Bietigheim Steelers Eishockey paradox: Leistungen stimmen, Ergebnisse nicht

Von Andreas Eberle
Der US-Amerikaner C.J. Stretch (links) erzielte im Mitteldrittel den Bietigheimer 1:1-Ausgleich gegen die Kölner Haie – sein bereits sechster Saisontreffer. Hier versucht der Steelers-Mittelstürmer seinen Gegenspieler Julian Chrobot abzuschütteln. Foto: /Foto: Avanti/Ralf Poller

Die Bietigheim Steelers beenden das erste DEL-Wochenende nach der Deutschland-Cup-Pause punktlos. Bei der 2:5-Heimniederlage gegen Köln fehlt dem Naud-Team das Schussglück.

Irgendwie ist die Situation im Ellental schon paradox: In den beiden DEL-Spielen nach der Deutschland-Cup-Pause waren die Bietigheim Steelers mindestens gleichwertig. Dennoch stand der Underdog zweimal mit leeren Händen da: Dem 1:2 am Freitag im Kellerduell  bei den Augsburger Panthern folgte am Sonntag eine 2:5-Heimniederlage gegen die Kölner Haie. Der SCB trägt damit weiter die Rote Laterne des Tabellenletzten spazieren. Die Abschlussschwäche gepaart mit mangelndem Fortune verhinderte etwas Zählbares.

„Die Enttäuschung ist jetzt normal“, sagte Trainer Daniel Naud, der sich mit den jüngsten Leistungen seiner Profis aber zufrieden zeigte: „Wir sollten nicht so viel auf die Ergebnisse gucken, sondern auf die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt – und daraus das Positive ziehen. Wir lassen den Kopf nicht hängen und glauben weiter an uns.“

Rekordkulisse im Ellental

3215 Zuschauer bedeuteten für die Steelers eine Rekordkulisse in dieser Saison. Offenbar bewegt die Diskussion um die Fußball-WM auch die Gemüter der Bietigheimer Fans. Zumindest zierte ein Banner mit der Aufforderung „Boycott Qatar 2022, watch hockey“ zu Spielbeginn die Kurve.

Das Kräftemessen mit den Haien begann für die Steelers äußerst unglücklich. Beim ersten Angriff der Partie schoss Chris Wilkie allein vor Kölns Goalie Oleg Shilin nach einem Schlenker knapp vorbei. Im Gegenzug nutzte der Schwede Andreas Thuresson ein Abstimmungsproblem zwischen Mathew Maione und Guillaume Naud, brach in zentraler Position zwischen den beiden Verteidigern durch und bezwang auch Sami Aittokallio – die kalte Dusche für Bietigheim nach 51 Sekunden. Danach waren die Hausherren aber voll da und zeigten den Haien die Zähne. Allerdings bis zur ersten Pause trotz mehrer hochkarätiger Chancen noch ohne Torerfolg.

In der 27. Minute gelang C.J. Stretch der verdiente Ausgleich – auf Einladung des Kölners Jan Luca Sennhenn, dessen fahrlässiger Querpass im eigenen Drittel eine perfekte Vorlage für den Center war. Das furiose dritte Steelers-Powerplay hätte ein weiteres Tor verdient gehabt, aber erneut klebte den Schwaben das Pech am Schläger. So scheiterten Stretch und Maione innerhalb weniger Sekunden am Außenpfosten.

Pfeifkonzert für die Referees

Wie man’s besser macht, zeigten die Rheinländer in der 37. und 38. Minute. Bei einer angezeigten Strafe gegen Daniel Weiß, der Nicholas Bailen umgeschubst hatte, setzten die in dem Moment ohnehin in Überzahl spielenden Haie zur großen Attacke an – und Jason Bast traf rechts oben in den Winkel. Beim Spiel vier gegen vier umkurvte Louis-Marc Aubry kurz darauf Aittokallio. Den ersten Versuch des Kanadiers aus spitzem Winkel stoppte der Pfosten, aber mit der Spitze der Kelle bugsierte der bereits hinter dem Gehäuse stehende Aubry die Scheibe doch noch ins Netz – 3:1.

Ein Pfeifkonzert gab’s zur zweiten Pause von den Rängen – allerdings nicht für die Steelers, die sich durchaus konkurrenzfähig präsentierten und phasenweise auch spielerisch gefielen. Adressat war das Schiedsrichtergespann um die internationalen Referees Sean MacFarlane aus und Zsombor Palkövi, das die SCB-Profis im zweiten Durchgang mit Strafen überzogen hatte.

Kurios war das Bietigheimer Tor zum 2:3: Der fleißige Michael Keränen kniete bereits im Kölner Kasten und versuchte von dort zweimal den Puck über die Linie zu schieben. Dies tat dann der zurückgeeilte Haie-Angreifer Zachary Sill ungewollt bei seiner Rettungsaktion – nach dem Videobeweis durften die Steelers und ihre Fans jubeln (51.). Doch Jonathan Matsumoto nach einem Konter (57.) und Bast mit einem Empty-Net-Treffer (60.) gaben den Hausherren in der Endphase den Rest.

Hämische Absteiger-Rufe

„Absteiger, Absteiger“ tönte es hämisch aus dem Gästebereich. Der Bietigheimer Anhang hielt verbal dagegen und feierte das Team trotz der Heimniederlage, die viel zu hoch ausgefallen war. Dazu tauchte im Block nach dem Null-Punkte-Wochenende ein weiteres Banner auf – mit der Frage „Quo vadis SCB?“. Weiter nach unten kann es in der Tabelle jedenfalls nicht mehr gehen.

„Der Mannschaft kann man nicht böse sein. Sie spielt das, was sie mit ihren Möglichkeiten kann und tut alles, um erfolgreich zu sein. Wenn wir Spiele gewinnen wollen, muss jeder an die Grenze gehen – und das ist eben nicht jede Woche möglich“, stellte Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch fest.

Stimmen zum Spiel

Daniel Naud,
Trainer der Bietigheim Steelers: Wir wissen, wie wir spielen müssen, um in der DEL Erfolg zu haben. Auch nach dem frühen Rückstand haben wir fokussiert weitergespielt. Die Jungs arbeiten hart, auch nach hinten. Nach dem Ausgleich hatten wir im zweiten Drittel im Powerplay Chancen, in Führung zu gehen, aber die Scheibe wollte einfach nicht rein. Auch im letzten Drittel waren wir nach dem 2:3 wieder nahe dran.  Am Wochenende haben wir zwar keinen Punkt geholt, aber mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben, bin ich zufrieden. Wir müssen dranbleiben und weiter an uns glauben. Dann werden wir die Punkte auch wieder holen.

Uwe Krupp,
Coach der Kölner Haie: Es war ein ganz enges und intensives Spiel.  Ich hatte zwar das Gefühl, dass wir mehr Scheibenbesitz haben, aber Bietigheim hat immer wieder Nadelstiche gesetzt. Nach dem zweiten Drittel stand es 3:1 für uns, wir hätten da aber auch zurückliegen können. Oleg Shilin hatte einige gute Paraden, und zweimal haben die Steelers nur den Pfosten getroffen. Im letzten Drittel haben wir nicht viel verkehrt gemacht – auch wenn es nach dem 2:3 noch mal spannend wurde. Es war der erwartet harte Abend für uns. Um hier gegen Bietigheim zu gewinnen, musste jeder die Ärmel hochkrempeln und bereit sein.

 
 
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