In der vergangenen Spielzeit in der Eishockey Oberliga haben die Fans der Bietigheim Steelers häufig nach Heimspielen gesehen, wie sich die Spieler nach der Schlusssirene bei Goalie Olafr Schmidt für seine überragende Leistung bedankt haben. Am Freitagabend zeigt sich den 3232 Zuschauern in der Ege-Trans-Arena ein ähnliches Bild. Jedoch gehen die Ellentäler nicht zum Schlussmann, um sich bei ihm zu bedanken, sondern sich zu entschuldigen. Denn bei der 3:5-Niederlage ist Schmidt fünf Mal machtlos, zwei Mal wird den Gästen aus Oberschwaben sogar das Tor auf dem Silbertablett serviert und von einem Grün-Weißen selbst aufgelegt.
Bietigheim Steelers Ellentäler brechen sich selbst das Genick
Zwei individuelle Fehler führen unmittelbar zu Gegentore. Dadurch verlieren die Steelers am Ende mit 3:5 gegen Ravensburg und haben nun die Rote Laterne übernommen.
Traumstart dank McNeely
Dabei starten die Steelers wie die Feuerwehr in die Partie. Aus der Kabine kommen die Gastgeber mit mächtig Feuer unterm Hintern, beinahe jeden Check fahren sie hart zu Ende und zeigen zuletzt schmerzlich vermisste Aggressivität. Und das zahlt sich aus: Nach gerade einmal 75 Sekunden legt Tyler McNeely in der neutralen Zone per Rückhand durch die Beine die Scheibe in den Lauf für Benjamin Zientek. Der Rückkehrer geht allein auf das Ravensburger Netz zu, scheitert mit seinem Abschluss aber am Pfosten. McNeely ist jedoch clever mitgelaufen und staubt locker zur frühen Führung ab.
In der Folge macht der SCB mehr, jedoch stimmt die Abstimmung nicht vollständig. Auch, weil Trainer Alexander Dück nach den Ausfällen von Joshua Rust, Alex Dostie und Mike Fischer die Offensivreihen neugestalten muss. So kommen die Pässe häufig nicht sauber genug, auf drei richtige Entscheidungen folgt eine falsche und der Scheibenverlust. So erstarken die Towerstars und kommen mit einer ihrer ersten Chancen zum Ausgleich. Die Gäste gewinnen die Scheibe im eigenen Drittel, in der Rückzugsbewegung bekommt Bietigheim keinen Zugriff. So darf Matej Mrazek auf den blankstehenden Simon Sezemsky spielen, der von der blauen Linie aus präzise das kurze obere Kreuzeck anvisiert und über Schmidts Schulter hinweg das 1:1 einschweißt (11.).
Dugan mit Fehler Nummer eins
Doch damit nicht genug: Keine 120 Sekunden danach klingelt es schon wieder, dieses Mal werden die Ravensburger zum Toreschießen eingeladen. Jack Dugan, der sonst als Goldhelm vor dem gegnerischen Tor für Gefahr sorgt, bringt den Puck hinter dem eigenen Netz vor den Kasten und sieht wohl einen Mitspieler, der nicht dort steht. Der Einzige, der vor Schmidt lauert, ist Gäste-Goldhelm Mark Rassell, der direkt vor dem Goalie die Nerven behält und das Spiel dreht.
Trotz des Nackenschlags macht der SCB weiter und geht mutig vor. Dennoch stehen entweder fehlendes Glück oder eigenes Unvermögen zwischen den Hausherren und dem Ausgleich. Zientek hat nach einem starken Forechecking von Brett Kemp die Chance am kurzen Pfosten, verpasst es aber, die Scheibe über den Schoner von Goalie Nico Pertuch zu lupfen (15.). Mit der Pausensirene landet das Hartgummi nochmals am Alu.
Von diesem Momentum ist in Abschnitt zwei allerdings nichts zu sehen. Die Gastgeber sind vorne weiterhin zu schlampig und werden nach 32 Minuten eiskalt von den Oberschwaben bestraft. In Überzahl hat Robbie Czarnik im Rückraum zu viel Platz, schließt ab und hat Glück, dass Rassell noch entscheidend abfälscht. Sein Mitspieler steht nämlich im Schussweg und lenkt damit die Scheibe ins kurze Eck – Schmidt ist auf dem Weg ins lange. Mit dem 3:1 im Rücken drücken die Towerstars weiter, die Steelers dürfen sich bei Schmidt bedanken, dass es nicht weiter klingelt. So berappelt sich der Aufsteiger wieder, bemängelt aber nach wie vor die Chancenverwertung.
Jack Dugan und Justin Scheck verpassen binnen Sekunden beide im Slot, so braucht es erneut einen Abstauber von McNeely, um der Partie wieder Würze zu verleihen. Verteidiger Pawel Dronia bringt einen Pass hinters Tor, von der Bande prallt der Puck wieder in die gefährliche Zone, wo McNeely erneut richtig steht und sieht, wie das Tor-Licht in der Halle angeht (36.).
Söll mit Fehler Nummer zwei
Wie schon nach der ersten Pause verpassen es die Ellentäler auch nach der zweiten Unterbrechung, sich zu belohnen und schießen sich stattdessen erneut selbst ins Bein. Dieses Mal ist es Maximilian Söll, der am eigenen Kasten einen kapitalen Fehlpass direkt ins Zentrum spielt. Dort lauert erneut nur ein Ravensburger, in diesem Fall Erik Karlson. Der Schwede kann gemeinsam mit Czarnik gegen Schmidt ein Zwei-gegen-Eins ausspielen, Czarnik erzielt so seinen zweiten Treffer des Abends (44.). Jedoch beweist der SCB erneut Moral: In der sechsten Bietigheimer Überzahl des Spiels klingelt es endlich. Einen Schuss von Dugan kann Pertuch nicht festhalten, vom Schläger des Goalies prallt die Scheibe zum im Slot stehenden Marek Racuk, der den Abpraller keine 60 Sekunden später über die Linie bugsiert.
Zum Ausgleich kommt es allerdings nicht, denn wie es eine alte Sportweisheit besagt: Erst haben die Ellentäler kein Glück, dann kommt auch noch Pech dazu. In einer doppelten Überzahl mit drei Minuten auf der Uhr trifft erst Dugan, dann Kemp und dann noch Sören Sturm binnen 90 Sekunden den Pfosten – es wirkt wie vernagelt. Auch mit aller letzter Verzweiflung, Schmidt vom Eis und sechstem Feldspieler will die Scheibe nicht über die Linie. Wieder Kemp und Racuk verpassen den Ausgleich. So ergibt sich für die Towerstars fünf Sekunden vor Schluss der Break-Away auf das leere Tor, Alex Voyer darf den 5:3-Endstand für die Oberschwaben herstellen.
„Die Liga ist sehr sehr eng. Da reichen keine 99 Prozent“, resümiert Coach Dück nach der Partie. Da die Konkurrenz um den EHC Freiburg punktet, rutscht der SCB auf den letzten Rang ab. Die Breisgauer sind an diesem Sonntag der nächste Gegner.
