Bietigheim Steelers Mit großer Moral zum ersten Heimsieg unter Kangasalusta

Von Andreas Eberle
Kampf um jeden Zentimeter: Steelers-Verteidiger Max Prommersberger (Mitte) stemmt sich Nürnbergs Nachwuchsstürmer Danjo Leonhardt entgegen, der ihn an der Bande wegdrücken will. Links lauert Jakob Ustorf, ein weiteres Ice-Tigers-Talent, auf den Puck. Foto: Avanti/Ralf Poller

Die Bietigheim Steelers gewinnen ein wildes DEL-Spiel gegen die Nürnberg Ice Tigers mit 6:5. Verteidiger Mathew Maione avanciert in der Verlängerung zum Matchwinner.

Ein irres DEL-Spiel sahen die 3542 Eishockey-Fans am Mittwochabend in der Ege-Trans-Arena – mit einem dramatischen Spielverlauf, elf teils spektakulären Toren, vielen haarigen Szenen, strittigen Entscheidungen und Fehlern zum Haareraufen. Aus Sicht der Bietigheim Steelers stimmte diesmal auch das Ergebnis: Sie schlugen die Nürnberg Ice Tigers nach einem großen Kampf mit 6:5. Mathew Maione erzielte in der Verlängerung das entscheidende Tor. „Ich bin natürlich glücklich über diesen Sieg. Er war sehr wichtig für die Jungs in der Kabine und unsere Fans, die heute wieder fantastisch waren“, sagte Trainer Pekka Kangasalusta nach dem ersten Heimerfolg unter seiner Regie. Doch so wirklich zufrieden war der Finne mit dem wilden Auftritt seiner Schützlinge nicht: „Wir müssen noch eine Menge verbessern. Das ist Fakt.“

In der Tabelle Boden gutgemacht

In der Tabelle machte der SCB Boden gut auf den Vorletzten Augsburger Panther, der gegen die Löwen Frankfurt mit 3:6 verlor. Die beiden Kellerkinder liegen jetzt nur noch sechs Zähler auseinander. Da auch die auf dem drittletzten Rang stehenden Eisbären Berlin in Bremerhaven patzten, reduzierte sich der Bietigheimer Rückstand zum Meister auf 13 Punkte. Am Freitag (19.30 Uhr) gastiert das Schlusslicht zum Jahresabschluss beim Tabellendritten Adler Mannheim.

In den ersten beiden Dritteln luden beide Teams zum Tag des offenen Tors. Den Beginn machten die Steelers in Person des späteren Matchwinners Maione nach gut drei Minuten. Der sonst so zuverlässige Assistenzkapitän spielte als letzter Mann, bedrängt von Oliver Mebus, einen Katastrophenpass genau zu Danjo Leonhardt, der zum 0:1 ins lange Eck traf. Beim 0:2 kam dann auch noch Pech dazu, als Guillaume Naud einen Fernschuss von Andrew Bodnarchuk unhaltbar mit dem Bein abfälschte (11.).

Doch der Tabellenletzte bewies einmal mehr Moral und biss sich zurück in die Partie. Nürnbergs Dennis Lobach leistete sich im eigenen Drittel einen Bock und bediente unfreiwillig Daniel Weiß, der leitete den Puck zu Benjamin Zientek weiter, und dessen Direktabnahme saß – 1:2 (13.). Ziemlich blöd sahen die Steelers beim dritten Gegentor aus: Daniel Weiß fuhr zum Wechseln zur Bande, nachdem sein Schläger entzweigebrochen war. So war die Bietigheimer Defensive für einen Moment unsortiert: Nach Tim Fleischers Diagonalpass überlief Daniel Schmölz leichtfüßig Guillaume Naud und schoss zum Nürnberger 3:1 ein (14.).

Atkinson mit Licht und Schatten

Eine grandiose Offensivaktion von Josh Atkinson leitete das 2:3 ein: Der Verteidiger düste von der blauen Linie dynamisch zum Tor, Naud stocherte nach, und Weiß besorgte den Rest (16.). So stark Atkinsons Vorarbeit war, so dilettantisch war sein Abwehrverhalten beim 2:4: Der von der Mittellinie mit viel Speed gestartete Gregor MacLeod umkurvte den Kanadier, zog vor den Kasten und vollendete mit der Rückhand.

Zwei Tore in 40 Sekunden

Der nächste Höhepunkt war die 37. Minute, in der die Steelers mit zwei Toren innerhalb von 40 Sekunden egalisierten. Nach langen Diskussionen und dem Videobeweis zählte C.J. Stretchs Treffer zum 3:4 doch noch. Auf dem Eis hatten die Schiedsrichter zunächst auf kein Tor entschieden – weil sich Naud und Bodnarchuk vor dem Nürnberger Kasten kräftig beharkt hatten und dabei Ice-Tigers-Keeper Leon Hungerecker zu Fall gekommen war. Im Duell vier gegen vier besorgte Maione das 4:4 und bügelte so seinen Patzer aus der Anfangsphase aus.

In der 49. Minute rannten die Bietigheimer in einen Konter: MacLeod sauste in zentraler Position davon, legte die Scheibe quer zu Dane Fox – und der ließ Sami Aittokallio keine Chance. In der Schlussphase riskierte der SCB Kopf und Kragen und nahm den Goalie zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Feld. Das Wagnis wurde belohnt: Chase Berger glückte in der vorletzten Minute noch das 5:5. Nach exakt 63 Sekunden in der Verlängerung schoss Maione die Steelers dann zum neunten Saisonsieg und sicherte den Extrapunkt – und wurde danach mit lauten Sprechchören für diese Heldentat gefeiert.

 
 
- Anzeige -