Bietigheim Steelers Lois Spitzner: Zwischen Skates und Streams

Von Niklas Braiger
Auf dem Eis mit Helm, vor der Kamera ohne. Lois Spitzner zeigt sich den Fans nicht nur bei den Spielen der Steelers, sondern auch in Livestreams auf twitch.tv. Foto: /Martin Kalb

Der 29-Jährige hat vor der Saison gemeinsam mit Benjamin Zientek bei den Steelers einen Try-Out-Vertrag erhalten. Beide haben nun für das ganze Jahr unterschrieben.

Das Zittern rund um den Try-Out-Vertrag von Lois Spitzner und Benjamin Zientek bei den Bietigheim Steelers hat nun ein Ende. Denn der Verein verkündete am Donnerstagvormittag, dass beide Stürmer dem SCB erhalten bleiben und einen festen Kontrakt über eine Saison erhalten. Für die beiden Betroffenen kommt die Nachricht jedoch nicht aus dem Nichts. Schon vor dem ersten Saisonspiel wurden beide informiert  – und das vor versammelter Mannschaft. „Um 8.30 Uhr haben wir Videostudium, da sitzen wir alle in der Kabine. Da hat der Trainer dann verkündet, dass wir keine Try-Outs mehr sind, sondern wir jetzt offizieller Teil der Steelers-Familie sind“, erzählt Spitzner, der den Coaches in den zwei Monaten im Ellental also genug gezeigt hat, um sie zu überzeugen.

Erster Dreier wird angepeilt

„Zum Glück wusste ich früh im Sommer, dass ich dieses Try-Out angehe und konnte mich da mental darauf einstellen“, so der 29-Jährige, denn ein solcher Probevertrag birgt eine gewisse Ungewissheit. Eine große Hilfe waren dabei auch seine Mitspieler: „Ich hatte nie das Gefühl, dass ich hier im Try-Out war. Ich war von Anfang an auch für die Jungs ein fester Teil der Mannschaft, das hat es mir einfacher gemacht.“

Nachdem die Katze nun aus dem Sack ist und Spitzner und Zientek weiterhin Teil des SCB bleiben werden, kann sich der gebürtige Chemnitzer voll auf die nächste Aufgabe konzentrieren. Denn an diesem Freitag geht es für die Ellentäler im zweiten Heimspiel in der DEL2 gegen die Blue Devils aus Weiden (19.30 Uhr). Dann soll der erste Dreier der Saison her, nachdem es am vergangenen Sonntag immerhin ein 4:3 in der Verlängerung gab. „Das Spiel gegen Weißwasser war unglücklich für uns. Ich denke, dass wir als Mannschaft auf einem guten Weg sind, mit den neuen Spielern und dem neuem Trainer“, blickt Spitzner voraus.

Über 300 Follower auf Twitch

Doch auch Abseits des Eises will er die Eishockey-Fans begeistern. Wenn Spitzner mal nicht in der Halle steht oder sich mit seinem Sportmanagement-Studium beschäftigt, ist er regelmäßig auf der Livestream-Plattform twitch.tv unterwegs. Dort spielt er abends immer wieder auch mit den Mannschaftskollegen unterschiedliche Spiele, unterhält die stetig wachsende Zuschauerzahl und schaltet ganz bewusst vom Eishockey-Alltag in der Ege-Trans-Arena ab. „Ich hatte das letztes Jahr schon vor, aber mich nie richtig getraut. Ich hab das ganze Zeug hierher mitgebracht und dann kam Tim Bender auf mich zu und meinte, er hat frei, er kommt vorbei. Dann sind wir spontan das erste Mal live gegangen“, erzählt Spitzner, der nun seit ungefähr einem Monat streamt, über 300 Follower auf der Plattform angesammelt hat und regelmäßig Dutzende Zuschauer.

Dabei ist es egal, ob Spitzner in Sportspielen wie dem US-amerikanischen Eishockey-Simulator NHL27, dem Fußball-Ableger EAFC27, in Rennspielen oder anderweitigen Genres unterwegs ist. „Nach dem Heimspiel am vergangenen Sonntag hatten wir am Montag frei. Ich kann nach einem Spiel sowieso nicht schlafen und liege noch wach im Bett. Da sind wir dann noch nachts live gegangen und haben Horrorspiele gestreamt.“ Was ihm aber wichtig ist: „Eishockey geht vor.“ Wenn also am Tag darauf ein Training ansteht oder sogar ein Spiel stattfindet, macht Spitzner spätestens gegen 21.30 Uhr die Übertragung aus.

Die Mitspieler zocken mit

Auch deshalb wird es vom Umfeld und auch den Mitspielern nicht kritisch aufgefasst: „Ich habe es von Anfang so gemacht, dass man gar nicht denken kann, der Fokus geht weg vom Eishockey.“ Denn Spitzner weiß auch, dass seine Mitspieler ebenso vernarrt von den Videospielen sind – nur beim 29-Jährigen läuft eben noch die Aufnahme mit. Teilweise sind seine Teamkollegen auch mal mit dabei. So spielten schon Mick Hochreither, Dominik Klein, Tim Bender oder Justin Büsing mit. „Aber auch die Jungs, die bisher noch nicht dabei waren, sind im Chat und unterstützen das wirklich“, freut sich Spitzner.

Während der Streams sollen die Zuschauer und Eishockey-Fans die Chance haben, die Spieler auch mal abseits des sportlichen Alltags zu verfolgen. „Die Zuschauer finden es gut, uns abseits vom Eishockey und in unserer privaten Umgebung zu sehen und auch mal die Person unter dem Helm kennenzulernen“, weiß Spitzner. Um das klar abzugrenzen, hat sich der Sachse bei der Benennung seines Accounts auf twitch.tv Gedanken gemacht. „Ich wollte nicht die Rückennummer oder den Nachnamen dabei haben. Alle kennen mich unter Nummer 13 und Spitzner. Aber streamen ist eben außerhalb vom Sport. Deswegen bin ich ‚EinfachLois’.“

Entgegen des Trends: Kein Golfer

In der Planung sind künftig nicht nur Videospiele. So plant der Stürmer gerade ein Darts-Turnier mit den Jungs, das ebenfalls live übertragen werden soll. Denn auch neben dem Eishockey interessiert sich Spitzner für andere Sportarten. So waren er und einige Teamkollegen auch in dieser Saison bereits wieder bei Heimspielen der SG BBM Bietigheim vor Ort, auch die Trendsportart Paddel ist bei ihm hoch im Kurs. Mit Golf kann er im Gegensatz zu vielen SCB-Spielern hingegen nichts anfangen. „Golf habe ich vier Mal versucht anzufangen. Wir sind im Sommer in Kanada, da haben wir eine zweitägige Golftour gemacht, da bin ich aber nur Kart gefahren.“

 
 
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