Es hätte gleich eine doppelt-schöne Bescherung für die Bietigheim Steelers sein sollen. Schon an Heiligabend am Dienstag verkündet der Eishockey-Zweitligist aus dem Ellental die Vertragsverlängerung von Arne Uplegger. Der SCB bindet den Verteidiger, der vor der Saison aus Dresden ins Ländle kam, um ein weiteres Jahr. Hinzu hätten drei Punkte beim Schwaben-Derby gegen die Ravensburg Towerstars kommen sollen, am Freitagabend liegt Bietigheim aber wohl noch im Essens-Koma nach einem ausgiebigen Weihnachtsbraten. Denn die Defensive der Ellentäler wirkt hinten lethargisch und beschenkt stattdessen den ERV mit einem 4:2-Auswärtssieg.
Bietigheim Steelers SCB-Abwehr beschenkt Ravensburg
Im dritten Derby gegen Ravensburg gibt es die dritte Niederlage. Dieses Mal steht die Abwehr der Steelers vor allem zu Beginn desolat.
Ehrung für Rekord-Mann McNeely
Das erste Mal jubeln dürfen aber die Steelers, noch vor dem Eröffnungsbully gibt es Standing Ovations von den 4075 Fans in der Ege-Trans-Arena. Tyler McNeely wird für seinen DEL2-Scorer-Rekord, den er eine Woche zuvor brach (die BZ berichtete), geehrt und erhält auch Grußworte von seinem Vorgänger: Matt McKnight. Den Kanadier, der selbst von 2013 bis 2022 das Trikot des SCB trug, löste McNeely mit seinem Assists gegen Krefeld am vergangenen Sonntag nämlich ab und ist nun mit 497 Scorerpunkten in der DEL2 alleiniger Rekordhalter.
Spielerisch gibt es aber wenig zu feiern für die Hausherren. Schon nach 90 Sekunden steht es 0:1, die Hintermannschaft vor Goalie Olafr Schmidt ist im Tiefschlaf, der ungedeckte Schuss von Odeen Tuffo landet daher erst am Pfosten, trudelt über die Linie und sorgt für frühe Ekstase im Gästeblock. In der Folge wackeln die Oberschwaben zwar kurz, diese Schwächephase kann der SCB aber nicht nutzen. Cole Fonstad verzieht nach fünf Minuten nur knapp, so können sich die Towerstars wieder stabilisieren und lassen weniger zu. Nachdem kurz nach dem Powerbreak Mick Hochreither schier mit einer abgefälschten Scheibe für das 0:2-Eigentor sorgt, wirken die Steelers sichtlich verunsichert.
Rassell und Pfaffengut erhöhen
Vor Schmidt brennt der Weihnachtsbaum immer wieder lichterloh, Mark Rassell nutzt die Unsicherheit gnadenlos aus. Bei einem Pass von Robbie Czarnik hinter dem Tor steht der gesamte SCB-Block im Slot, so hat keiner den aus dem Rückraum einlaufenden Goldhelm im Blick. Dieser nimmt die Scheibe kurz an und fackelt sie zum 2:0 ins Bietigheimer Netz (15.).
Mit dem Kopf schon in der Pause kassieren die Steelers dann sogar noch im ersten Abschnitt das Dritte: Dieses Mal hat auch Schmidt zumindest eine Teilschuld, der Schlussmann kann einen zentralen Schuss von Louis Latta nicht festhalten sondern nur prallen lassen, Denis Pfaffengut steht richtig und staubt 43 Sekunden vor der Pause ab. „Es fängt immer mit der Defensive an, mit dem Spiel ohne Scheibe, nachdem wir die Scheibe verloren haben“, kritisiert Coach Alexander Dück nach dem Spiel.
Besser wird es nach der ersten Unterbrechung auch nicht wirklich. Die Grün-Weiß-Blauen lassen offensiv zu viel liegen und lassen die letzte Konsequenz vermissen. Ravensburg kommt über Körperlichkeit und viele ruppige Aktionen scheinbar in die Köpfe der Gastgeber. Allen voran Towerstars-Goalie und Ex-Steeler Ilja Sharipov tritt als Gespenst der Weihnacht auf, selbst in zweiminütiger doppelter Überzahl ist er unüberwindbar. Das liegt aber auch daran, dass der SCB vorne statisch spielt und kaum Gefahr ausstrahlt (27.). „Ich weiß nicht, ob da ein Schuss aufs Tor kam. Wenn ja, dann war es ein Zufallsprodukt“, sagt Dück.
Momentum kurzzeitig beim SCB
Schmidt ist der einzige Grund, warum es nicht deutlicher ausfällt, wobei der Goalie nach rund 35 Minuten wieder hinter sich greifen muss. Nach einem schönen Solo von Rassell ist es aber Torraumabseits der Ravensburger, der Treffer wird nach dem Videobeweis zurückgenommen. In der Folge schwingt das Momentum-Pendel wieder mehr in Richtung Bietigheim, doch weiterhin ist es eigene Ineffektivität und Inkompetenz, die einen Anschluss verhindert. In einer erneuten Überzahl verfehlen gleich drei Stürmer in grün das Hartgummi vor dem Kasten und lassen Hochkaräter liegen (39.).
Den Druck nehmen die Steelers immerhin auch in Drittel Nummer drei mit, wieder scheitern aber Brett Kemp und Jack Dugan in aussichtsreicher Position. Mitten rein in diese Phase sticht dann aber Ravensburg zu und wird wieder eingeladen. Dieses Mal spielt Dugan einen folgenschweren Fehlpass im eigenen Drittel, der direkt in der Kelle von Nickolas Latta landet. Latta, der im Zentrum dadurch frei an die Scheibe kommt, lässt sich das 4:0 nicht nehmen (42.). Und nicht einmal der Ehrentreffer ist dem SCB am Freitagabend vergönnt. Dugan bringt bei einem Solo den Puck knapp über die blaue Linie, was Abseits zur Folge hat. Der Schuss des US-Amerikaners schlägt zwar im Netz ein, wird aber von den Unparteiischen zurückgepfiffen (53.).
Häme aus dem ERV-Block
Fast noch schlimmer als das Ergebnis ist für die Bietigheimer Fans dann Häme der Gäste-Fans. Die lassen nämlich die Schlüssel kläppern und singen zur Melodie von „Kling Glöckchen“ ein keines Lied und schießen dort gegen die Steelers. Immerhin reagieren Joshua Rust und Mike Fischer noch mit der sportlich genau richtigen Antwort. Denn erst fälscht Rust einen Schuss von Sören Sturm zum 1:4 (57.) ab, dann vollendet Fischer ein überragendes Solo von Kemp zum 2:4 (59.).
Für mehr als Ergebniskosmetik reicht das jedoch nicht, das Aufbäumen kommt zu spät, auch ein letzter Sturmlauf inklusive Sechs-gegen-Fünf versandet. „Mit den letzten fünf Minuten bin ich nicht zufrieden“, resümiert ERV-Coach Bo Subr nach der Partie.
