischen den Bietigheim Steelers und den Schwenninger Wild Wings für eine Gänsehaut-Atmosphäre und beflügelten auch die Protagonisten auf dem Eis – vor allem die des Gastgebers. Der SCB rupfte die Wildschwäne und schickte den Lieblingsgegner mit einer 1:2-Niederlage zurück in den Schwarzwald. Für die Steelers war es der schon fünfte Sieg im sechsten Schwabenduell in der höchsten deutschen Spielklasse und der zehnte Saisonerfolg. In der Tabelle verkürzte das Schlusslicht den Rückstand zum vorletzten Rang auf sieben Zähler.

Stolzer SCB-Trainer

„Ich bin sehr stolz auf unser Team. Wir wussten, dass wir es in der Hölle von Bietigheim mit einer sehr gut gecoachten Mannschaft zu tun bekommen und waren vorbereitet. Es war eine tolle Mannschaftsleistung“, sagte Trainer Pekka Kangasalusta nach dem Triumph über den Tabellenzwölften und sah einen deutlichen Fortschritt: „Wir haben endlich mal über die ganzen 60 Minuten solide und mit Struktur gespielt.“

Sein Gegenüber, der als künftiger Bundestrainer gehandelte Harold Kreis, war enttäuscht: „Wenn du in dieser Liga bestehen und punkten willst, muss du – unabhängig vom Gegner – 100 Prozent Fokus, Einstellung und Laufbereitschaft aufs Eis bringen. Das haben wir heute nicht über 60 Minuten gemacht.“

Die Steelers konnten gegen Schwenningen wieder auf zwei ihrer Stars zurückgreifen: Nach dreiwöchiger Verletzungspause kehrte Torjäger Chris Wilkie genauso ins Team zurück wie Sami Aittokallio. Der finnische Stammgoalie hatte zwei Tage zuvor gegen Ingolstadt beim 3:4 nach Penaltyschießen pausiert. Zum Mitteldrittel räumte Aittokallio aber wegen muskulärer Probleme gleich wieder den Platz zwischen den Pfosten. Cody Brenner übernahm – und der hielt genauso stark wie sein Vorgänger. „Beide Torhüter haben hervorragend gehalten“, lobte Kangasalusta.

Starkes Zeichen der Fans

Zur Feier des Tages hatten der Steelers-Anhang mit einer Choreografie eine Treue- und Liebesbekundung abgegeben. „Egal was kommt“, stand auf der einen Seite eines Buchstaben-Banners, ehe in den Vereinsfarben Grün-Weiß-Blau die Rückseite gezeigt wurde: „Meine Liebe, mein Verein – Schlittschuhclub Bietigheim“ war dort zu lesen. Angesichts der eher trostlosen Tabellensituation ein starkes Zeichen.

Stimmungsvoll ging es vom ersten Bully an auf den Rängen zu – und temporeich auf dem Feld. Beide Teams kämpften um jeden Zentimeter Eisfläche und waren bei allem Einsatz penibel darauf bedacht, Strafzeiten zu vermeiden. Ausgeglichen fiel mit 8:9 die Torschussbilanz aus. Elfmal schoss Schwenningen außerdem daneben, Bietigheim nur einmal. Leistungsgerecht endete das Auftaktdrittel 0:0. Das Salz in der Suppe, sprich Treffer, fehlte in dem umkämpften Derby allerdings.

Dies änderte sich in der 26. Minute. Das Bietigheimer Führungstor war ein Produkt des puren Willens. Guillaume Naud gewann am Gästekasten mit seiner körperlichen Wucht nacheinander Zweikämpfe gegen zwei Gegenspieler und verwirrte dann auch noch Wild-Wings-Keeper Joacim Eriksson, der einen Schuss von Mathew Maione nur notdürftig klären konnte. Elias Linder legte quer, und Center C.J. Stretch vollendete aus kurzer Distanz zum 1:0. Auch beim 2:0 handelten die Steelers entschlossen und zielstrebig: An der Bande auf Höhe der Mittellinie setzte sich Max Prommersberger entscheidend gegen Ken Andre Olimb durch, Rückkehrer Wilkie bediente bei einer Zwei-auf-eins-Situation mannschaftsdienlich Evan Jasper, und der Kanadier besorgte den Rest (35.). Die SCB-Fans waren nun vollends aus dem Häuschen.

Mit viel Herz verteidigten die Steelers im letzten Durchgang ihren Vorsprung. Ihre Schlussoffensive bescherte den Wild Wings nur noch den 1:2-Anschlusstreffer, den Tyson Spink erzielte (55.). Weil Brenner danach alles parierte und jeder SCB-Profi aufopferungsvoll das Tor verteidigte, ging der Tabellenletzte siegreich aus der Abwehrschlacht hervor – und durfte mit seinen euphorisierten Fans einen weiteren Prestigesieg gegen Schwenningen bejubeln. „Derbysieger, Derbysieger“, schallte es von den Rängen.

Am Sonntag beim Spitzenreiter

Mit frischem Mut treten die Steelers nun am Sonntag (19 Uhr) beim Spitzenreiter EHC Red Bull München an. „Wir müssen sehr gut sein, um dort zu gewinnen. Im Eishockey ist aber alles möglich. Jetzt müssen wir uns gut erholen und uns für Sonntag vorbereiten“, sagte Kangasalusta.

 
 
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