Die vergangenen Spielzeiten der Bietigheim Steelers glichen einer wilden Achterbahnfahrt. Nach dem Aufstieg in die DEL im Jahr 2021 ging es für die Ellentäler wie auf einer Wasserrutsche direkt von der DEL2 runter in die Oberliga. Nach dem direkten Wiederaufstieg sind die Steelers als Spitzenreiter der ewigen Tabelle in der DEL2 gefühlt wieder dort, wo sie eigentlich auch hingehören. Doch wer glaubt, dass die Ellentäler sich in der zweiten Liga nun in vertrautem Gefilde bewegen können, der irrt gewaltig.
Bietigheim Steelers Ein Neuling in (un)bekanntem Umfeld
Nach dem Gewinn der Oberliga-Meisterschaft sind die Bietigheim Steelers zurück in der DEL2. Obwohl ab Freitag starke Konkurrenz wartet, streben sie die Playoff-Teilnahme an.
„Obwohl wir ja vor zwei Jahren noch in der DEL2 gespielt haben, hat sich die Liga in der Zwischenzeit enorm weiterentwickelt“, gibt Steelers-Kapitän Alexander Preibisch zu Bedenken. „Das merkt man auch daran, dass anders als früher nun viele Mannschaften einen Aufstieg in die DEL in Angriff nehmen können.“
Das immense Wachstum belegen auch die jüngst von der DEL2 veröffentlichten Zahlen. Die zuschauerstärkste zweite Liga Europas hat mit knapp 70 Millionen Euro Gesamtumsatz einen neuen Bestwert aufgestellt.
„Wir haben letztes Jahr in der Oberliga noch zu den Vereinen mit dem höchsten Etat gehört, jetzt sind wir bestenfalls im Mittelfeld“, schätzt Trainer Alexander Dück die finanziellen Kräfteverhältnisse ein.
Schenkt man den im Fachmagazin Eishockey News geschätzten Gesamtetats Glauben, verfügt DEL-Absteiger Düsseldorf über fast dreimal so viel Geld wie die Steelers. Daher verwundert es nicht, wenn Geschäftsführer Gregor Rustige in der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz der DEL2 auf die Bremse drückt und sagt: „Wir sind Aufsteiger. Für uns heißt das, die Klasse zu erhalten. Wir wollen, so gut wie es geht, nichts mit dem letzten Tabellenplatz zu tun haben.“
Schielen auf die Playoffs
Die sportlichen Akteure bei den Ellentälern formulieren das etwas anders und versuchen positive Saisonziele zu definieren. Cheftrainer Alexander Dück will erstmal von Spiel zu Spiel schauen, sagt dann aber doch: „Jeder weiß, dass uns keine leichte Saison bevorsteht. Aber es ist recht einfach in der DEL2: entweder du kommst unter die ersten zehn und spielst in den Playoffs. Oder du landest zwischen Platz elf und 14 und musst Playdowns spielen. Deshalb ist natürlich klar, dass wir die Playoffs erreichen wollen.“
Auch Kapitän Alexander Preibisch hat ein Auge auf Platz zehn geworfen: „Ich bin recht zuversichtlich, dass wir uns aus den Abstiegsrängen raushalten können, das sollte auch definitiv unser Ziel sein. Sollten wir die Pre-Playoffs erreichen, wäre das eine feine Sache. Wenn man weiß was in den Playdowns abgeht, will man damit nichts zu tun haben.“
Gute Balance im Kader
Bei der Kaderzusammenstellung haben die Steelers eine gute Mischung aus bewährten Kräften und charakterlich passenden Neuzugängen hinbekommen. Elf Spieler des Oberliga-Meisterteams sind den Bietigheimern erhalten geblieben, neun Neuzugänge wurden verpflichtet.
Von den neuen Kontingent-Spielern konnte in der Vorbereitung vor allem der wendige und spielstarke Kanadier Brett Kemp mit vier Toren und vier Vorlagen überzeugen. Für den Amerikaner Jack Dugan ist Bietigheim die erste Station in Europa. Doch der 27-Jährige verfügt über viel Potenzial, das er in den Vorbereitungsspielen schon aufblitzen ließ. Auch Alex Dostie wusste mit seiner guten Übersicht zu gefallen. Mit Tyler McNeely, Alexander Preibisch, dem Rückkehrer Benjamin Zientek und Marek Racuk haben die Steelers weitere gute Angriffsspieler in ihren Reihen.
Erfahrene Verteidiger
In der Defensive setzen die Ellentäler auf viel Erfahrung. Pawel Dronia (36 Jahre) und Sören Sturm (35) kennen die DEL2 gut. Tim Schüle (34) ist ebenfalls ein Veteran, der jede Menge Routine mitbringt. Im Idealfall stellt die Verteidigung dank der erfahrenen Akteure ein Prunkstück dar, läuft es allerdings schlecht könnten die Defender altersbedingt mit der Geschwindigkeit in der DEL2 Probleme bekommen. Im Tor muss Olafr Schmidt mehr Konstanz beweisen und Florian Mnich sich durch Spielzeit mehr Sicherheit erarbeiten. Defensive und Goalie müssen einen Rückhalt darstellen, damit sich Erfolg einstellen kann.
Eine Wette auf einen positiven Ausgang ist man in der Causa Dück eingegangen. Der Bietigheimer Cheftrainer sah sich im Sommer mit dem Vorwurf konfrontiert, zwei Physiotherapeutinnen sexuell belästigt zu haben. Zwar einigte man sich außergerichtlich mit den betroffenen Personen, doch die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Angelegenheit weiter gegen den 45-Jährigen. „Wir haben uns komplett auf das Sportliche konzentriert und in der Kabine war das gar kein Thema“, betont Steelers-Kapitän Preibisch, Sollte es jedoch zu einer Verurteilung kommen, wäre Alexander Dück kaum in seinem Amt zu halten – und die Steelers, die bislang ihrem Trainer den Rücken gestärkt haben, stünden vor der großen Herausforderung, in der laufenden Saison einen neuen Trainer installieren zu müssen.
Erste Standortbestimmung
Die Vorbereitung lief durchwachsen bei den Ellentälern. Neben Siegen gegen Oberligist Heilbronn und Ligakonkurrent Bad Nauheim standen auch eine klare 2:5-Niederlage gegen Kaufbeuren und ein knappes 4:5 gegen Freiburg. „Die Vorbereitung darf man nicht überbewerten“, meint Alexander Preibisch. „Mir ist da nicht so sehr das Ergebnis wichtig, sondern wie wir uns präsentieren und ob die Abläufe, die man sich vorgenommen hat, funktionieren. Wenn andere Spieler und Teams das auch so machen, ist es schwer einzuschätzen, wo wir von der Leistung her stehen. Man muss die ersten zehn bis 15 Spiele abwarten, dann weiß man wo die Reise hingehen wird. Aber ich gehe mit einem sehr guten Gefühl in die neue Saison.“
Eine erste Standortbestimmung ist für die Bietigheimer am Freitagabend möglich. Dann gastiert ab 19.30 Uhr mit den Kassel Huskies ein heißer Meisterschaftskandidat zum Saisonauftakt in der Ege-Trans-Arena. Nachdem die Hessen in den letzten Jahren viermal die Hauptrunde als Erster abschließen konnten, scheiterten sie anschließend jeweils in den Playoffs. Dieses Jahr zählen sie erneut zu den Topteams der Liga.
