Bietigheim Steelers Final-Traum geplatzt

Von Niklas Braiger
Die Enttäuschung bei den Steelers und Arne Uplegger über den verpassten Finaleinzug ist groß. Foto: Timo Raiser

Auf das Aus von Trainer Alexander Dück folgt das Aus der Bietigheim Steelers im Playoff-Halbfinale gegen Kassel.

Turbulente 30 Stunden liegen hinter den Bietigheim Steelers. Am Samstagnachmittag entließen die Ellentäler noch Trainer Alexander Dück (mehr dazu im Artikel rechts), am Sonntagnachmittag steht das Playoff-Aus im Halbfinale gegen die Kassel Huskies fest. Ohne den vorherigen Headcoach an der Seitenlinie vertritt ihn sein bisheriger Assistent Boris Blank. In seinem Debüt als Cheftrainer muss der jedoch in der 77. Minute den K.o. hinnehmen. Denn in der Overtime drückt der SCB zwar minutenlang und liefert ein Chancenfeuerwerk, doch flattert ein abgeblockter Schuss von Yannik Valenti durch den Bietigheimer Slot. Direkt vor der Linie ist Tristan Keck der Nutznießer und Matchwinner und schlägt die Scheibe im Baseball-Stil zum 4:3 ins Netz.

„Ich bin einfach stolz auf die gesamte Mannschaft, was die geleistet hat“, zeigt sich Interims-Coach Blank nach dem Spiel mit gemischten Gefühlen. Trotz der Niederlage und damit dem Ende der Saison feiern die Fans noch Minuten nach der Schlusssirene ihre Männer in Grün und würdigen die Leistung, die der SCB in dieser Saison gezeigt hat. „Ich ziehe meinen Hut und verbeuge mich so tief es geht vor dieser Mannschaft“, sagt auf Hallensprecher Andreas Lausch nach dem Spiel.

SCB betreibt Chancenwucher

Dabei hätten die Steelers schon früh in Führung gehen können, doch wie schon in den Partie zuvor bemängeln die Schwaben die Chancenverwertung. Auch im ersten - eigentlich so starken - Powerplay der Schwaben nach einem Stockschlag von Yannik Valenti belohnen die die Hausherren nicht. Brett Kemp verpasst den Tip-In im Slot um Zentimeter (9.) und hat Sekunden später Pech, dass er bei einem Schlagschussversuch aus dem Gleichgewicht kommt.

Und so rächt sich der Chancenwucher mal wieder. Gerade wieder mit sechs Mann auf dem Eis wird Tristan Keck von Darren Mieszkowski steil geschickt, enteilt den Steelers-Verteidigern und bleibt vor Olafr Schmidt cool. Mit seinem platzierten Abschluss stellt er die Weichen für die Nordhessen auf Final-Einzug (11.). Nach dem Nackenschlag brauchen die Schwaben einige Minuten, um wieder in den Rhythmus zu finden. Arne Uplegger schickt fünf Minuten vor der Drittelpause ein erstes Lebenszeichen, lässt aber zwei Chancen ungenutzt. Erst Goldhelm Jack Dugan bringt dann den Großteil der 4285 Fans in der Ege-Trans-Arena erstmals zum Ausrasten. Bastian Eckl bleibt mit seinem ersten Versuch noch an Maurer hängen, bekommt den Abpraller aber direkt wieder auf die Kelle und sieht dann den US-Amerikaner im Slot. Der darf locker einschieben (17.).

Dostie dreht das Spiel

Die Gastgeber sind nun aber wieder voll in der Verlosung und bestimmen das Spiel, der ECK taucht nur noch selten gefährlich von Schmidt auf. Bietigheim arbeitet im Forechecking sehr gut gegen die Scheibe und lässt die Gäste nicht in das Aufbauspiel kommen. Doch weiterhin benötigen die Hausherren eine gesunde Portion Zielwasser. Aktivposten Eckl vergibt gleich mehrfach in aussichtsreicher Position, das Führungstor will nicht fallen. Es benötigt erst die zweite Überzahl für den SCB, damit es endlich zum 2:1 klingelt. Im ersten sauber vorgetragenen Vorstoß rennt sich Brett Kemp noch fest, legt dann aber noch clever zu Alex Dostie zurück. Der Kanadier versenkt mit dem ersten Kontakt flach ins Eck (33.).

Die Schlittenhunde zeigen sich davon wenig beeindruckt, machen nun wieder Druck und schüren selbst die Steelers hinten ein. Als diese dann die Scheibe nicht sauber aus der eigenen Zone geklärt bekommen, landet das Hartgummi bei Valenti, der aus kurzer Entfernung hart das hohe Eck findet und wieder egalisiert (38.).

So bleibt es zum sechsten Mal im sechsten Spiel eng im Schlussdrittel, in dem Dominic Turgeon die Enztal-Kurve nach viereinhalb Minuten verstummen lässt. Zwei seiner Versuche können nur geblockt, aber nicht geklärt werden. Das dritte Mal, dass er die Scheibe auf dem Schläger hat, versenkt er sie allerdings. Das Momentum ist nun klar aufseiten der Nordhessen, die clever mit dem Puck umgehen und hinten sicher stehen.

Uplegger sorgt für Overtime

Durch ein Powerplay – das allerdings ungenutzt bleibt – kommt Bietigheim wieder zurück in die Spur, hat nun wieder das Heft des Handelns in der Hand und setzt sich vorne fest. Und Uplegger sorgt zwei Minuten vor Schluss für Ekstase an der Enz. Schmidt ist gerade vom Eis, da bedient Eckl den torhungrigen Verteidiger, der das Spielgerät eiskalt in die Maschen jagt. Sein viertes Tor in Folge.

So geht es mal wieder in die Overtime, in der die gesamte Eishalle steht und mit jeder Chance der Steelers lauter wird. Trotz Kecks Tor bricht der Stimmung auch nach Spielende kein Zacken aus der Krone. „Heute war es ein enorm geiles Erlebnis für alle. Dass Kassel gewonnen hat war das Quäntchen Glück, vielleicht auch das sogenannte Kacktor“, resümiert Kapitän Alexander Preibisch nach dem Spiel und ergänzt: „Ich habe zu den Jungs schon in der Kabine gesagt, ich bin unheimlich stolz auf jeden einzelnen. Aber wenn du schon in den Playoffs bist, willst du am Ende auch gewinnen.“

 
 
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