Bietigheim Steelers SCB hat in Dresden einen Lieblingsgegner gefunden

Von Niklas Braiger
Jack Doremus hat nicht ohne Grund den Goldhelm bei den Steelers auf. Mit seinem Doppelpack gegen Dresden sorgt er für den Stop der Negativserie. Foto: Ralf Poller/Avant

Vier Spiele in der regulären Saison hat der SCB gegen die Eislöwen gewonnen. Der 4:1-Erfolg gibt den Steelers nochmal Hoffnung für den Endspurt.

Fußballkommentator Wolff-Christoph Fuss schrie vergangenes Jahr: „Im Keller brennt noch Licht!“ Es gibt wohl kaum bessere Worte, die den 4:1-Sieg der Bietigheim Steelers bei den Dresdner Eislöwen beschreiben. Die von einigen bereits totgeglaubten Schlusslichter aus dem Ellental schlagen den Kellerkonkurrenten am 44. Spieltag in der Deutschen Eishockey Liga 2 und melden sich mit der beachtlichen Leistung im Abstiegskampf zurück. Dabei zeigen die Schwaben ein komplettes Spiegelbild der Leistung aus den vergangenen Spielen: Offensiv mit bestechender Effizienz (nur 22 Schüsse reichen für vier Tore), defensiv gut gestaffelt, handlungsschnell und diszipliniert beendet die Mannschaft die sieben Spiele lange Niederlagen-Serie.

Neun Steelers-Akteure nicht mit im Kader

Und das, obwohl die Gäste noch mehr von Verletzungen gebeutelt sind, als in vorherigen Spielern. Neben den bekannten Guillaume Naud, Brett Welychka, Ryan Moser und Jackson Cressey, die bereits am Dienstag gegen Regensburg fehlten, gesellen sich Dennis Dietmann, Dominik Lascheit, Olafr Schmidt und kurz vor Spielbeginn sogar noch Ryker Killins ins Lazarett dazu. Damit bleiben Trainer Alexander Dück magere drei Reihen im Sturm – Neuzugang Marek Racuk muss noch eine Sperre absetzen. In der Defensive bleiben dem 43-Jährigen sogar nur zwei Reihen. „Ich muss jeden einzelnen loben, jeder hat sich reingehangen. Die Jungs wussten, nur so geht es“, zollt Dück nach der Partie seinem Rumpfkader Respekt.

Mit der dementsprechend knappen Personaldecke drücken die Hausherren von Beginn an aufs Gaspedal und setzen die Steelers unter Druck. Schmidt-Ersatz Leon Doubrawa im Kasten wird früh getestet: Mal hält er überragend auf der Linie gegen verdeckte Schüsse, mal wirkt er wacklig und kriegt den Puck nicht in der Fanghand festgemacht. So etwa in der vierten Minute, als der Keeper in Unterzahl die Scheibe nicht unter Kontrolle kriegt, sie ihm durch die Schoner rutscht und Niklas Heinzinger in höchster Not auf der Linie vor Justin Florek klärt.

Sonst passiert kaum etwas in Durchgang eins, die Schwaben verteidigen couragiert und diszipliniert, von zu langsamem Rückzugsverhalten wie noch gegen Regensburg, ist nichts zu sehen. Umso furioser startet der zweite Abschnitt, weiterhin drücken die Hausherren den SCB in die eigene Zone, weiterhin konzentriert sich die Dück-Schützlinge aufs verteidigen. Gelegentlich kommen die Schwaben mal zu einer Kontergelegenheit, zum ersten Mal durch Nicolas Hinz in der 26. Minute, die der Olympia-Silbermedaillengewinner Danny aus den Birken im Netz der Eislöwen mit der Stockhand entschärft.

Euphorie nach Doppelschlag wird von riesigem Bock gedämpft

Eine Minute später hat der Keeper der Dresdner dann aber keine Chance mehr. Ein Befreiungsschlag von Pascal Zeressen wird zur Vorlage für Jack Doremus, der mit dem Hartgummi am Stock quer übers Feld skaten darf und das Spielgerät aus rund zehn Metern eiskalt ins lange Eck zum 1:0 zirkelt (27.). Und ebenso wenig angekündigt hat sich der zweite Streich der Enztäler. Nur 22 Sekunden nach dem ersten Tor gewinnt Hinz ein Bully vor dem Netz von aus den Birken, Joshua Rust schließt ansatzlos ab und bringt die Scheibe mit einem verdeckten Schuss im kurzen Eck am Torhüter vorbei ins Netz.

Doch die Freude der mitgereisten Württemberger währt nicht lang, da Doubrawa in der 36. Minute unfreiwillig für den Anschluss sorgt. Nach einem langen Schlag aus der Dresdner Zone in Richtung des Tores des 22-Jährigen, der weit aus seinem Kasten rauskommt um zu klären. Dabei spielt er den Puck direkt in den Stock von David Rundqvist, der die Situation stark antizipiert und nur noch ins leere Tor einschieben muss.

„Leon hat Dresden im ersten Drittel zur Verzweiflung gebracht, so wie er hält, kann man ihm einen Fehler verzeihen“, sagt Alexander Preibisch in der letzten Unterbrechung und ergänzt: „Wir müssen jetzt einfach spielen und sie anrennen lassen. Wir versuchen, jeden Schuss, der aufs Tor kommt wegzunehmen und vorne unsere Chancen zu nutzen, wenn sie da sind.“ Und genau das macht sein Team. Die komplette Truppe schmeißt sich vor jeden Schuss der Hausherren, alles, was doch durch die weiße Wand kommt, pariert Doubrawa.

Bestechende Effizienz aufseiten der Enztäler

So passiert lange nichts und wie bereits im zweiten Drittel bleibt der Tabellenletzte unfassbar effektiv. Aus nur vier Abschlüssen im Schlussdrittel erzielen die Gäste zwei Tore: Das 3:1 fällt aus dem Nichts, einen Schuss von der blauen Linie von Brett Schaefer fälscht Ryon Moser noch entscheidend ab. Als Löwentrainer Niklas Sundblad aus den Birken vom Eis nimmt, um mit einer Überzahl alles zu versuchen, schnürt Doremus seinen Doppelpack mit einem platzierten Schlag aus dem eigenen Torraum in das verwaiste Tor (58.).

„Wir haben nicht viele Chancen gehabt, aber die effizient ausgenutzt“, weißt auch Coach Dück nach der Partie. Mit dem Sieg gibt sich der SCB gegen die Sachsen in der gesamten regulären Spielzeit keine Blöße, gewinnt alle vier Duelle und staubt die vollen zwölf Punkte ab. Damit verkürzen die Schwaben den Abstand auf den Konkurrenten auf neun Punkte.

 
 
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