Bietigheim Steelers Jugendlicher Leichtsinn am Student-Day

Von Niklas Braiger
So wie auch hier Alexander Preibisch (rechts) sind die Steelers entweder einen Schritt zu langsam oder scheitern an Oskar Autio im Kasten der Starbulls. Foto: Ralf Poller/Avanti

Defensiv pennen die Bietigheim Steelers mehrfach, offensiv sind sie zu Beginn zu verspielt und insgesamt zu ungefährlich. Somit verliert der SCB mit 3:6 gegen Rosenheim.

Viel ist los vor der Ege-Trans-Arena in Bietigheim am Sonntagabend. Nicht nur die 3360 Zuschauer für das DEL2-Duell der Steelers gegen die Starbulls Rosenheim sind vor Ort, sondern auch insgesamt 13 Stände stehen rund um die Eishalle verteilt. Grund dafür ist der Student-Day, an dem über ein Duzend Unternehmen aus der Region Werbung für ihre Firmen und Ausbildungsberufe machen. Davon angesteckt wirken auch die Steelers auf dem Eis. Doch übersetzt sich das leider nicht in jugendlichen Spielwitz, sondern mehr in jugendlichen Leichtsinn. Denn am Ende verlieren die Ellentäler mit 3:6 gegen die Starbulls und warten damit weiterhin auf den ersten Dreier der neuen Saison.

Järveläinens erster Streich

Schon den Anfang verpennt der SCB komplett. Nach einem Horrorpass aus dem eigenen Drittel von Maximilian Söll rettet noch Florian Mnich, nach nur 43 Sekunden sind die Hausherren dann infolge eines Stockschlags erstmals in Unterzahl. Die überstehen sie zwar noch schadlos, sind aber wenig später im kompletten Tiefschlaf. Lars Bosecker haut einen langen Schlag quer durch die neutrale Zone bis hinter das Tor von Mnich. Steelers-Verteidiger Arne Uplegger und Benjamin Jiranek pennen kollektiv und verpassen, sodass Ex-Bietigheimer Lukas Laub durchstartet, die Scheibe querlegt und für den mitgelaufenen Ville Järveläinen ablegt. Der Goldhelm der Starbulls kann ohne Mühe am Goalie vorbei zum 1:0 einschieben (5.).

Den langen Schlag durch die mittlere Zone hinweg nutzen die Rosenheimer immer wieder und überrumpeln damit die Ellentäler, die sich nach dem frühen Nackenschlag aber fangen. Offensiv bemühen sie sich nun um mehr Druck, teilweise wirkt es jedoch so, als wollen die Spieler den Puck ins Tor tragen. Immer wieder verpassen es die Männer in grün, den Abschluss zu suchen und spielen stattdessen noch einmal quer. So sind vor allem Brett Kemp und Jack Dugan immer wieder in aussichtsreicher Position, suchen aber nicht den Weg zum Tor, sondern nur den Mitspieler.

Kemp hat kurz vor der Drittelpause im ersten SCB-Powerplay gleich doppelt die Gelegenheit auf den Ausgleich, erst legt er aber noch auf Basti Eckl ab, der zu zentral auf Oskar Autio zielt, eine Minute später steht er im Slot blank, verpasst aber die Scheibe (20.). Doch wie schon zu Beginn ist die Dück-Sechs zum Drittelstart nicht wach genug. Wieder ist es ein einfacher Pass durchs Zentrum, Jordan Taupert scheitert aber an Mnich.

Was folgen, sind fünf Minuten voller Chaos. Erst gleicht Jack Dugan in Überzahl aus, Marek Racuk hatte zuvor stark nachgesetzt und eine schon verloren geglaubte Scheibe noch einmal scharf gemacht. Kemp lässt klatschen, Dugan macht es im Alleingang gegen Autio cool und schiebt zum 1:1 ein (28.). Keine 60 Sekunden später nutzen die Starbulls ein eigenes Powerplay, die Bayern ziehen das Haus breit, dadurch bekommt Charlie Sarault an der blauen Linie zu viel Platz. Sein Schuss wird im Slot noch unhaltbar von Luigi Calce über Mnichs Schulter abgefälscht.

Doch damit noch nicht genug: Dieses Mal ist es Taupert der in Unterzahl eine erneute Schlafmützigkeit des SCB-Hintermannschaft ausnutzt, nach einem Scheibenverlust, schnell umschaltet und den Doppelschlag für die Starbulls einnetzt (30.). Eineinhalb Minuten danach – endlich sind mal wieder sechs Spieler pro Seite auf dem Eis – ist dann plötzlich McNeely der SBR-Defensive enteilt und sorgt für das 2:3, nur 35 Sekunden danach stellt Järveläinen aber schon wieder den alten Abstand her. Der Finne zieht aus der Distanz ab, vor Mnich ist viel Verkehr, so schlägt die Scheibe hinter dem Goalie ein. Der Treffer bleibt auch nach dem Videocheck der Schiedsrichter wegen Torraumabseits bestehen (32.).

Dugan verkürzt wieder

Nach dem Trubel ebbt das Geschehen etwas ab. Beide Teams stehen hinten nun sicherer und bringen Ruhe ins Spiel. Dennoch ist die Partie temporeich, wenngleich nicht immer zielgenau. Und wie bereits nach dem ersten Abschnitt gehen die Gastgeber auch in die zweite Drittelpause mit einem guten Gefühl. Denn Dugan sorgt 16 Sekunden vor der Sirene erneut für den Anschlusstreffer. Er ist der Nutznießer eines Autio-Patzers. Der Finne kann nämlich eine Scheibe von Alexander Preibisch nicht festmachen, lässt das Hartgummi durch die Schoner rutschen und der Bietigheimer Goldhelm drückt es über die Linie.

Zwei Empty-Netter entscheiden

Doch auch dieses Mal verpassen es die Ellentäler, das Momentum mitzunehmen und den Ausgleich zu erzielen. Zwar kommen sie zu guten Chancen und schließen – anders als noch zu Beginn – dann auch ab, lassen aber die letzte Genauigkeit vermissen. So ist Autio im Kasten immer zur Stelle und die Rosenheimer verwalten die Führung gekonnt. In einem letzten Aufbäumen nimmt Coach Alexander Dück rund zwei Minuten vor Schluss Mnich vom Eis um aufs Ganze zu gehen. Doch das geht nach hinten los: Erst ist es Järveläinen, der ins verwaiste Netz einschiebt und den Deckel drauf macht (59.), eine Minute später schraubt der Ex-Steeler Lewis Zerter-Gossage den Deckel dann auch noch mit seinem Empty-Netter fest. Das 6:3 für die Starbulls ist in der Endabrechnung zu hoch, was auch Gästecoach Jari Pasanen anerkennt: „Das Spiel war knapper, als es das Resultat aussagt.“ Am nächsten Freitag geht es für den SCB mit einem Heimspiel gegen die Ravensburg Towerstars weiter.

 
 
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