Nur eine Handvoll Steelers-Fans sitzen am Sonntagabend in der Hans-Schröpf-Arena in Weiden. Beim Gastspiel der Bietigheimer Eishockey-Männer bei den Blue Devils gibt es nämlich einen Fan-Protest der Ultra-Szene des SCB, das wurde bereits am Freitagabend beim Heimspiel gegen Crimmitschau angekündigt. Grund dafür ist eine Preiserhöhung der Heimspiel-Tickets bei den Weidenern, die während der Saison in allen Kategorien teurer geworden sind. „Support reduzieren wegen hohen Eintrittspreisen“, schreiben die verbliebenen Fans auf einem Spruchbanner in der Kurve.
Bietigheim Steelers Marek „Magic“ Racuk vernascht auch Weiden
17 Scorerpunkte hat Marek Racuk nun in den vergangenen sieben Spielen gesammelt. Wie schon am Freitag erzielt der Tscheche auch gegen die Blue Devils einen Hattrick.
Abstand weiter vergrößert
Daher sind nur rund 20 Anhänger in Grün-Weiß-Blau in der Oberpfalz am Start. Die fahren aber immerhin mit guten Gefühlen nach Hause. Denn die Ellentäler gewinnen am Ende mit 5:2 gegen die Blue Devils und vergrößern damit den Abstand auf Rang sieben, der nur die Pre-Playoffs bedeuten würde. Sieben Zähler beträgt der Vorsprung des SCB auf Rang fünf auf Weißwasser.
Und dabei schlagen sie bei der Auswärtspartie schon früh zu und nutzen prompt eine Nachlässigkeit der Hausherren. Constantin Vogt vertändelt im eigenen Drittel leichtfertig den Puck, Cole Fonstad schleicht sich von hinten an und stibitzt sich das Hartgummi. Alleine vor Goalie Michael McNiven bleibt der Kanadier cool und schließt ins lange obere Eck zum frühen 1:0 ab (4.).
Ansonsten kommt im ersten Abschnitt aber wenig vor das Tor der Gastgeber. Weiden hat mehr Scheibenbesitz, die Steelers konzentrieren sich auf die Defensive und lassen nur kurz nach dem Führungstor Neal Samanski zu frei zum Schuss kommen. Schlussmann Olafr Schmidt ist aber da. Dessen Vorderleute kreieren aber auch nur selten mal eine gefährliche Chance. Mit lediglich 6:3 Schüssen aus Sicht der Blue Devils geht es in die Drittelpause, trotz des kaum vorhandenen Angriffs zeigt sich SCB-Verteidiger Sören Sturm positiv gestimmt: „Ich bin zufrieden, wir führen 1:0. Weiden checkt hart vor, aber wir kriegen die Scheibe gut hinten raus“, sagt er in der Pause.
Den Start in den zweiten Abschnitt verpassen die Schwaben aber komplett. Nach zweieinhalb Minuten schalten die Oberpfälzer vor dem Tor blitzschnell um, Noah Samanski bringt einen überragenden Pass quer durch die eigene und die neutrale Zone zu seinem Bruder Neal. Der 27-Jährige ist allein auf weiter Flur, kein SCB-Verteidiger hat ihn mehr im Blick und so schiebt der Weidener an Schmidt zum Ausgleich vorbei. Doch Bietigheim berappelt sich, investiert nun mehr nach vorne und setzt McNivens Kasten unter Beschuss.
Die Antwort auf Racuks Antwort
Mitten in dieser Druckphase ist es dann Marek Racuk, der den Aufwand belohnt. Der Tschech steht bei einem Distanzschuss von Mick Hochreither im Slot. Von dort aus fälscht er den Versuch seinen Verteidigers unhaltbar ab und sorgt für die erneute Steelers-Führung (32.). Erneut schalten die Gäste aber nach dem Treffer in den Verwaltungs-Modus, werden vorn wieder fahrig und agieren nicht mehr mit der zuvor gezeigten Konsequenz. Die Quittung gibt es drei Minuten vor der Pause in Form des erneuten Ausgleichs. Schon wieder geht es für die Ellentäler zu schnell, Weiden macht Tempo nach vorne und kommt durch Maximilian Kolb rechts vor dem Tor an die Scheibe. Der Linksschütze will das Spielgerät vor das Tor bringen, doch rutscht es an Freund und Feind vorbei. Auch Schmidt im Netz kann nicht mehr reagieren, so trudelt das Hartgummi zum 2:2 ins Netz.
Damit aber im zweiten Abschnitt noch nicht genug: 90 Sekunden vor der Drittelpause erarbeitet sich Brett Kemp robust die Scheibe an der Bande, leitet sie ins Zentrum zu Racuk weiter, der dort mit Vollgas in die Maschen trifft. In der Folge kochen die Emotionen hoch, Kemp trifft erst Calvin Pokorny bei einem langen Pass mit dem Schläger im Gesicht und kommt – trotz lauter Proteste der Blue Devils – unbestraft davon. Mit der Pausensirene geraten Alex Voyer und Racuk aneinander, von den Schiedsrichtern getrennt werden beide Parteien in die Kabine geschickt.
Zum Schlussabschnitt haben sich die Gemüter wieder beruhigt und beide Seiten konzentrieren sich auf das Eishockeyspielen. Weiden drückt wieder auf den dritten Ausgleich der Partie, Bietigheim darf sich mal wieder bei Schmidt bedanken, der sicher steht und die Führung für die Grün-Weiß-Blauen festhält. „Die Jungs haben super gespielt und hart vor mir gearbeitet“, lobt der Deutsch-Kanadier nach dem Spiel seine Vorderleute.
Noch nicht die Entscheidung
In der ersten eigenen Überzahl des Spiels rund zehn Minuten vor Ende verpassen es dann Kemp, Racuk, Jack Dugan und Alexander Preibisch allesamt das vierte Tor zu erzielen und zumindest für etwas Beruhigung zu sorgen. Doch auch sie scheitern an McNiven oder dem eigenen Schusspech. Die Unterzahl scheint den Oberpfälzern aber einige Körner gekostet zu haben. Denn fortan setzt sich Bietigheim immer öfter vorne fest, lässt Weiden selten zur Entlastung kommen.
So finden die auch in eigener Überzahl wenig später nicht zu Lösungen, stattdessen findet erst Tim Schüle von hinter dem eigenen Tor den Weg ins verwaiste EVW-Netz. Denn rund zwei Minuten vor Schluss ist McNiven schon vom Eis, die Brechstange soll her. Doch das geht nach hinten los, der Routinier stellt auf 4:2. Und auch Racuk hat noch nicht genug. Beinahe exakt 60 Sekunden später komplettiert der Tscheche mit dem 5:2-Endstand seinen Hattrick. Der dritte in den letzten vier Spielen, schon gegen Crimmitschau am Freitag und vergangene Woche gegen Bad Nauheim traf er dreifach. Damit hat er aus den vergangenen sieben Partien 17 Scorerpunkte gesammelt.
