Viele Eishockey-Fans haben wahrscheinlich gedacht, dass Joshua Rust auf ewig bei den Bietigheim Steelers bleiben wird. In den Sozialen Medien wurde bereits über einen eventuellen Spitznamen des Angreifers diskutiert: Der Vize-Bürgermeister, in Anlehnung an den Spitznamen von SCB-Vereinslegende René Schoofs, den die Fans aufgrund seiner Vereinstreue irgendwann den „Bürgermeister“ tauften. Doch so kommt es nicht. Der 22-Jährige schließt sich zur neuen Saison den Memmingen Indians an.
Bietigheim Steelers Rust: Der Oberliga-Titel war „eine einmalige Erfahrung“
Joshua Rust verlässt nach 15 Jahren in der Jugend und bei den Profis der Bietigheim Steelers den Verein. Er blickt zum Abschied auf die schönen Momente zurück.
Debüt in der Abstiegssaison 2023/24
„Nach 15 Jahren ist es komisch, mit dem Gedanken zu spielen, zu wechseln“, gibt Rust zu, macht aber deutlich: „Als es realistischer wurde, hat man sich damit abgefunden. Als dann der Beitrag auf Social Media von den Steelers und mir kam, war das dann doch schon ein komisches Gefühl.“ Inzwischen ist die Vorfreude beim gebürtigen Ellentäler jedoch größer als der Abschiedsschmerz.
Von der Jugend an war Rust ein Teil der Grün-Weiß-Blauen. Bei der Trainer-Rückkehr von Daniel Naud am 3. Spieltag 2023/24 stand Rust erstmals im Kader und auch immerhin für 55 Sekunden auf dem Eis. Von da an ging es aber stetig bergauf. Rust sammelte mehr und mehr Minuten, sicherte sich so mehr und mehr Vertrauen von Naud und schließlich auch Alexander Dück. Im Januar 2024 durfte er sein erstes Profi-Tor beim Heimspiel gegen Ravensburg bejubeln, drei Monate später stieg er dennoch mit dem SCB in die Oberliga ab. „Der Abstieg ist definitiv hängen geblieben, so etwas geht nicht an einem vorbei“, erinnert sich der Offensivmann, der allerdings ein Jahr danach auf seine schönste Erinnerung mit den Ellentälern zurückblicken kann: „Die Meisterschaft in der Oberliga war eine einmalige Erfahrung, für die ich sehr sehr dankbar sein kann.“
Doch hat Rust nicht nur sportlich eine Achterbahnfahrt erlebt. Im Oktober 2021 riss sich der Youngster zum ersten Mal das Kreuzband. Direkt vor dem Start der DEL2-Playdowns im März 2024 folgte im Training dann zum zweiten Mal der Schock. Wieder das Kreuzband, wieder die gleiche Seite, wieder ein langer Leidensweg. „Ich habe in meiner ganzen Karriere noch nie etwas gehabt, vielleicht mal eine kleine Prellung“, erzählte Rust damals. So kam Rust nur auf 18 Hauptrundenspiele in der Oberliga 2024/25, immerhin in den Playoffs stand er 20 Mal auf dem Eis.
Keine Einschränkung nach den Kreuzbandrissen
„Die Kreuzbandrisse versuche ich so gut es geht auszublenden“, erklärt das Bietigheimer Eigengewächs. „Am Ende bringt es mir nichts, da die ganze Zeit daran zu denken. Es geht mir inzwischen gut, ich fühle mich fitter als vorher.“ Dennoch sagt Rust selbst, dass ihn die schweren Verletzungen geprägt und stärker gemacht haben.
Mit dieser Power will Rust nun in Memmingen angreifen, auch wenn er selbst sagt: „Es wird schwierig. Ich werde die Stadt und die Jungs vermissen, das gewohnte Umfeld.“ Doch die Aufgabe bei den Indians gibt ihm die Chance, sich ein neues Umfeld zu schaffen und viele neue Leute kennenzulernen. Mit den Verantwortlichen der Indians habe Rust bereits gute Gespräche geführt. „Ich habe nur positive Dinge vom Verein gehört. Viele haben mir gesagt, dass es einfach gut tun würde, weil ich da meinen nächsten Schritt gehen kann“, schildert er.
Zweifache Rückkehr steht in der nächsten Saison bevor
Ganz aus der Ellentäler Welt ist der Bietigheimer aber nicht. Da die Memminger in der vergangenen Saison aus der Oberliga in die DEL2 aufgestiegen sind, kommt es ab September zu mindestens vier Duellen in der Hauptrunde 2026/27, zwei davon wieder in der alten Heimat, der Ege-Trans-Arena. „Das wird schon ein bisschen komisch, sich in der anderen Kabine umziehen zu müssen“, meint Rust, er sagt aber: „Ich freue mich drauf. Da sollte man sich keine Gedanken drum machen. Das ist ein Spiel wie jedes andere.“
