Bietigheim Steelers SCB spielt wie ein Absteiger

Von Andreas Eberle
Chase Berger (links) und Michael Keränen halten den Bremerhavener Verteidiger Gregory Kreutzer an der Bande in Schach. Die Steelers-Kontingentspieler blieben aber blass. Foto: Eibner-Pressefoto/Jasmin Wagner

Das DEL-Schlusslicht aus Bietigheim-Bissingen ist für die Fischtown Pinguins nur ein Opfer und kassiert in Bremerhaven eine deftige 0:5-Klatsche. Das Team von Trainer Pekka Kangasalusta ist von Erstliga-Format momentan weit entfernt.

Neues Jahr, neues Glück“ lautet eine beliebte Phrase zum Jahreswechsel – gerade wenn das alte Jahr nicht besonders erfreulich war. Für die Bietigheim Steelers scheint allerdings der Ausspruch „neues Jahr, altes Leid“ eher zuzutreffen. Denn das erste DEL-Spiel 2023 ging am Montagabend gründlich in die Hose: Mit 0:5 verlor der Tabellenletzte bei den viertplatzierten Fischtown Pinguins nach einer ganz schwachen Vorstellung. Da zur gleichen Zeit die Augsburger Panther in Wolfsburg überraschend zwei Punkte holten, beträgt der Rückstand des SCB auf den vorletzten Rang nun wieder acht Zähler.

Braun fordert andere Spielweise

„Wir spielen zu viel außen rum und müssen mal anfangen, etwas den Finger zu ziehen und ein dreckigeres Eishockey zu spielen, bei dem man vorne auch aufs Tor schießt, sonst geht das in den nächsten Spielen so weiter“, sagte Kapitän Constantin Braun im Interview bei Magenta Sport. Seine Forderung an die Mitstreiter: „Wir müssen aufhören, Hacke, Spitze, eins, zwei, drei zu machen.“ Bereits am Mittwoch (19.30 Uhr) hat seine Mannschaft gegen den ERC Ingolstadt die Chance, die Scharte auszuwetzen.

Die Steelers waren extra bereits an Neujahr an die Nordseeküste gereist, um tags darauf optimal vorbereitet und frisch in der Eisarena Bremerhaven anzutreten. Doch im ersten Drittel wirkte das Team eher so, als ob es gleich nach einer durchzechten Silvesternacht mit einem Riesenkater aufs Eis gegangen wäre. Die Pinguins dominierten vor den 4269 Zuschauern von Beginn an das Geschehen und deckten die Bietigheimer Defizite in der Verteidigung und im Angriff schonungslos auf. Bei den Nordlichtern klappte vieles, beim SCB fast nichts. Flüchtigkeitsfehler, mangelnde Scheibenkontrolle, null Durchschlagskraft, kaum körperliche Präsenz und große Lücken in der Abwehr – die Schwaben spielten so, wie es ihrem Tabellenplatz entspricht: wie ein Absteiger.

Standesgemäß und verdient lagen die Bremerhavener nach 20 Minuten mit 2:0 vorne. Beim ersten Gegentor waren die Steelers zu weit aufgerückt und hatten die Absicherung vergessen. Ziga Jeglic, eigentlich eher der Typ Vorbereiter, bewies, dass er auch einen Killerinstinkt hat und bezwang Sami Aittokallio mit einem Schuss über dessen Fanghand (4.). Der zweite Pinguins-Treffer resultierte aus einer feinen Einzelleistung von Antti Tyrväinen. Der Finne umkurvte bei seiner Fahrt von außen in den Slot Tim Schüle und vollstreckte eiskalt, während Mathew Maione und Benjamin Zientek mit der Bewachung der eigenen Gegenspieler beschäftigt waren (18.).

SCB-Youngsters als Aktivposten

Offenbar hatte Trainer Pekka Kangasalusta seinen Schützlingen in der ersten Pause ordentlich die Meinung gegeigt, denn die Gäste starteten druckvoll und aggressiv in den zweiten Durchgang. Mit dem 3:0 zogen die Pinguine dem Schlusslicht aber gleich wieder den Zahn: Bei Alexander Friesens Steilpass rutschte Teemu Lepaus der Puck durch, und Dominik Uher schloss den Konter erfolgreich ab (26.). 56 Sekunden vor der zweiten Pause erhöhte Jeglic per Abstauber noch auf 4:0. Goalie Aittokallio, der Schlimmeres verhinderte, konnte einem leid tun. Die anderen Kontingentspieler im Kader tauchten unter. Dass die Youngsters Elias Lindner, Fabjon Kuqi und Robert Kneisler die besten Bietigheimer Feldspieler waren, spricht Bände.

Zweckoptimismus und Schadensbegrenzung

Im Schlussdrittel ging’s für das Kellerkind nur noch um Schadensbegrenzung, auch wenn Verteidiger Max Renner im Pausen-Interview Zweckoptimismus verbreitete: „Im Eishockey ist viel möglich. Ich will keinen sehen, der aufgibt. Wie müssen weiterkämpfen.“ Seine Hoffnung, dass der Tabellenvierte die Steelers jetzt auf die leichte Schulter nehmen würde, erfüllte sich aber nicht. Ein Fernschuss von Vladimir Eminger schlug gar noch zum 5:0 ein (47.). Danach begnügten sich die Pinguins mit diesem Ergebnis. Zum Bietigheimer Glück.

 
 
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